Aktualisiert 21.11.2016 09:35

Basler ausgeraubtOnline-Date betäubt Manager mit Mexiko-Droge

Frau will reisen – Mann finanziert. Eine junge Norwegerin hat das Konzept von «Miss Travel» dafür benutzt, um bei ihrem Basler Date zu plündern.

von
sep
«Nie mehr alleine reisen»: Mit dem Slogan vermarktet sich die Plattform.

«Nie mehr alleine reisen»: Mit dem Slogan vermarktet sich die Plattform.

Keystone/20min

Als der Basler Geschäftsmann nach der gemeinsam verbrachten Nacht bei der Arbeit ist, googelt die 26-Jährige in seiner Wohnung nach den Wirkungsweisen der im Darknet bestellten mexikanischen Droge Scopolamin, den Namen seiner Ehefrau, sowie frühzeitige Rückflüge nach Norwegen.

Der Syngenta-Manager hatte die hübsche Norwegerin über die Online-Dating-Plattform «Miss Travel» kennengelernt und sie gleich nach Basel geholt, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Denn die Anwendung ist für reisefreudige Frauen, denen das Geld fehlt, und für Geschäftsmänner, die die Kosten gerne übernehmen. Doch als er die Norwegerin am 1. August 2016 am Flughafen abholt, weiss er natürlich noch nichts von dem gefährlichen Pulver im Gepäck der jungen Unbekannten.

«Akuter Verwirrungszustand» durch Überdosis

Der Manager kommt mit der Erwartung nach Hause, eine weitere Nacht mit seinem Online-Date zu verbringen. Aber er wird bewusstlos, nachdem er vom Eistee «nach norwegischem Rezept» trinkt. Als er wieder aufwacht, sind die Norwegerin, seine Armbanduhr, Laptop sowie zwei Smartphones verschwunden. Die Internetbekanntschaft hatte sich mit seiner Kreditkarte auf seinem Laptop einen früheren Rückflug gebucht.

Mit letzter Kraft schleppt er sich zum Nachbarn, der die Ambulanz ruft. Die Diagnose: «Akuter Verwirrungszustand» sowie eine Überdosis Scopolamin. Die 26-Jährige wird zur Fahndung ausgeschrieben. Erst nach einer Nacht im Spital verschwindet die Wirkung.

Mit der Hilfe von Wahrheitsserum

Der Geschäftsmann hatte Glück im Unglück: Die Droge kann bereits in geringen Mengen tödlich sein. Scopolamin soll als Wahrheitsserum wirken. Im Internet finden sich Einträge von Versuchen, durch die Droge an PIN-Codes oder Passwörter zu kommen.

Es ist selten, dass eine Frau in sogenannten «Romance Scams» als Täterin auftaucht. Das Kantonsgericht St. Gallen behandelte erst kürzlich seinen ersten Fall. Eine 57-Jährige hat einen 64-Jährigen, den sie im Internet kennengelernt hatte, dazu gebracht, ihr nicht nur teures Auto und Essen zu kaufen, sondern auch eine Reise zu buchen und mit Bargeld zu unterstützen. Sie musste 113'000 Franken Schadensersatz zahlen.

Sie habe aus Notwehr gehandelt

Der Trend des Online-Datings lässt nicht nach, jedes siebte Schweizer Paar hat sich im Internet kennengelernt. Hotspot für Internet-Dating ist dabei der Kanton Aargau, dicht gefolgt vom Thurgau. Bei ersterem hat sich jedes fünfte Paar digital kennengelernt. Als negativer Nebeneffekt ist die Zahl der Betrugsfälle ebenfalls hoch. 2015 gingen bei der für die Bekämpfung der Internetkriminalität zuständige Abteilung des Fedpol (Bundesamt für Polizei) 81 Meldungen von «Romance Scams» ein. Hinter den meisten Tätern stecken jedoch organisierte Banden, meist aus Ghana, der Elfenbeinküste oder Nigeria.

Nachdem die Norwegerin drei Wochen herumgejettet ist, wird sie bei ihrer Ankunft am Flughafen Zürich festgenommen. In ihrem Gepäck: der Laptop, auf dem die Suchbegriffe gefunden wurden, sowie ein Smartphone des Baslers. Ihre Version der Ereignisse ist jedoch eine völlig andere: Der Manager habe sie sexuell bedrängt und sie habe aus Notwehr gehandelt. Der Fall kommt im Januar vor das Basler Strafgericht. Wegen ihrer Erzählung wurde die Klage gegen sie erweitert mit jener der falschen Anschuldigung.

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