Quarantäne-Schock – Omikron-Welle könnte zu Milliarden-Ausfällen in der Wirtschaft führen
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Quarantäne-SchockOmikron-Welle könnte zu Milliarden-Ausfällen in der Wirtschaft führen

Die neue Corona-Variante sorgt für eine Massenquarantäne. Besonders kleine Unternehmen leiden unter den Arbeitsausfällen und müssen teilweise sogar schliessen. Das könnte hohe wirtschaftliche Kosten zur Folge haben.

von
Fabian Pöschl
Barbara Scherer
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Omikron rollt über die Schweiz und führt zu vielen Ausfällen am Arbeitsplatz.

Omikron rollt über die Schweiz und führt zu vielen Ausfällen am Arbeitsplatz.

20min/Taddeo Cerletti
 Über 118’000 Menschen sind zurzeit in Quarantäne oder Isolation.

Über 118’000 Menschen sind zurzeit in Quarantäne oder Isolation.

Tamedia/ Urs Jaudas
Die Ausfälle belasten die Firmen stark. 

Die Ausfälle belasten die Firmen stark.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Tausende sind derzeit in Quarantäne.

  • Für die Firmen wird die Planung immer schwieriger.

  • Auch die Entschädigung für die Quarantänezeit wird zum Streitfall.

Die Omikron-Variante überrollt die Schweiz: Über 143'000 Menschen stecken zurzeit zu Hause in Quarantäne oder Isolation fest, wie das BAG meldet. Weil einige Kantone, wie etwa Zürich, über die Festtage keine Zahlen geliefert haben, sind es in Wahrheit aber noch viel mehr.

Die vielen Absenzen werden zur Belastungsprobe für die Schweizer Wirtschaft. Denn gut die Hälfte der Arbeitnehmenden kann in der Quarantäne nicht einfach im Homeoffice weiterarbeiten. «Es besteht die Gefahr von erheblichen Rückschlägen für die Schweizer Wirtschaft», sagt Martin Eichler, Chefökonom des Basler Forschungsinstituts BAK Economics.

Bei Quarantäne droht der Totalausfall

Besonders teuer kommt es Firmen zu stehen, wenn Expertinnen und Experten ausfallen: «Das kann zum Totalausfall führen», so Eichler. Gewisse Unternehmen müssten dann schliessen. Im schlimmsten Fall kostet die Omikron-Welle die Schweiz mehrere Milliarden Franken.

So mussten etwa bereits erste Gastronomiebetriebe und Hotels aufgrund von Personalmangel schliessen. Dabei treffen die Quarantäne-Ausfälle kleinere Betriebe besonders hart, wie Roland M. Rupp, Präsident des Schweizerischen KMU-Verbands, erklärt.

«Ich müsste den Laden schliessen»

«Bei einem Handwerksbetrieb mit drei Leuten kann der Ausfall einer Person dazu führen, dass Aufträge nicht mehr pünktlich erledigt werden können», so Rupp. Die Corona-Krise sei deshalb vor allem für die kleineren KMUs und Einzelfirmen viel schlimmer, als manch einer denkt.

«Ich müsste meinen Laden schliessen, wenn ich in Quarantäne muss», sagt eine Zürcher Coiffeurin zu 20 Minuten. Denn sie arbeite als Einzige in ihrem Team zu hundert Prozent. Aber auch jeder andere Ausfall im Team sei gravierend für den kleinen Betrieb.

Uneinheitliche Entschädigung

Beim Schaffhauser Maler- und Gipsergeschäft Scheffmacher sind derzeit zwei der 35 Angestellten in Quarantäne. «Das ist nicht so schlimm, weil wir Maler bis März keine Saison haben», sagt Inhaber Daniel Scheffmacher zu 20 Minuten. Sollte aber ein Drittel der Angestellten ausfallen, wäre es bedeutender. «Das wäre kaum mehr gut zu organisieren und die grosse Welle soll ja erst noch kommen», so Scheffmacher.

Diskussionswürdig finde er, dass er nur Erwerbsentschädigung vom Bund für Angestellte in Quarantäne bekommt, die in Kontakt mit einer erkrankten Person waren, aber nicht selber erkrankten. Für an Corona erkrankte Angestellte in Isolation gibt es zwar grundsätzlich Krankentaggeld von der Versicherung. «Aber sie sind erst ab dem 30. Tag versichert, weil wir sonst viel zu hohe Versicherungsprämien zahlen müssten», so Scheffmacher.

Verkürzung der Quarantäne

Auch der Arbeitgeberverband sieht darin ein Problem. «Dazu kommt, dass bei positiv getesteten Mitarbeitenden, welche symptomfrei und somit nicht krank sind, aber nicht im Homeoffice arbeiten können, die Unsicherheit besteht, ob deren Ausfallstunden über die Kurzarbeit abgerechnet werden können.

Ist dies nicht der Fall, ist rechtlich unklar, wer für diesen Lohnersatz aufkommen muss», sagt Arbeitsrechtsspezialistin Daniella Lützelschwab. Sie finde es unbefriedigend, dass man einen Unterschied zwischen Isolation und Quarantäne macht, obwohl beides staatlich verordnete Massnahmen seien (siehe Box).

So kriegst du Geld in der Quarantäne und der Isolation:

Quarantäne:

  • Wer wegen eines Kontakts mit einem Infizierten in Quarantäne muss und nicht im Homeoffice arbeiten kann, bekommt Erwerbsersatz-Taggeld vom Bund, das sind je nach Lohnhöhe pro Tag maximal 196 Franken.

Isolation:

  • Wer positiv getestet wird, muss in Isolation. Selbstisolation ohne behördliche oder ärztliche Isolationsanweisung löst keine Lohnfortzahlung aus.

  • Für Arbeitnehmende, welche sich behördlich angeordnet in Isolation befinden, aber symptomfrei und damit nicht krank sind, kann grundsätzlich Kurzarbeitsentschädigung (KAE) beansprucht werden. Allerdings nur, wenn die Homeoffice-Arbeit nicht ausgeübt werden kann und alle anderen Voraussetzungen für die KAE vorliegen wie zum Beispiel Mindestarbeitsausfall von zehn Prozent im Betrieb oder in der Betriebsabteilung. Kein Geld gibt es etwa für Angestellte, wenn sich die Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollieren lässt.

  • Für einen positiv getesteten Mitarbeiter, der mit 40 ° Fieber im Bett liegt, gilt grundsätzlich die gesetzliche Regelung der Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers wie bei anderen Krankheitsfällen. Besteht eine Krankentaggeldversicherung, bezahlt diese meistens 80 Prozent des Lohns. Sonst muss der Arbeitgeber abhängig von den Dienstjahren des Mitarbeiters während einer gewissen Zeit für den Lohn aufkommen.

Der Arbeitgeberverband fürchte hohe Kosten für die Unternehmen, sollte es zu Massenquarantäne und - isolationen kommen. Darum sei auch eine Verkürzung der Quarantänezeit von heute zehn Tagen wünschenswert, sagt Lützelschwab.

Ausserdem brauche es schweizweit einheitliche Isolations- und Quarantäneregeln, weil kantonal unterschiedliche Regelungen für kantonsübergreifende Firmen sonst schwierig umsetzbar seien.

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