Aktualisiert 27.01.2011 17:18

NahostOlmert wirft Abbas historische Fehler vor

Nach den Veröffentlichungen zu den «Palästina-Papiere» gibt auch der frühere israelische Regierungschef Details preis. Ehud Olmert behauptet, Mahmud Abbas habe ein grosszügiges Angebot abgelehnt.

Der ehemalige israelische Regierungschef Ehud Olmert (rechts) behauptet, er habe seinem palästinensischen Amtskollege Mahmud Abbas (links) eine Landkarte mit den Grenzen vor dem Sechstagekrieg vorgelegt.

Der ehemalige israelische Regierungschef Ehud Olmert (rechts) behauptet, er habe seinem palästinensischen Amtskollege Mahmud Abbas (links) eine Landkarte mit den Grenzen vor dem Sechstagekrieg vorgelegt.

Israels ehemaliger Regierungschef Ehud Olmert hat sich zu den früheren Verhandlungen mit den Palästinensern geäussert. Die israelische Zeitung «Jediot Achronot» veröffentlichte am Donnerstag vorab Auszüge aus einem neuen Buch Olmerts.

Darin berichtet Olmert, er habe dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas am 16. September 2008 ein Grundsatzabkommen vorgestellt. Dabei habe er dem Palästinenserpräsidenten auch eine Landkarte vorgelegt, auf der der künftige Grenzverlauf eingezeichnet war. Die territoriale Aufteilung habe sich an den Grenzen vor dem Sechstagekrieg 1967 orientiert, mit dem geplanten Austausch bestimmter Gebiete.

Sehr nah an einem Abkommen

«Wir waren sehr nah, näher als je zuvor, an einem Grundsatzabkommen, das zu einer Beendigung des Konflikts zwischen uns und den Palästinensern geführt hätte», sagte Olmert laut «Jediot Achronot».

Die jüdischen Viertel in Jerusalem sollten bei Israel bleiben und die arabischen Viertel Teil eines entmilitarisierten Palästinenserstaates werden. Die Jerusalemer Altstadt sollte der Oberhoheit von fünf Ländern unterstellt werden.

Das Westjordanland und der Gazastreifen sollten zudem durch einen Tunnel verbunden werden, dessen Ein- und Ausfahrt von den Palästinensern kontrolliert werden sollte.

«Ausführlicher Vorschlag»

«Noch nie zuvor hatte ein israelischer Ministerpräsident einen so ausführlichen und detaillierten Vorschlag für eine Lösung des Konflikts vorgelegt», heisst es in Olmerts Aufzeichnungen. Er habe «die Last der ganzen jüdischen Geschichte» auf seinen Schultern gespürt.

Abbas habe jedoch mehr Zeit gefordert und gesagt, er könne nicht sofort entscheiden. «Ich sagte ihm, dass er einen historischen Fehler mache», schrieb Olmert. Und weiter: «Sie werden nie einen faireren oder gerechteren Vorschlag bekommen.»

Abbas habe jedoch gesagt, er müsse sich mit Experten beraten, weil er sich nicht gut genug mit Landkarten auskenne. «Seitdem habe ich Abbas nicht mehr getroffen. Die Landkarte ist bei mir geblieben.»

Karte auf dem Taschentuch

Gemäss den jüngsten Enthüllungen des arabischen Fernsehsenders Al- Dschasira und der britischen Zeitung «Guardian» hatte Abbas die sehr grosse Karte Olmerts damals auf ein Taschentuch kopiert. Seine Gegner kritisierten in den letzten Tagen die angebliche Bereitschaft von Abbas, grosse Teile Ost-Jerusalems aufzugeben, als Ausverkauf der palästinensischen Sache.

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat hatte im November 2008 verlauten lassen, Verhandlungen mit einer israelischen Übergangsregierung unter Olmert seien nicht möglich und könnten erst nach Neuwahlen fortgesetzt werden.

(sda)

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