Abstimmungen: «Olympia wäre eine Ehre» – «Es geht um Profit»
Aktualisiert

Abstimmungen«Olympia wäre eine Ehre» – «Es geht um Profit»

Soll sich der Kanton Graubünden für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben? Tarzisius Caviezel und Stefan Grass im Duell um den Abstimmungsentscheid vom Sonntag.

von
S. Marty
Stefan Grass (Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden; links) und Tarzisius Caviezel (Präsident des Vereins Graubünden 2022) im Duell über die Olympiakandidatur.

Stefan Grass (Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden; links) und Tarzisius Caviezel (Präsident des Vereins Graubünden 2022) im Duell über die Olympiakandidatur.

Herr Grass, Sie kämpfen gegen die Olympiakandidatur. Sind Sie ein Sportmuffel?

Stefan Grass: Überhaupt nicht, ich interessiere mich für Sport. Aber bei der Kandidatur von Graubünden für Olympia 2022 geht es nicht um Sport, sondern um Werbung, Marketing und vor allem um Profit. Mit den Sport-Emotionen rund um den Event lässt sich für Experten und das Internationale Olympische Komitee IOC gut Geld verdienen.

Tarzisius Caviezel: Das ist eine zu einseitige Sicht. Bei der Olympia-Kandidatur geht es neben den wirtschaftlichen natürlich auch um sportliche Aspekte. Aber vor allem sind die Olympischen Winterspiele ein toller Event. Sie auszutragen sollte für die Schweiz eine Ehre sein. Wir wollen der Welt zeigen, dass unsere Region fähig ist, andere Spiele durchzuführen.

Die kleine Schweiz will also die Olympischen Spiele neu erfinden?

Caviezel: Wir wollen wegkommen vom dualen System, bei dem Eishockeyspiele in grauen Hallen in der Stadt stattfinden und Skiwettbewerbe in den Bergen. Wir bringen alles an einem Ort zusammen, dafür ist der Kanton Graubünden prädestiniert.

Grass: Sie sprechen vom Kanton Graubünden, aber die Spiele würden in Davos und St. Moritz stattfinden - zwei Orte, die für solch einen Anlass viel zu klein sind. Davos und St.Moritz sind ausserdem schon sehr bekannt, die müssen nicht noch berühmter werden. Viel eher sollten Projekte gefördert werden, die dem ganzen Kanton nützen.

Spricht hier etwa der Neid, Herr Grass?

Grass: Nein, es sind die Erfahrungen aus ehemaligen Spielen, die zeigen, dass der Hype nur während der Spiele anhält und danach wieder auf den Ausgangspunkt zurückgeht. Somit wird es langfristig nicht mehr Einnahmen für den Kanton geben, dafür aber müssen wir uns mit Lärm und den negativen Folgen der Umweltbelastung herumschlagen.

Caviezel: Blödsinn. Wir gehen doch nicht hin und zerstören die Umwelt, unseren wichtigsten Erfolgsfaktor. Mit der Vermarktung der Spiele werden alle Branchen in ganz Graubünden nachhaltig profitieren. Vom Tourismus über den öffentlichen Verkehr bis hin zur Infrastruktur vor Ort.

Dennoch: Die Olympiade kostet Milliarden und würde die Umwelt belasten...

Caviezel: Solche Argumente sind herbeigeredet. Die Gegner meinen auch, die Infrastruktur müsse neu gebaut werden. Viele Bauten existieren bereits – nur schon wegen der Ski WM 2017 in St. Moritz.

Grass: Die endgültigen Bauvorhaben liegen doch noch gar nicht auf dem Tisch. Mit einem Ja bei den Abstimmungen kaufen wird die Katze im Sack. Wir rechnen damit, dass das Gesamtbudget überschritten wird.

Der Bund hat angekündigt, dass er die Kosten im Griff hat und ein allfälliges Defizit übernehmen wird...

Grass: Das stimmt nur für die so genannten Durchführungskosten. Das Problem liegt aber bei den Infrastruktur- und Sicherheitskosten, die bis jetzt noch nicht vollumfänglich beziffert wurden.

Caviezel: Auch die sind seit letztem Sommer publiziert. Bei uns ist alles transparent. Ein Defizitrisiko besteht nicht, sonst hätte sich der Bundesrat niemals für eine Garantie ausgesprochen.

Tarzisius Caviezel ist Präsident des Vereins Graubünden 2022.

Stefan Grass ist Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden.

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