14.05.2019 11:02

Verlassene BergdörferOhne Touristen verschwinden diese Oasen

Um vergessene Dörfer vor dem Aussterben zu bewahren, wurde in Italien das Konzept der «alberghi diffusi» entwickelt. Es ist ein Paradebeispiel für nachhaltigen Tourismus.

von
hüt
14.5.2019
Das Tessiner Dorf Corippo stand kurz vor dem Aussterben. Nur noch 12 Personen leben im Dorf.

Das Tessiner Dorf Corippo stand kurz vor dem Aussterben. Nur noch 12 Personen leben im Dorf.

Keystone/Gabriele Putzu
Um das Leben wieder zurückzubringen, wird das kleinste Schweizer Dorf im Verzascatal nun zum Hotel umgebaut.

Um das Leben wieder zurückzubringen, wird das kleinste Schweizer Dorf im Verzascatal nun zum Hotel umgebaut.

Keystone/Gabriele Putzu
Im Sommer 2019 soll das Hotel eröffnet werden. Ziel des Projektes ist die Neubelebung der Landschaft unter nachhaltiger Nutzung der vorhandenen Ressourcen.

Im Sommer 2019 soll das Hotel eröffnet werden. Ziel des Projektes ist die Neubelebung der Landschaft unter nachhaltiger Nutzung der vorhandenen Ressourcen.

Keystone/Samuel Golay

Bis vor kurzem hatte kaum jemand von Corippo gehört. Das Tessiner Dörfchen stand kurz vor dem Aussterben mit 12 verbleibenden Einwohnern. Im letzten Sommer wurde schliesslich die rettende Idee präsentiert: Aus dem gesamten Dorf soll ein «albergo diffuso» werden (auf Deutsch: verstreutes Hotel), und Corippo damit ein zweites Leben erhalten. Hierzulande wurde das Konzept als innovativ gefeiert, neu ist es aber nicht. In Italien gibt es die sogenannten «alberghi diffusi» seit Ende der 1970er Jahre.

Im Gegensatz zu einem normalen Hotel sind in einem «albergo diffuso» die Zimmer nicht in einem Gebäude untergebracht, sondern auf das ganze Dorf verteilt. Es gibt eine zentrale Rezeption, die Zimmer befinden sich in einem Umkreis von 200 bis 300 Metern in verschiedenen Häusern des Dorfes, Tür an Tür mit den Einheimischen. Der Service ist derselbe wie in einem Hotel: Die Zimmer werden täglich gereinigt, die Betten neu bezogen, Informationen und Tipps erhalten die Gäste an der Rezeption.

Das alternative Hotelkonzept fördert einen nachhaltigen Tourismus: Nichts wird neu gebaut, sondern die bestehende, leerstehende Infrastruktur genutzt. Alte, oftmals historische Dorfhäuser erhalten eine sanfte Renovierung, die Struktur bleibt bestehen, nur das Innenleben wird überholt. Durch den Tourismus entstehen neue Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung, was die Abwanderung von Jungen und Familien verhindern soll. Die Touristen sind nicht in einem Komplex abgeschottet, sondern Teil des Dorfes und können so eine authentische Erfahrung machen.

1976 erschütterte ein Erdbeben die norditalienische Region Friaul-Julisch Venetien, die an Österreich und Slowenien grenzt. Viele Dörfer wurden dabei zerstört und die Bewohner wanderten in die umliegenden Städte ab. Der italienische Tourismusberater Giancarlo Dall'Ara entwickelte die Idee der «alberghi diffusi», um es für die lokale Bevölkerung attraktiv zu machen, in ihrem Ort zu bleiben und ihre Häuser wieder aufzubauen. Sein Plan ging auf: Mittlerweile gibt es überall in Italien mehr als 80 «alberghi diffusi».

Der Verband

Mehr zum Konzept, den Mitgliedern und Neuigkeiten liest du auf der Website des Nationalverbands der Alberghi Diffusi >>

Übernachtung

Sant'Angelo Luxury Resort in Matera, Deluxe-Zimmer ab 330 Euro pro Nacht. Zur Website >>

Relais del Maro in Borgomaro, Doppelzimmer ab 160 Euro pro Nacht. Zur Website >>

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung von ENIT, der italienischen Zentrale für Tourismus.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.