Aktualisiert 26.06.2019 08:41

«Switzerländers»«Okay, wir leben ein wenig hinter dem Mond»

Ueli Egli (48) lebt weit weg von allem, mitten auf dem Land, irgendwo im Emmental. Mit viel Leidenschaft baut er dort Schwyzerörgeli.

von
Noah Zygmont / Julia Panknin

Das ist Uelis «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)

Schmidigen BE liegt auf 800 Meter Höhe. Wie viele Einwohner das Dorf hat, kann uns nicht einmal Google sagen. Nachdem wir dort angekommen sind, tippen wir auf den ersten Blick aber einfach mal auf wenige, sehr wenige. Es gibt nicht einmal Handyempfang. Dafür aber weite Wiesen, Kuhglocken und lautes Vogelgezwitscher. Wir sind hier, um Ueli Egli zu besuchen. Er lebt in Schmidigen auf dem Hof, auf dem er aufgewachsen ist und den er vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen hat. Ein kleiner schmaler Weg führt uns zum Haus, in dem Ueli uns bereits erwartet.

Im Gespräch wird schnell klar, dass er sein Heimatdorf tief ins Herz geschlossen hat. Auf den abgelegenen Standort seines Hauses angesprochen, sagt Ueli, dass er hier nicht anonym oder abgeschottet lebe. Im Gegenteil. «Obwohl das nächste Haus mindestens fünf Gehminuten weg ist, ist das Verhältnis in der Nachbarschaft von Schmidigen fantastisch. Jeder kennt jeden und alle sind super drauf.»

«Das nächste Haus ist fünf Gehminuten entfernt»

Klar gebe es auch Tratsch, dann heisse es eben mal: «Ach, der Egli hat wieder …». Dafür habe man auf dem Land sonst kaum Probleme, keine Hektik und irgendwie wirklich «heile Welt», sagt der 48-Jährige. Besonders die Umgebung, die Berge und das Panorama machten «sein ganz persönliches Stück Schweiz» für ihn unvergleichlich. «Was will ich mehr, als von Vogelgezwitscher geweckt werden und dann diese wunderbare Aussicht geniessen?»

Lachend fügt er an: «Okay, vielleicht leben wir ein wenig hinter dem Mond. Aber wir haben auch Internetanschluss zu Hause und bekommen Zeitungen nach Hause geliefert, so schlimm ist es also nicht.» Plötzlich nachdenklich sagt Ueli dann aber, dass er sich aber schon manchmal Sorgen darüber mache, dass es den Pöstler irgendwann nicht mehr geben könnte. Die Poststelle und einige Läden im Ort hätten in den letzten Jahren bereits geschlossen. «Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich irgendwo im Dorf ein Postfach bekomme, weil man Ressourcen sparen muss. Das wäre sehr schade.»

Switzerländers - Videoaufruf

Switzerländers - Videoaufruf
(Video: M. Täuber / T. El Sayed)

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Als wir mit ihm durch seinen Garten schlendern, vernehmen wir leise Musik. Es sind die Klänge eines Schwyzer Handörgelis, Uelis Lieblingsinstrument. Neben seiner Tätigkeit als Landwirt hat sich der gelernte Schreiner im Dachgeschoss seines Hauses eine professionelle Werkstatt eingerichtet, in der er selbst Örgeli baut – obwohl er das Instrument selbst mehr schlecht als recht spielen kann.

Ueli arbeitete bei einem Schwyzerörgeli-Bauer, bevor er in die Landwirtschaft einstieg. Das Instrument habe ihn schon immer fasziniert, ausserdem liege ihm das Handwerkliche, erklärt er. Als er dann den Hof übernommen habe, habe er die Arbeit mit den Örgeli nicht missen wollen: «Ich liebe es, mit kleinen Dingen zu basteln, auch das mechanische Arbeiten gefällt mir sehr gut.»

«Man muss gleich viel arbeiten wie früher, bekommt dafür aber viel weniger»

Spontan entschied er deshalb, sich mit den Örgeli ein zweites Standbein aufzubauen. Er wolle dabei nicht die Instrumente der Konkurrenz nachbauen, sondern etwas ganz Eigenes kreieren. Deshalb habe er die Mechanik optimiert und versuche, sein Design so einzigartig wie möglich zu gestalten. «Bis jedes Teil sitzt und ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, dauert es dementsprechend.» Darum stecken in einem Örgeli von Ueli bis zu 70 Stunden Arbeit.

Einen kleinen, treuen Kundenstamm habe er sich so bereits aufbauen können. Nun denkt er darüber nach, zu expandieren und den Hof vielleicht etwas hinten anzustellen. Denn die Landwirtschaft habe sich enorm verändert. «Man muss gleich viel arbeiten wie früher, bekommt dafür aber viel weniger.» Ausserdem könne man nie einfach frei machen, es gebe immer etwas zu tun. Dabei würde er eigentlich gern etwas weniger machen und dafür auf Reisen gehen, um etwas von der Welt zu sehen, sagt Ueli.

Als Ueli Egli von «Switzerländers» hörte, überlegte er nicht lange. Er wollte seine Sicht auf sein Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «seine Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!

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