Neue Coronavirus-Variante – «Omikron ist vermutlich schon länger bei uns, als wir dachten»
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Neue Coronavirus-Variante «Omikron ist vermutlich schon länger bei uns, als wir dachten»

In Basel wurde einer der ersten Omikron-Fälle der Schweiz entdeckt. Es war ein Zufallsfund, der auf eine lokale Übertragung zurückzuführen ist. Was das bedeutet, erklärt der stellvertretende Basler Kantonsarzt Simon Fuchs.

von
Lukas Hausendorf
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Simon Fuchs ist stellvertretender Kantonsarzt von Basel-Stadt und leitet das kantonale Contact Tracing.

Simon Fuchs ist stellvertretender Kantonsarzt von Basel-Stadt und leitet das kantonale Contact Tracing.

Gesundheitsdepartement Basel-Stadt
Das Gymnasium Kirschgarten, an dem der Omikron-Fall aufgetaucht ist. Betroffen ist ein 19-jähriger Schüler.

Das Gymnasium Kirschgarten, an dem der Omikron-Fall aufgetaucht ist. Betroffen ist ein 19-jähriger Schüler.

Bilddatenbank Basel-Stadt
Der Fall wurde im Rahmen eines positiven Pooltests nachgewiesen. Der anschliessende Einzeltest wurde im Nachgang sequenziert, so konnte die Omikron-Variante bestätigt werden.

Der Fall wurde im Rahmen eines positiven Pooltests nachgewiesen. Der anschliessende Einzeltest wurde im Nachgang sequenziert, so konnte die Omikron-Variante bestätigt werden.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • In Basel wurde eine der ersten Schweizer Omikron-Ansteckungen nachgewiesen.

  • Der betroffene 19-jährige Gymnasiast muss sich in der Schweiz infiziert haben.

  • Der stellvertretende Basler Kantonsarzt Simon Fuchs erklärt, welche Schlüsse daraus gezogen werden können.

In Basel wurde am Dienstag eine der ersten Omikron-Infektionen der Schweiz nachgewiesen. Ein 19-jähriger Schüler des Gymnasiums Kirschgarten wurde mit der Coronavirus-Variante infiziert, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO am Freitag als «besorgniserregend» eingestuft worden war. Der Schüler war vollständig geimpft. Der Fall ist ein Zufallsfund. Seine positive Probe wurde im Rahmen einer Qualitätssicherung von Prozessen sequenziert und erfolgte nicht risikobasiert.

Wo er sich angesteckt hat, ist unklar. Die Übertragung muss aber lokal stattgefunden haben, das wissen die Gesundheitsbehörden inzwischen. Der stellvertretende Basler Kantonsarzt Simon Fuchs, der auch das Contact Tracing des Kantons leitet, ordnet den Fall ein.

Herr Fuchs, was lässt sich daraus schliessen, dass die Omikron-Übertragung beim Schüler aus dem Kirschgarten-Gymnasium lokal erfolgt sein muss?

Das Omikron-Virus ist vermutlich schon länger unter uns, als wir dachten. Basel-Stadt – und auch weitere Kantone ­­­­­– testen viel, deshalb ist es nicht erstaunlich, dass die ersten bestätigten Omikron-Fälle in Kantonen mit hohem Testvolumen festgestellt werden.

In welchem Zeitraum hat sich der Schüler ungefähr angesteckt und was lässt sich daraus schliessen, wie lange die Variante mindestens schon in der Schweiz zirkuliert?

Der Pooling-Test fand am Freitag, 26. November 2021, statt. Somit muss die Ansteckung in den 14 Tagen vorher oder gegebenenfalls noch früher stattgefunden haben. Bei Omikron wird eine längere Inkubationszeit diskutiert; man weiss es aber noch nicht respektive man weiss noch zu wenig über dieses neue Virus. Als die offizielle Kommunikation der Bundesbehörden zur neuen Variante begann, war das Omikron-Virus also schon da. Wir müssen damit rechnen, dass die Omikron-Variante in der Schweiz bereits weiter verbreitet ist und dass es bereits zu Übertragungen innerhalb der Bevölkerung kommt.

Gibt es schon Anhaltspunkte, wo er sich angesteckt hat?

Nein, leider nicht.

Müsste jetzt nicht systematisch sequenziert werden, damit wir ein einigermassen gut aufgelöstes Bild erhalten, wie verbreitet Omikron in der Schweiz tatsächlich ist?

Primär wird risikobasiert bei Anhaltspunkten sequenziert, dies nicht zuletzt aus Kapazitätsgründen. Im Weiteren lässt der Bund zu Monitoring-Zwecken einen gewissen Anteil an Proben systematisch sequenzieren.

Noch eine Anschlussfrage zum Contact-Tracing: Wegen der neuen Regelung steigt ja auch dort das Volumen zusätzlich zu den eskalierenden Fallzahlen. Kommt man da noch hinterher?

Die Contact Tracing Teams sind derzeit ausserordentlich gefordert. Grundsätzlich streben wir eine erste Kontaktaufnahme innerhalb von 24 Stunden an. Aufgrund der sehr hohen Fallzahlen können wir dies zurzeit nicht mehr einhalten. Wir rekrutieren aktuell auch. Die Planung der Personalressourcen im Contact Tracing ist aufgrund des sehr stark schwankenden Bedarfs sehr anspruchsvoll. Die zu besetzenden Stellen folgen entsprechend dem anstehenden Arbeitsvolumen, das sich aus der Zahl der Neuansteckungen, aber auch weiterer Aufgaben, wie der vorliegende Fall mit hoher Quarantänezahl, der Reiserückkehrenden oder der Zertifikatsausstellung ergibt.

15. Buchstabe mit 32 Mutationen

Omikron, der 15. Buchstabe des griechischen Alphabets und Name der neusten Coronavirus-Variante, wurde am Freitag von der Weltgesundheitsorganisation WHO als «besorgniserregende» Variante eingestuft. Entdeckt wurde die Virus-Variante, die am Spike-Protein aussergewöhnlich viele Mutationen aufweist, in Südafrika. Zahlreiche Länder, auch die Schweiz, haben den Reiseverkehr von und in das Land stark eingeschränkt oder ausgesetzt. Noch ist nicht bekannt, ob Omikron ansteckender oder gar gefährlicher ist als die hierzulande zurzeit dominante Delta-Variante. Es gibt aber die Befürchtung, dass die Variante aufgrund ihrer Mutationen die Immunabwehr besser umgehen kann und auch die Impfung weniger Schutz davor bietet. Verlässliche Daten gibt es dazu noch nicht.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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