Aktualisiert 30.03.2020 13:42

Prostituierte trotzen Corona

«Ohne Sexarbeit würde ich alles verlieren»

Trotz Verbot des Bundesrates bieten einige Prostituierte weiterhin ihre Dienste an. Sandra* erzählt, warum sie sich nicht an die Richtlinien halten kann.

von
juu/mst/mim
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Der Bundesrat hat vor knapp zwei Wochen die ausserordentliche Lage ausgerufen. Seither steht das öffentliche Leben in der gesamten Schweiz fast still. Auch das Sexgewerbe wird von der Massnahme hart getroffen. (Symbolbild)

Der Bundesrat hat vor knapp zwei Wochen die ausserordentliche Lage ausgerufen. Seither steht das öffentliche Leben in der gesamten Schweiz fast still. Auch das Sexgewerbe wird von der Massnahme hart getroffen. (Symbolbild)

Keystone/AP/Marijan Murat
Inserate auf einschlägigen Plattformen zeigen allerdings, dass manche Frauen dennoch den Weisungen des Bundes trotzen. (Symbolbild)

Inserate auf einschlägigen Plattformen zeigen allerdings, dass manche Frauen dennoch den Weisungen des Bundes trotzen. (Symbolbild)

Keystone/AP/Marijan Murat
20 Minuten hat mit einer von ihnen gesprochen: Sandra* erzählt, warum sie trotz Coronavirus sexuelle Dienstleistungen anbietet. (Symbolbild)

20 Minuten hat mit einer von ihnen gesprochen: Sandra* erzählt, warum sie trotz Coronavirus sexuelle Dienstleistungen anbietet. (Symbolbild)

Keystone/AP/Marijan Murat

Der Bundesrat hat vor knapp zwei Wochen die ausserordentliche Lage ausgerufen. Seither steht das öffentliche Leben in der gesamten Schweiz fast still. Bars, Restaurants, Kinos, Schwimmbäder und Geschäfte – ausser Supermärkte, Banken, Apotheken und die Post – bleiben vorerst bis zum 19. April geschlossen. Auch das Sexgewerbe wird von der Massnahme hart getroffen. Wie mehrere freischaffende Damen zu 20 Minuten sagen, mussten sie kurzerhand auf Telefon- und Camsex umsteigen.

Das Einhalten dieser Vorschriften wird von den jeweiligen Kantonspolizeien übernommen. Wie Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kapo St. Gallen, auf Anfrage sagt, geht man Hinweisen oder Verdacht auf Verstösse weiterhin nach und nimmt Kontrollen und Abklärungen vor. «Im Widerhandlungsfall werden wir entsprechende Massnahmen ergreifen», so Krüsi.

Inserate auf einschlägigen Plattformen zeigen allerdings, dass manche Frauen dennoch den Weisungen des Bundes trotzen. Mit Angaben wie «100% Virus-free», «beste Hygiene, sehr saubere Frau» und «nur maximal drei Kunden pro Tag» versuchen die Sexarbeiterinnen trotz des Verbots Kundschaft zu generieren. 20 Minuten hat mit einer von ihnen gesprochen:

Sandra*, du bist als Sexarbeiterin tätig. Warum bietest du trotz der aktuellen Coronavirus-Krise weiterhin deine Dienste an?

Die Not treibt mich dazu. Ich habe keine Rücklagen. Vor zwei Jahren habe ich durch eine Naturkatastrophe im Ausland alles verloren, danach kam ich in die Schweiz. Da ich weiterhin meine Miete und Steuern zahlen muss, kann ich mir so einen langen Arbeitsausfall einfach nicht leisten. Ohne das Geld würde ich sonst auch hier alles verlieren.

Das Selbstständigenformular vom Bund kommt erst noch, aber ich traue dem nicht so ganz und glaub auch nicht, dass ich dort schnell zu Geld komme.

Wie schützt du dich im Beruf vor einer Ansteckung und wie schützt du deine Kunden?

Bei einem Treffen mit einem Kunden gilt: Ich berühre und massiere den Kunden, er darf mich aber nicht anfassen. Seit den Weisungen habe ich auch keinen Geschlechtsverkehr mehr angeboten.

Wie viele Kunden empfängst du pro Tag?

Momentan ist es sehr schwierig, neue Kunden zu finden. Viele der Inserate-Seiten sind entweder offline oder man kann darauf nicht mehr inserieren. Die letzten zwei Tage hatte ich keinen einzigen Kunden. Meine einzige Einnahmequelle sind momentan nur die Sextelefonate. Dafür bekomme ich vielleicht mal 20 Franken, aber um die Miete zu zahlen, reicht das leider bei weitem nicht.

*Name der Redaktion bekannt

Über Sandra*:

Sandra* ist 60 Jahre alt und arbeitet im Kanton St. Gallen als Erotik-Masseuse. Wie sie zu 20 Minuten sagt, hätte sie gern einen anderen Job, doch aufgrund ihres Alters sei dies schwierig. Ich bin nicht glücklich darüber, dass ich meinen Körper verkaufen muss, aber mir bleibt nichts anderes übrig.

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