Olmert verteidigt Libanon-Krieg
Aktualisiert

Olmert verteidigt Libanon-Krieg

Der Libanon-Krieg vom vergangenen Sommer war nach Ansicht des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert unvermeidlich.

Er habe damals keine andere Option als sofortige Luftangriffe gesehen, um Raketenattacken der schiitischen Hisbollah-Miliz vorzubeugen, sagte Olmert laut den Vernehmungsprotokollen des Untersuchungsausschusses unter dem früheren Richter Elijahu Winograd. Stark zensierte Auszüge wurden am Donnerstag zehn Tage nach dem ersten Kommissionsbericht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Demnach sagte Olmert: «Ich denke nicht, dass es irgendeine andere Wahl gab, als von der ersten Minute an zu handeln.» Verteidigungsminister Amir Perez erklärte in seiner Aussage, dass er mit einer Kampfdauer von höchstens 10 bis 14 Tagen gerechnet habe. Tatsächlich wurde der Krieg erst nach 34 Tagen mit einem Waffenstillstand beendet. Dass dies nicht schneller möglich war, bezeichnete der damalige Stabschef Dan Haluz als Versagen der Streitkräfte, wie die Zeitung «Haaretz» berichtete. Haluz trat bereits im Januar zurück.

Auslöser der Kämpfe war die Gefangennahme von zwei israelischen Soldaten seitens der Hisbollah am 12. Juli. Deren Befreiung gelang jedoch ebenso wenig wie die Zerschlagung der Miliz, das zweite erklärte Kriegsziel. Olmert sprach den 89-seitigen Protokollauszügen zufolge von einer unerwarteten Kluft zwischen der Stärke der israelischen Streitkräfte und dem Erreichten. Offenbar habe es hier Lücken im Konzept sowie in dessen Umsetzung gegeben.

Das Büro des Ministerpräsidenten erklärte am Donnerstagabend, Olmert wolle noch einmal vor der so genannten Winograd-Kommission aussagen, bevor diese im kommenden Sommer ihren endgültigen Bericht vorlege. Dabei wolle er auf die Äusserungen von Aussenministerin Zipi Livni reagieren. Die Rivalin des Regierungschefs hat nach eigenen Angaben einen Tag nach dem Hisbollah-Überfall eine diplomatische Lösung empfohlen. Die Ergebnisse des Untersuchungsberichts haben Olmert massiv unter Druck gesetzt.

Livni kam unterdessen in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zusammen. Es war das erste ranghohe israelisch-ägyptische Treffen, seit die Arabische Liga die saudische Initiative für einen Frieden im Nahen Osten wieder aufleben liess. Israel hat den Plan mit Skepsis aufgenommen, da er von einer «gerechten Lösung» für die palästinensischen Flüchtlinge spricht. Prinzipiell äusserte sich Livni nach ihrem Gespräch mit Mubarak aber positiv über die Initiative, die eine Anerkennung Israels in der arabischen Welt vorsieht, wenn die 1967 besetzten Gebiete aufgegeben werden.

Die Zeitung «Haaretz» veröffentlichte derweil Pläne für einen Ausbau der jüdischen Wohngebiete in Ostjerusalem. Ziel sei es, zerstückelte Siedlungen miteinander zu verbinden. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat kritisierte, der Plan unterminiere sämtliche Bemühungen zur Wiederbelebung des Friedensprozesses.

Bei einer Schiesserei zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern in Nablus in Westjordanland geriet eine im siebten Monat schwangere Frau zwischen die Fronten. Einer Krankenschwester zufolge wurde der Kopf des ungeborenen Babys von einer Kugel getroffen und zerschmettert. Die verletzte Frau habe erst nach einer halben Stunde medizinische Behandlung erhalten, weil der Krankenwagen von Soldaten aufgehalten worden sei. (dapd)

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