Zuberbühler über Goalies: Omlin «sackstark», von Ballmoos ist «explosiv»
Aktualisiert

Zuberbühler über GoaliesOmlin «sackstark», von Ballmoos ist «explosiv»

Der Spitzenkampf zwischen YB und dem FC Basel ist auch das Duell der Nati-Goalies der Zukunft, sagt Pascal Zuberbühler – einst selber langjährige Nummer 1 der Schweiz.

von
E. Tedesco
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David von Ballmoos, TorhüterNationalität: SchweizGeburtsdatum: 30.12.1994 in Burgdorf Bernbei YB seit 2007

David von Ballmoos, TorhüterNationalität: SchweizGeburtsdatum: 30.12.1994 in Burgdorf Bernbei YB seit 2007

Jonas Omlin, TorhüterNationalität: SchweizGeburtsdatum: 10.01.1994 in Sarnenbeim FCB seit 2018

Jonas Omlin, TorhüterNationalität: SchweizGeburtsdatum: 10.01.1994 in Sarnenbeim FCB seit 2018

Grösse: 192 cmGewicht: 90 kg

Grösse: 192 cmGewicht: 90 kg

Im Spitzenkampf treffen die besten Offensiven der Liga aufeinander. Der FC Basel hat in sechs Runden 16 Treffer erzielt. 71-mal schossen die Spieler von Marcel Koller auf des Gegners Tor. Speziell: 14 Tore schossen Schweizer (2 Eigentore durch Gegner). YB erzielte 13 Tore – 11 gingen auf das Konto eines ausländischen Spielers. Die Berner schossen 68-mal auf das gegnerische Tor.

Bei soviel Offensivpower müssen sich die Torhüter David von Ballmoos und Jonas Omlin auf viel Arbeit im Stade de Suisse einstellen und der Spitzenkampf YB gegen FCB (Sonntag, ab 16 Uhr im Ticker) wird auch zum Spitzenduell der besten Torhüter der Liga: 7 Gegentore kassierte Omlin bisher, sogar nur 5 Gegentreffer von Ballmoos.

Pascal Zuberbühler war von 2004 bis 2007 die Nummer 1 der Schweizer Nati und bestritt 51 Länderspiele. Sein Highlight: An der WM 2006 in Deutschland blieb der ehemalige FCB-Keeper und heutige Teleclub-Experte in allen Gruppenspielen ohne Gegentor. Neben seinem Experten-Job für den Pay-TV-Sender arbeitet der 48-jährige Ostschweizer als Verantwortlicher der weltweiten Torhüterausbildung bei der Fifa.

Für den Spitzenkampf unterzieht Zuberbühler David von Ballmoos und Jonas Omlin, die vielversprechendsten Torhüter der Liga und Ersatz-Nati-Keeper, für 20 Minuten seiner Expertise.

Die Technik

«David von Ballmoos ist ein technisch starker Torhüter. Von der Postur her wirkt er nicht ganz so elegant wie Omlin, ist aber für seine Grösse und Masse sehr explosiv und beweglich. Eindrücklich ist seine Spannweite, wenn er nach dem Ball hechtet. Von Ballmoos ist nicht der mitspielende Torhüter auf dem Level eines Yann Sommers. Er muss noch an seiner Beidfüssigkeit arbeiten. Aber er macht Fortschritte. Bei der Spieleröffnung und den Ausspielen ist er variabel wie Omlin.»

«Jonas Omlin ist mit den Füssen technisch sehr stark. Egal, ob mit dem rechten oder mit dem linken Fuss – er ist stilsicher. Er ist in seinen Aktionen sehr überlegt. Damit meine ich: Er ist bei den Rückpässen da, er ist kreativ mit Kurzpässen oder langen Ausspielen und er ist stark in der Spieleröffnung. Omlin ist in punkto Schnellkraft ähnlich explosiv wie Sommer und er hat die Lufthoheit. Omlin springt ab wie eine Feder, ist dabei leichtfüssig wie eine Katze. Unglaublich. Sackstark. Ehrlich, das habe ich selten bei einem Torhüter gesehen. Er ist unheimlich vielseitig und bringt alles mit, um ein ganz grosser Goalie zu werden.»

Die Mentalität

«David von Ballmoos ist vom Naturell her schon ein ‹Gesunder›. Er ist in einem Dorf aufgewachsen und musste für den Vater um vier Uhr früh Winterdienst verrichten. Der Bursche weiss, woher er kommt. Nach seiner schweren Schulterverletzung ist er an einem kritischen Punkt seiner Karriere gestanden. Marco Wölfli hatte die Monate zuvor gut gespielt und ausgerechnet noch den ersten Kübel seit Jahrzehnten für YB geholt. Aber der Verein hat ein klares Statement in Richtung von Ballmoos abgegeben. Der junge Goalie hat Leistung gebracht und die Drucksituation bestanden. Verein und Goalie muss man sagen. Von Ballmoos hat zudem bewiesen, dass er mental bereit ist.»

«Jonas Omlin hatte schon beim FC Luzern die Möglichkeit seine Qualität in der Super League zu zeigen. Der Schritt zum grossen FC Basel kam zu einem unglücklichen Zeitpunkt mit einem neuen Präsidenten, neuem Sportchef und neuem Trainer. Alles war in Bewegung und unruhig im und um den Club. Und es war auch ein guter Zeitpunkt. Das klingt nach einem Widerspruch? Ist es nicht. Denn Omlin blieb fokussiert und klar in seinen Handlungen und stach mit seinen Leistungen aus dem Kollektiv heraus. Er bekam die Gelegenheit sich auszuzeichnen – auch durch mehr Schüsse auf sein Tor. Das war beim FCB nicht für jeden Torhüter der Fall. Oft bekamen sie kaum Gelegenheit sich auszuzeichnen, einfach, weil die Abwehr zu stark war, um etwas zuzulassen. Omlin entwickelt sich auch jetzt kontinuierlich weiter. Eindrücklich.»

Die Körpersprache

«Mir gefällt bei beiden die Körpersprache, weil sie extrem positiv ist. Beide haben immer den Kopf und die Schulter oben. Beide signalisieren Positivität, Ausstrahlung und Persönlichkeit. Sie übernehmen Verantwortung und strahlen Präsenz aus. Wenn ich auf der Tribüne sitze und sie aus den Augenwinkeln beobachte, spüre ich: Da ist einer. Das ist massgebend. Das ist, was auch die Spieler auf dem Platz spüren. Ich bin froh, dass beide noch in der Super League geblieben sind und das beide international spielen. Denn diese Spiele werden sie noch weiter bringen.»

Zuberbühlers Fazit

«Da reifen zwei sehr gute Schweizer Torhüter heran. Ich bin froh, dass sie mit Stefan Knutti (YB) und Massimo Colomba (FCB) bei ihren Clubs sehr gute Goalie-Trainer haben. Der Aufgabenbereich des Torhüters ist sehr vielseitig geworden und geht weit darüber hinaus, nur den Ball zu halten.»

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