Ohrfeige gilt als Notwehr gegen Spuckattacke
Aktualisiert

Ohrfeige gilt als Notwehr gegen Spuckattacke

Ein heute 34-jähriger Zürcher Stadtpolizist ist vom Bezirksgericht Zürich von der Anklage des Amtsmissbrauchs, der Körperverletzung und der Tätlichkeit freigesprochen worden.

Es anerkannte eine Ohrfeige, die der Polizeibeamte im Mai 2004 in Zürich-Schwamendingen einem damals 20-jährigen Psychiatriepatienten versetzt hatte, als berechtigte Notwehrhandlung, wie einer Mitteilung des Bezirksgerichts vom Montag zu entnehmen ist. Damit setzte sich der Verteidiger des Beamten durch, der an der Hauptverhandlung vom vergangenen Juni einen Freispruch verlangt hatte; die Staatsanwaltschaft hatte sechs Monate Gefängnis bedingt gefordert. Der Prozess drehte sich darum, dass der Psychiatriepatient nach dem Entweichen aus der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli seine Mutter aufgesucht und sie massiv beschimpft hatte. Als die Polizei auftauchte, widersetzte er sich gemäss Zeugenaussagen der Festnahme aggressiv und mit allen Kräften und spuckte dem Polizisten ins Gesicht. Dieser reagierte mit einer Ohrfeige, die er vor Gericht auch zugab. Dieses erachtete die Ohrfeige als Notwehrreaktion für zulässig, weil damit «ein Angreifer zumindest kurzzeitig überrascht, abgelenkt und von einer weiteren derartigen Speichelverteilung in der Umwelt abgehalten» werde, wie es im schriftlichen Urteil heisst. Dem Beamten wurde eine Prozessentschädigung von 6.000 Franken, aber keine Genugtuung zugesprochen. (dapd)

Deine Meinung