Aktualisiert

Das IOC hat entschiedenOlympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro

Grenzenloser Jubel in Rio de Janeiro: Die brasilianische Millionenmetropole hat den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2016 erhalten. Die Stadt am Zuckerhut setzte sich gegen Chicago, Tokio und Madrid durch. Damit gibt es erstmals in der Geschichte Olympische Spiele in Südamerika.

Die Olympischen Sommerspiele 2016 werden in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro stattfinden und damit erstmals auf dem südamerikanischen Kontinent. Diesen Entscheid verkündete der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge.

Mit 66 zu 32 Stimmen setzte sich Rio am Freitag in Kopenhagen in der letzten Abstimmungsrunde der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gegen Mitbewerber Madrid durch. Zuvor waren bereits Chicago und Tokio ausgeschieden.

In Rio brach grenzenloser Jubel aus, als IOC-Präsident Rogge den Entscheid bekannt gab. Zehntausende feierten am berühmten Strand von Copacabana zu Samba-Musik, die Feier sollte bis spät in die Nacht andauern und bis zu 100 000 Menschen anlocken.

In Kopenhagen nannte der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Sergio Cabral, das Resultat «unglaublich, überwältigend und spektakulär». Fussball-Legende Pelé, der ebenfalls nach Kopenhagen gereist war, liess seinen Freudentränen freien Lauf.

In einer Ansprache vor den IOC-Delegierten hatte Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva für Rio geworben: «Geben Sie uns eine Chance, und sie werden es nicht bereuen.» Es sei an der Zeit, dass die Spiele in einem südamerikanischen Land ausgetragen würden.

Obamas Kurztrip erfolglos

Trotz des Einsatzes von US-Präsident Barack Obama und seiner Frau Michelle war Chicago bereits in der ersten Runde ausgeschieden. In einer emotionalen Rede hatte Obama Chicago als die «amerikanischste aller Städte» in den USA angepriesen, in der «Menschen aus mehr als hundert Nationen» zuhause seien.

12 000 Menschen, die in Chicago auf Grossbildleinwänden die Berichterstattung aus Kopenhagen verfolgten, nahmen das Ausscheiden ihrer Stadt mit Entsetzen zur Kenntnis. Auch Obama sei enttäuscht, sagte sein Sprecher Robert Gibbs auf dem Rückflug von Kopenhagen.

Zuvor hatte sich bereits Obamas Chefberater David Axelrod zu dem Votum des Olympischen Komitees geäussert. «Der Präsident hatte einen starken Auftritt, aber es hat nicht geklappt», sagte Axelrod. «Ich betrachte dies aber nicht als Zurückweisung des Präsidenten oder der First Lady», sagte er gegenüber CNN.

Bereits Kandidaturen für 2020

In Madrid hatten sich tausende Menschen auf der Plaza de Oriente versammelt. Dem Jubel nach dem Ausscheiden Chicagos und Tokios folgte Enttäuschung, als Madrid in der letzten Runde den Kürzeren zog. Vor den IOC-Mitgliedern hatte sich Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero für Madrid stark gemacht.

Die spanische Hauptstadt hatte sich auch für die Austragung der Olympischen Spiele 2012 beworben, die in London ausgetragen werden. Der britische Premierminister Gordon Brown gratulierte Rio zum Zuschlag für die Olympischen Spiele.

Er könne den Stolz und die Aufregung der Menschen in Rio und in ganz Brasilien aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Rio bei der Übergabe nach Ende der Spiele 2012. In Italien kündigten Venedig und Rom an, sich für die Austragung der Olympischen Spiele 2020 bewerben zu wollen. (sda/si)

Kurzportait Rio de Janeiro

Moto: «Liebe Deine Leidenschaft»

Termin: 5. bis 21. August 2016

Einwohner: 6 Millionen, Metropolenregion: 12 Millionen

Kosten: 13,92 Milliarden Dollar, davon 2,82 Milliarden Dollar Budget Organisationskomitee, 11,1 Milliarden Dollar für Infrastruktur.

Haupteinnahmequellen: rund 1 Milliarde Dollar IOC, 570 Millionen von nationalen Sponsoren, 406 Millionen Dollar Ticket-Verkauf.

Hauptausgaben: 5,5 Milliarden Dollar für Transportsysteme, 813 Millionen Dollar für Sicherheitsausrüstung, 770 Millionen für Energiegewinnung, 479 Millionen Dollar für Wettkampfstätten. Staat und Stadt garantieren für alle Kosten.

Wettkampfstätten: Von 33, einschliesslich vier Fussball-Stadien, existieren bereits 18. 9 permanente sind geplant und 6 temporäre. Zentrum ist ein 90 Hektar grosser Olympiapark mit 10 Wettkampfstätten. 14 Stadien sind nicht weiter als 10 km entfernt, weitere 14 bis zu 40 km. Segeln: in 50 km Entfernung.

Eröffnung und Schlussfeier im Maracana-Stadion. Die Kapazität des Havelange-Stadions für Leichtathletik muss um 15 000 auf 65 000 Zuschauer erweitert werden.

Olympisches Dorf: Auf 75 Hektar sollen für 812 Millionen Dollar 34 Appartement-Blocks mit 17 700 Betten entstehen. Später Verkauf als Wohnungen.

Unterbringung: 13 000 Hotelzimmer, 25 000 in noch zu bauenden «Wohndörfern», 1700 in Hotel-Appartements, 8500 auf sechs Kreuzfahrtschiffen. Für 20 000 Pressevertreter wird ein Mediendorf gebaut.

Zustimmung der Bevölkerung: 85 Prozent in Rio de Janeiro, 69 Prozent in Brasilien.

Besonderheiten: Noch nie haben Olympische Spiele in Südamerika stattgefunden. Das IOC spricht von einem grossen Vermächtnis für Brasilien und seinen 180 Millionen Einwohnern und von der Chance zu sozialer Integration. Das IOC hält Brasilien als zehntstärkste Wirtschaftsmacht für gefestigt genug, die enormen Investitionen zu verkraften. Es sind hohe TV-Einnahmen für das IOC durch Primetime-Übertragungen in die USA zu erwarten. Enorme Kriminalität mit 5700 Morden, 2008 vor allem in den über 1000 Slums, mangelhafte Verkehrsinfrastruktur und geringe Hotelkapazität als besondere Probleme. Die Organisation der Fussball-WM 2014 wird sowohl als Vorteil (Planung aus einem Guss) wie als Nachteil (Überbelastung, Überforderung) zugleich betrachtet.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.