Nationalratskandidat: «Olympia-Bronze soll nicht der Gradmesser sein»
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Nationalratskandidat«Olympia-Bronze soll nicht der Gradmesser sein»

Sergei Aschwanden gewann 2008 an den Olympischen Spielen in Peking die Bronzemedaille im Judo. Nun kandidiert der 39-Jährige für den Nationalrat.

von
Ph.Flück
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Sergei Aschwanden wird für die FDP bei den Nationalratswahlen 2015 antreten.

Sergei Aschwanden wird für die FDP bei den Nationalratswahlen 2015 antreten.

Keystone/Jean-christophe Bott
Der Politiker gewann 2008 an den Olympischen Spielen in Peking die Bronzemedaille im Judo (bis 90 kg).

Der Politiker gewann 2008 an den Olympischen Spielen in Peking die Bronzemedaille im Judo (bis 90 kg).

Keystone/Alessandro Della Bella

Herr Aschwanden, Sie holten in Peking die Bronzemedaille im Judo. Was hat Sie dazu bewegt, nun den politischen Ring zu betreten?

Ich stelle mich gern neuen Herausforderungen. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass meine sportlichen Erfahrungen auch in der Politik nützlich sein können.

Sind Sie also der Meinung, dass sich Politik und Sport ähnlich sind?

Ja, auf jeden Fall. Im Leistungssport geht es ja darum, dass zwei Personen aufeinandertreffen, die beide gewinnen wollen. Die Politik folgt dem gleichen Konzept: Es ist eine Auseinandersetzung zwischen Personen unterschiedlicher Meinungen, die ihre Ideen durchsetzen wollen. Und genau wie im Sport braucht es auch in der Politik Willensstärke und viel Geduld.

Denken Sie, dass Ihre sportliche Karriere ein Vorteil im Wahlkampf sein kann?

Das möchte ich gar nicht, die Bronzemedaille soll mir keine Vorteile verschaffen. Ich will beweisen, dass ich mich mit meinen Vorschlägen durchsetzen kann und nicht weil ich der Olympionike Sergei Aschwanden bin. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Menschen mich nun als Politiker und nicht als Sportler wahrnehmen. Die Leute sollen mich ja schliesslich wegen meinen politischen Meinungen und Kompetenzen wählen.

Für welche politischen Themen wollen Sie sich einsetzen?

Natürlich bin ich sehr sensibel, wenn es um den Sport geht. Meiner Meinung nach werden Spitzensportler in der Schweiz zu wenig unterstützt, damit sie neben dem Sport noch ein Studium oder eine Lehre absolvieren können. Auch sollten wir mehr Ressourcen in den Schulsport investieren, da es um die Gesundheit der Kinder und folglich um zukünftige Gesundheitskosten geht. Hier kann ich mit meiner langjährigen Erfahrung als Spitzensportler wichtige Inputs geben.

Also vor allem sportliche Themen …

Nein, nicht nur. Mich beschäftigen auch wirtschaftliche Themen sehr, wie die Aufhebung des Franken-Mindestkurses: Ich lebe im Skiort Villars – und hier spüren wir den starken Franken sehr. Die Tourismusbranche nimmt nämlich weniger Geld ein, muss aber gleichzeitig die Infrastruktur vieler Skiorte optimieren, um mit unseren Nachbarländern mithalten zu können und in den nächsten Jahren nicht noch weniger Geld einzunehmen. Deshalb sollten wir uns überlegen, ob nicht der Staat Geld in die Hand nehmen sollte, um die nötigen Arbeiten zu subventionieren.

Ausserdem hat die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative die Wirtschaft vor neue Herausforderungen gestellt: Wir laufen Gefahr, uns völlig abzuschotten. Deshalb will ich mich für die bilateralen Abkommen einsetzen. Als Sohn einer Kenianerin hat mich die Initiative auch persönlich besonders getroffen.

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