Fallzahlen in der Schweiz – Omikron stellt das Bild der «guten» und «schlechten» Kantone auf den Kopf
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Fallzahlen in der SchweizOmikron stellt das Bild der «guten» und «schlechten» Kantone auf den Kopf

Appenzell top, Genf flop: Seit Omikron die Schweiz erfasst hat, hat sich das Infektionsbild der Kantone stark verändert. Eine schlüssige Erklärungen dafür fehlt bislang.

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Wo viel getestet wird, gibts auch viele positive Fälle.

Wo viel getestet wird, gibts auch viele positive Fälle.

20min/Simon Glauser
Bei den Kantonen zeigen sich aber signifikante Unterschiede.

Bei den Kantonen zeigen sich aber signifikante Unterschiede.

Imago
So ist Appenzell Ausserrhoden – im Bild Herisau – derzeit der Musterknabe unter den Kantonen …

So ist Appenzell Ausserrhoden – im Bild Herisau – derzeit der Musterknabe unter den Kantonen …

Wikipedia/ Roland Zumbuehl/ CC BY-SA 4.0

Darum gehts

Wenn es um die Fallzahlen und die Inzidenz in den Schweizer Kantonen geht, ist nichts mehr wie es zu Zeiten von Delta war: Wie die Zeitungen von Tamedia berichten, stehen die einstigen «Sorgenkinder» jetzt in der aktuellen Omikron-Welle plötzlich teils deutlich besser da. Überraschenderweise sind es nun die Kantone mit den tiefsten Impfquoten und einer eher skeptischen Haltung gegenüber den Massnahmen, die sich derzeit am besten schlagen.

So hätten etwa die beiden Appenzell, Obwalden, Glarus und Schwyz sowie der Thurgau und St. Gallen Inzidenzen deutlich unter 2000 pro 100’000 Einwohner, während etwa mehrere Westschweizer Kantone und das Tessin – einst Vorzeigekantone – alle einen Wert über 2500 aufweisen, vier davon (GE, NE, VS und VD) sogar über 3000. Innerrhoden etwa verbesserte sich in der entsprechenden Rangliste der Kantone seit Mitte November um 24 und St. Gallen um 21 Ränge, während Neuenburg 24 und Genf 22 Plätze verloren – die entsprechende Tabelle steht nun quasi auf dem Kopf.

Rätselraten über die Gründe

Das Phänomen zu erklären, scheint nicht einfach zu sein. Mit gesunkener bzw. gestiegener Disziplin bezüglich der Massnahmen scheint es laut dem Bericht nichts zu tun zu haben. Virginie Masserey vom BAG mutmasst, dass Kantone, in denen es viele mit der Delta-Variante infizierte Personen gab, nun von einer Schutzwirkung der Genesenen gegen Omikron profitieren könnten.

Das würde bedeuten, dass eine überstandene Erkrankung besser vor Omikron schützt als eine Booster-Impfung. Allerdings würden Studien dieser Theorie widersprechen. «Das kann in meinen Augen keine Erklärung sein», wird Virologin Isabella Eckerle zitiert. «Das Virus ist sehr gut darin, bereits Immune zu infizieren.»

Erschwerend für eine Interpretation des neuen Infektionsbildes in der Schweiz ist auch, dass sich die Kantone nur bedingt vergleichen liessen: Je mehr getestet wird, desto mehr Fälle werden auch entdeckt. Ein Blick auf die Positivitätsrate – also wie viele Prozent der Tests eine Infektion anzeigen – zeigt, dass etwa in der Waadt oder Wallis, wo fleissig getestet wird, rund jeder zweite Test positiv ausfällt, während die Inner- und Ostschweizer Kantone, die sich stark verbessern konnten, am wenigsten testen.

Die Experten würden bei Erklärungsversuchen für das neue Bild bei den «guten» und «schlechten» Kantonen auch darüber sinnieren, ob Skeptiker seit Omikron seltener zum Testen gehen oder ganz verzichten. Belege dafür gibt es laut dem Bericht allerdings keine.

Welle noch nicht ganz in der Deutschschweiz?

In der Westschweiz, so der Bericht, kümmere man sich wenig um die Verschlechterung der Lage – es habe in den letzten zwei Jahren hier stets rasch wechselnde «Wellenbewegungen» gegeben. Im stark touristisch geprägten Wallis allerdings betrachte man die Entwicklung mit Sorge. Der Epidemiologe und stellvertretende Walliser Kantonsarzt stellt fest: «Die Fallzahlen sind vor allem in jenen Regionen in die Höhe geschnellt, wo die Bevölkerungsdichte am höchsten ist und die Leute sich viel bewegen und andere treffen.»

Der ehemalige Basler Kantonsarzt Thomas Steffen hat «das Gefühl, eine Welle ziehe in einer bestimmten Richtung über ein Land» – das könnte bedeuten, dass die Deutschschweizer Kantone einfach noch nicht von der vollen Wucht von Omikron erfasst wurden. «Aus dieser Perspektive sind die Unterschiede vermutlich am ehesten durch ein etwas früheres Auftreten der Omikron-Variante in der Westschweiz und im Tessin hervorgerufen», wird er zitiert. Dies wird dadurch gestützt, dass in Genf seit Januar Omikron laut Eckerle für 100 Prozent der Fälle verantwortlich sei, während in den Deutschschweizer Kantonen noch immer Delta-Fälle auftauchen. Daraus würde folgen, dass die Omikron-Welle die Deutschschweiz noch nicht mit voller Wucht erwischt hat.

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(trx)

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