Aktualisiert 22.02.2011 07:50

25 Millionen LohnOhrfeige für Novartis-Boss Vasella?

Gegenwind für Daniel Vasella. Den Novartis-Boss erwartet an der GV massive Kritik. Im Mittelpunkt: Löhne, Boni und eine versteckte Abgangsentschädigung.

von
Sandro Spaeth
Novartis Verwaltungsratspräsident an der Generalversammlung 2010.

Novartis Verwaltungsratspräsident an der Generalversammlung 2010.

Kommt es an der Novatis-Generalversammlung in der Basler St. Jakobshalle zum grossen Showdown? Erstmals werden die Aktionäre die Möglichkeit haben, konsultativ über das Vergütungssystem von Novartis abzustimmen. Obwohl es nicht um Daniel Vasellas Einzellohn geht, dürfte dem aktuellen Verwaltungsratspräsidenten und Ex-CEO ein starker Gegenwind ins Gesicht wehen. Dutzende Aktionäre werden in ihren Reden Vasellas Millionengehalt angreifen und zur Ablehnung des Vergütungsberichts aufrufen. Wie viele Personen sich als Redner eingeschrieben haben, wollte Novartis noch nicht bekannt geben.

Die Kritik wütender Kleinaktionäre wird am 56-jährigen Strahlemann wohl abprallen wie Wassertropfen von einem Regenschirm. Für Falten auf Vasellas Stirn sorgen schon eher die grossen Aktionärsvereinigungen, deren Empfehlungen viele institutionelle Anleger folgen. Klar ist: Die Schweizer Anlagestiftung Ethos von Dominique Biedermann, die zahlreiche Pensionskassen vertritt, sowie die US-Stimmrechtsvertreter ISS und Glass Lewis lehnen das Vergütungssystem des Pharmariesen ebenfalls ab.

30 Prozent als starkes Zeichen

Wegen des konsultativen Charakters der Abstimmung werden die Aktionäre die Millionenbezüge der Novartis-Geschäftsleitung nicht verhindern können. Aktionärsvertreter erhoffen sich aber eine Signalwirkung für die Zukunft. Roby Tschopp, Geschäftsführer der Aktionärsvereinigung Actares rechnet damit, dass an der Generalversammlung vom Dienstag 15 bis 30 Prozent der Aktionäre das Vergütungssystem ablehnen. «30 Prozent wären bereits ein starkes Zeichen an den Verwaltungsrat», so Tschopp. «Wenn 50 Prozent der Aktionäre das Vergütungssystem ablehnen würden, wäre dies eine schallende Ohrfeige für Vasella.»

Von einem solchen Stimmenanteil wagt Tschopp aber eigentlich gar nicht zu träumen: «Es ist kein derartiges Sprengstoffthema wie die Décharge für die alte UBS-Führung», erklärt Tschopp. Folglich sei die Mobilisierung der Aktionäre auch nicht so gross. Zur Erinnerung: Am 14. April 2010 verweigerten an der UBS-Generalversammlung 52,75 Prozent der vertretenen Stimmen der alten UBS-Führung die Décharge fürs Jahr 2007 und schrieben damit Wirtschaftsgeschichte.

Vasellas Konkurrenzverbot

Novartis hat ein äusserst erfolgreiches Jahr hinter sich: 50 Milliarden Dollar Umsatz und 10 Milliarden Gewinn. Dafür liessen sich die Bosse fürstlich entschädigen: Laut Ethos verdiente VR-Präsident Vasella 25 Millionen, CEO Joe Jimenez 13 Millionen Franken (Marktwert). Im Geschäftsbericht weist Novartis bei Vasella nur 7,9 Millionen aus. Verbessert wird sein Lohn aber durch eine 12-Millionen-Zahlung in Form einer «Ruhestandsversicherung».

«Wir lehnen das Vergütungssystem ab, weil sich an der Selbstbedienungsmentalität der Manager wenig geändert hat», sagt Tschopp. Viele Aktionäre stören sich zudem an einer nicht genau definierten Entschädigung für ein Vasella auferlegtes Konkurrenzverbot. Tritt er als Verwaltungsratspräsident zurück, dürfte er während mehrerer Jahre weitere Novartis-Millionen garnieren. Der Grund steht auf Seite 122 des Geschäftsberichts 2010: «Für seine Dienste sowie für die Beachtung des Konkurrenzverbots wird Dr. Vasella eine marktgerechte Vergütung erhalten.» «Das ist eine versteckte Abgangsentschädigung», wettert Tschopp. Das verstosse gegen die Empfehlungen des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse. Pikant: Seit 2010 sitzt Vasella in dessen Vorstand.

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