Fake-Shops: Online-Betrüger zocken Amazon-Kunden ab
Aktualisiert

Fake-ShopsOnline-Betrüger zocken Amazon-Kunden ab

Kriminelle knöpfen Kunden des grössten Online-Händlers deren Geld ab. Auch Schweizer sollten sich vor der Masche in Acht nehmen.

von
K. Wolfensberger

Ein Premium-Kühlschrank zum halben Preis? Beim Online-Händler Amazon gibt es derzeit vermehrt sehr günstige Schnäppchen zu finden. Doch ein Test des deutschen Magazins «Computer Bild» zeigt: Oftmals handelt es sich um Scheinangebote von Betrügerbanden. Sie würden Amazon benutzen, da der Versandhändler vielen Kunden als besonders vertrauenswürdig gilt.

Das Problem: Amazon verkauft nicht nur selbst, sondern lässt auf dem Amazon Marketplace auch externe Händler Produkte anbieten. Der Versandhändler kassiert für die Bereitstellung dieser Möglichkeit dann entsprechende Verkaufsprovisionen. Unter die vielen rechtschaffenen Verkäufer haben sich auch Betrüger gemischt.

Der Lockvogel-Preis

Ihre Masche: Sucht ein Kunde beispielsweise nach einem Fernseher, so taucht in der Liste mit den Resultaten in der Kategorie «Andere Angebote» das gesuchte Produkt zum Tiefpreis auf. Bei den Angeboten stehen dann im Bereich «Verkäuferinformationen» Dinge wie «Preis gibt es nur hier unter» oder «Kontaktieren Sie mich». Die Nutzer sollen so von der sicheren Amazon-Website zu Fake-Shops weggelockt werden. Manchmal geben die Betrüger auch gleich ihre E-Mail-Adresse an, mit der Bitte um eine Kontaktaufnahme.

Im Test von «Computer Bild» beantworteten die angeblichen Verkäufer Anfragen per Mail innert kürzester Zeit. In fehlerhaftem Deutsch hätten sie die Verfügbarkeit und den einwandfreien Zustand der Artikel bestätigt. Der günstige Preis sei dank spezieller Kontingente möglich, so die Behauptung. Zur Abwicklung des Kaufs benötige man nur noch Name, Adresse und Telefonnummer des Käufers.

Schickten die Tester den Betrügern diese Daten zu, so erhielten sie per Mail eine gefälschte Amazon-Bestellbestätigung. In dieser fand sich jeweils ein Bezahl-Button und die Aufforderung, das Geld auf ein Konto im Ausland zu transferieren, zum Bespiel via Western Union oder Paypal. Waren kamen später aber keine an.

Um sich vor diesem Trick zu schützen, sollten Kunden alle ihre Käufe nur über Amazon selbst abwickeln, empfiehlt der Versandhändler. Er versichert, gegen die Betrüger vorzugehen: «Erlangen wir Kenntnis über ein unzulässiges Angebot, entfernen wir dieses unverzüglich.»

Betrug auch auf Schweizer Seiten verbreitet

«Leider ist der Betrug auf Online-Marktplätzen so alt wie die Online-Marktplätze selbst», sagt Ralf Wölfle, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zu 20 Minuten. Nicht nur bei Amazon, auch bei Schweizer Anbietern gebe es daher entsprechende Probleme.

Das bestätigt auch das Auktionsportal Ricardo.ch. «Es kommt leider vor, dass die Frage-und-Antwort-Funktion missbraucht wird, um die Mitglieder mit dem Versprechen der Bezahlung eines besonders guten Preises von Ricardo.ch wegzulocken», sagt Sprecher Simon Marquard. Wie bei Amazon würden die Betrüger eine Zahlung mittels PayPal oder einer unbekannten ausländischen Bank anfordern. Ricardo.ch rät, auf keinen Fall zu bezahlen und umgehend den Kundendienst zu kontaktieren.

Laut eigenen Angaben wendet die Auktionsplattform automatisierte Kontrollmechnanismen an, um solche betrügerischen Tätigkeiten zu unterbinden. Sie pflege zudem einen engen Kontakt zu den Behörden. Der Marktplatz Siroop von Swisscom und Coop widerum schützt sich vor Betrügern, indem er nur vorab geprüfte Händler auf seiner Plattform Produkte verkaufen lässt.

Zu gut, um wahr zu sein

Der «Beobachter» rät Käufern, sich vor einer Transaktion immer die Frage zu stellen: Ist das Angebot zu gut, um wahr zu sein? Falls ja, handle es sich wohl um einen Betrugsversuch. Werden Produkte angeboten, die über offizielle Kanäle noch nicht erhältlich sind, sollte man ebenfalls auf der Hut sein.

Post lanciert eigenen Marktplatz

Wenige Monate nach der Lancierung des Marktplatzes Siroop von Coop und Swisscom zieht mit der Schweizerischen Post der nächste Player nach: Der Staatsbetrieb testet im Raum Bern einen Online-Marktplatz mit dem Namen Kaloka. Damit verschafft die Post Kleinunternehmen Zugang zum boomenden E-Commerce, verdient aber über Kommissionen an den Verkäufen mit. Rund vierzig Berner Geschäfte bieten ab sofort ihre Artikel auf einer gemeinsamen Shopping-Plattform an, darunter der Feuerwerkshändler Knall Fred, der Kleiderladen Olmo oder die Messerschmiede Klötzli.

Eilige, die werktags bis 13 Uhr bestellen, erhalten ihren Kauf bis 16 Uhr zugestellt, Bestellungen bis 17 Uhr werden bis 20 Uhr ausgeliefert. Die Gleichtagszustellung erfolgt per Cargovelo-Kurierdienst. Bis zum 15. September 2016 wird «Kaloka» als Pilotprojekt betrieben. Anschliessend wird evaluiert, ob und wie das Projekt fortgesetzt werden soll. (sas)

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