Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
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Lexus LS 400Oldtimer und doch modern

Dieser Lexus hat in der Schweiz bereits den Oldtimerstatus. Dabei kannte die Marke vor gut 30 Jahren noch niemand.

von
Bruno von Rotz
9.1.2021

Wenn er vor einem gut situierten Hotel parkt, fällt er genauso wenig auf wie vor der Oper. Beim Oldtimertreffen aber richten sich alle Augen auf den vermeintlichen Fremdkörper. Doch der Lexus LS 400 ist ein Veteran, denn die ersten Exemplare sind schon über 30 Jahre alt, genau wie die fotografierte bordeaux-rote Limousine.

Ankunft auf Raten

Im April 1988 zeigte Toyota an der New York Autoshow bereits einen Vorgeschmack in Form eines Lexus-Prototypen. Die Serienversion des Lexus LS 400 wurde dann auf der Detroit Motorshow im Januar 1989 vorgestellt, die neue Marke «Lexus» hatte man bereits im Herbst 1987 angekündigt.

Im September 1989 kamen dann zunächst die Amerikaner in den Genuss des LS 400. Dass er Lexus heissen durfte, war bis kurz vor Markteinführung noch umstritten, denn um die Namensrechte wurde bis zuletzt vor Gericht gekämpft. 37’000 US-Dollar zahlten man in den USA für den Viertürer. Und die dortigen Autofahrer taten es offensichtlich gerne, denn der Verkaufserfolg blieb nicht aus.

Der Lexus LS 400 ist eine Fünfmeter-Limousine. Dass er nicht mehr ganz neu ist, sieht man, aber auf über 30 Jahre würde ihn kaum ein Passant einschätzen.

Der Lexus LS 400 ist eine Fünfmeter-Limousine. Dass er nicht mehr ganz neu ist, sieht man, aber auf über 30 Jahre würde ihn kaum ein Passant einschätzen.

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Grosse Türen und grosse Glasflächen – der Lexus macht es seinen Passagieren leicht.

Grosse Türen und grosse Glasflächen der Lexus macht es seinen Passagieren leicht.

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Die beiden Auspuffstränge werden separat geführt. Auspuffdesign gabs damals noch nicht.

Die beiden Auspuffstränge werden separat geführt. Auspuffdesign gabs damals noch nicht.

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Modern und konservativ zugleich

Während frühe Designstudien noch eine progressive Linie aufwiesen, wirkte der präsentierte Serien-Lexus deutlich konservativer in seinem Äussern. Doch vielleicht hatten die Japaner den richtigen Riecher, als sie auf modische Zutaten verzichteten und eine klassische Dreivolumen-Limousine mit aufrechter Front und relativ grossen Fensterflächen gestalteten. Die Form mag anfänglich nicht als hypermodern gewirkt haben, aber sie wirkte zehn Jahre später auch nicht alt. Funktionell hatte die Linienführung sowieso keine Nachteile, zumal mit viel Feinarbeit ein cw-Wert von 0,29 erreicht wurden.

Von den Abmessungen passte der Lexus gut zu seinen europäische Konkurrenten von Audi, BMW und Mercedes. In der Länge mass er 5,005 Meter, in der Breite 1,82 Meter, die Höhe betrug 1,425 Meter. Der Kofferraum war unwesentlich kleiner als bei den europäischen Widersachern, mit 450 Liter (VDA) aber immer noch voluminös genug.

Bei der Serienausstattung musste der Lexus LS 400 keinen Vergleich fürchten. Mit Ausnahme von Lederpolstern, Schiebedach, Airbag und Luftfederung war eigentlich alles inbegriffen, selbst CD-Wechsler, Klimaautomatik, Sitz-Memory oder Sitzheizung waren inbegriffen.

Basisversion für 78’900 Franken

Bei der Technik hatten die Toyota-Ingenieure an nichts gespart, wie der Voll-Aluminium-Motor mit acht Zylindern im 90-Gradwinkel, vier obenliegenden Nockenwellen (Zahnriemen) und vier Ventilen pro Zylinder sowie aufwändiger Elektronik deutlich zeigte. Um eine möglichst sanfte und diskrete Kraftübertragung zu ermöglichen, war die Elektroniksteuerung der Viergangautomatik mit dem digitalen Motormanagement verbunden. Einzelrad-Aufhängungen waren selbstverständlich, die Luftfederung gab’s gegen Aufpreis.

1990 kamen dann auch die Schweizer zum Zuge. 78’900 Franken kostete die Basisversion in der Schweiz. Damit lag man in etwa auf Ebene BMW 735i, Mercedes-Benz 420 SE oder Jaguar XJ 6. Allerdings war fast alles, was bei Mercedes und Co Aufpreis kostete, beim Lexus schon eingebaut.

Komfortabel und langlebig

Bei den Tests erhielt der Lexus Bestnoten für Komfort und Laufruhe, aber auch er erwies sich auch als zuverlässig und dauerhaft. Nur an Prestigewert fehlte es dem Neuankömmling ein wenig. 30 Jahre später kümmert dies kaum mehr und auch heute noch liesse sich ein Lexus LS 400 problemlos im Alltag nutzen. Dem Piloten fehlt es bis auf ein Navi an nichts, was modernere Wagen bieten. Nur ein bisschen durstiger als seine moderneren Nachfolger dürfte der Oldtimer-Lexus sein.

Weitere Informationen und Hintergründe, viele Fotos sowie die damalige Verkaufsliteratur gibts auf www.zwischengas.com.

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91 Kommentare
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Kpt.Future

11.01.2021, 00:43

Die Zukunft gehört dem, der löten kann

minimax

10.01.2021, 23:53

Hauptsache weg vom Stinker. Egal mit welcher Technik!

Effizienz

10.01.2021, 23:24

Wichtig für eine Energie-effiziente Fortbewegung sind unter Anderem: Geringes Gewicht, kleiner Luftwiderstand, kleiner, verbrauchsarmer Motor. Eigentlich alles, was in den letzten Jahren sträflich ignoriert wurde...