Etikettenschwindel: Olympia findet in Adlerski statt
Aktualisiert

EtikettenschwindelOlympia findet in Adlerski statt

Als Austragungsort der Olympischen Winterspiele gilt Sotschi. Dabei findet der Grossevent rund 40 Kilometer südlich davon, in Adler, statt.

von
Marcel Allemann
Russland

Sotschi hat rund 350'000 Einwohner, etwas weniger als Zürich. Allerdings besteht die Stadt aus vier verschiedenen Rayons, das eigentliche Sotschi mit dem Zentrum hat nur rund 135'000 Einwohner. Die weiteren Rayons heissen Lasarewski, Chostinski und Adlerski.

Und genau nach Adlerski mit den Ortsteilen Adler und Krasnaja Poljana blickt in den kommenden Wochen die Welt. Adlerski, oder kurz Adler, hat knapp 80'000 Einwohner – was in etwa der Bevölkerungszahl von Luzern entspricht – hat sein eigenes Zentrum, seine eigenen Restaurants, sein eigenes Ausgangsviertel sowie viele wegen den Olympischen Spielen neu errichtete Hotels und Appartements.

Mit dem Zug oder mit dem Auto?

Von Adler aus ins Zentrum von Sotschi benötigt man mit dem Auto gemäss offiziellen Angaben zwischen 30 und 45 Minuten. Das hängt aber stark von der Verkehrslage ab, bei Stau, so wurde mir inoffiziell berichtet, kann die Fahrt leicht auch über zwei Stunden dauern. Sicherer ist von daher die Reise mit dem Zug: Vom Olympia-Park in Adler bis zum Bahnhof im Zentrum von Sotschi dauert sie rund 50 Minuten.

In Adler liegt auch der Flughafen, über den in den kommenden Tagen sämtliche Sportler, Funktionäre, Offizielle und Journalisten einreisen. Sie werden dann mit Bussen ins Olympische Dorf in Adler oder in die Hotels, Appartements und Medien-Villages um Adler gefahren. Vom eigentlichen Sotschi, das auch die Riviera am Schwarzen Meer genannt wird, werden die meisten Olympia-Fahrer, die auf ihre Wettkämpfe oder ihre Arbeit fokussiert sind, jedoch gar nichts sehen. Sie sehen Adler. Es sei denn, sie haben Zeit und Musse, gehen selbst auf Erkundungstour und nehmen den Weg nach Sotschi auf sich.

Schwierige Infrastruktur

Wie das Rayon Adler die Olympischen Spiele bewältigen kann, wird sich weisen. Die vielen frisch erstellten Infrastrukturen und Neubauten lassen den Ort auf jeden Fall an seine Grenzen stossen. Die Internetleitungen brechen vor allem in den Hotels regelmässig zusammen, zwischendurch fliesst nur noch kaltes Wasser – oder es fallen Heizungen aus. Und das, obwohl der grosse Teil des Olympiatrosses noch gar nicht angereist ist. Dafür gleicht die Stadt noch immer einer Baustelle. An Strassen wird gewerkelt, in Hotels müssen ganze Eingangsbereiche noch fertiggestellt werden, in Restaurants fehlen Tische und Stühle. Dafür strahlt der prunkvolle Olympia-Park, das Herz und die Visitenkarte der Spiele, schon jetzt in vollem Glanz.

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