Jemen: Onkel eines Frauenmörders vertritt Schweiz
Aktualisiert

JemenOnkel eines Frauenmörders vertritt Schweiz

Der Neffe des Schweizer Honorarkonsuls im Jemen ist ein gesuchter Mörder. Nun stellt der Vater des Opfers die Schweiz an den Pranger.

von
Lorenz Hanselmann
Jemeniten demonstrieren für Gerechtigkeit im Fall Martine.

Jemeniten demonstrieren für Gerechtigkeit im Fall Martine.

«Schweizer Ehrentitel für Vater von Killer»: Die Schweiz ist in norwegischen Medien stark unter Beschuss. Es sei skandalös, dass der Schweizer Honorarkonsul im Jemen der Vater von Farouk Abdulhak sei, einem von Scotland Yard gesuchten Mörder (siehe Info-Box).

Das Schweizer Aussendepartement EDA stellt auf Anfrage zwar klar: Nicht Farouks Vater Shaher, sondern sein Onkel Hayel Abdulhak vertritt die Schweiz im Jemen. Für den ­Vater der ermordeten Martine, Odd Petter Magnussen, spielt dies aber keine Rolle: «Auch der Onkel gehört zur Familie des Killers meiner Tochter», sagt er zu 20 Minuten. Am Samstag forderte er im norwegischen TV von der Regierung, dass sie von der Schweiz eine Untersuchung verlangt. Die Antwort steht noch aus.

Demonstration für Gerechtigkeit

Klar ist: Auch im Jemen wird die Familie Abdulhak scharf kritisiert. So demonstrierten im Januar Hunderte für Gerechtigkeit im Fall Martine und gegen Shaher Abdulhak. Der enge Freund des abgesetzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh soll mit illegalen Geschäften und Waffenhandel Milliarden verdient haben. Laut Quellen aus Norwegen haben alle Mitglieder der Familie Abdulhak inklusive Farouk vor kurzem diplomatische Pässe erhalten, damit sie das instabile Land ­verlassen können.

«Ich kann es nicht beweisen. Aber es ist möglich, dass der Schweizer Honorarkonsul dabei eine ­Rolle spielte», sagt Magnussen. Bereits 2006 war aufge­flogen, dass im Jemen Schweizer Visa gestohlen worden ­waren. Das EDA nahm zu den neuen Vorwürfen noch keine Stellung.

Der Fall Martine Vik Magnussen

Farouk Abdulhak ist der einzige Verdächtige im Mordfall Martine. 2008 soll der damals 21-Jährige in London die Norwegerin Martine Vik Magnussen (23) ­vergewaltigt und erwürgt haben. Die Polizei fand später die Leiche versteckt unter Schutt im Keller des Blocks, in dem Farouk wohnte. Sein Vater Shaher Abdulhak soll ihm mit seinem Privatjet zur Flucht in den Jemen verholfen haben. Heute soll Farouk im Jemen studieren.

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