Aktualisiert 05.10.2016 11:05

PIN-ErsatzOnline-Einkäufe kann man jetzt per Selfie bestätigen

Mastercard-Kunden in zwölf europäischen Ländern können ihre Online-Käufe ab sofort mithilfe von Selfies abwickeln. Die Schweiz soll 2017 folgen.

von
K. Wolfensberger
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Mit Selfies werden wir künftig nicht nur Likes in den sozialen Medien sammeln. Mit einer App von Mastercard können sie als Authentifizierungsmethode beim Online-Shopping unsichere Passwörter und PINs ersetzen.

Mit Selfies werden wir künftig nicht nur Likes in den sozialen Medien sammeln. Mit einer App von Mastercard können sie als Authentifizierungsmethode beim Online-Shopping unsichere Passwörter und PINs ersetzen.

Mastercard/Carlos Alonso
Wer sich für die App entscheidet, muss nur wenige Schritte bis zum abgeschlossenen Online-Einkauf durchlaufen: Erst wird der gewünschte Artikel im Online-Shop sowie die Zahlung via Mastercard-App gewählt.

Wer sich für die App entscheidet, muss nur wenige Schritte bis zum abgeschlossenen Online-Einkauf durchlaufen: Erst wird der gewünschte Artikel im Online-Shop sowie die Zahlung via Mastercard-App gewählt.

Mastercard
Anschliessend muss man die App öffnen und die Authentifizierungsmethode (via Fingerabdruck oder Selfie) wählen. In zwölf Ländern, darunter Deutschland und Österreich, startet das System heute.

Anschliessend muss man die App öffnen und die Authentifizierungsmethode (via Fingerabdruck oder Selfie) wählen. In zwölf Ländern, darunter Deutschland und Österreich, startet das System heute.

Mastercard

Zahlen per Gesichtserkennung ist in Europa per sofort Realität. Der Kreditkartenanbieter Mastercard lanciert in zwölf europäischen Ländern Identity Check Mobile. Dabei handelt es sich um eine Bezahl-App, die Online-Zahlungen statt mit PIN-Code mit einem Selfie oder wahlweise per Fingerabdruck autorisiert.

Unter den Startländern befinden sich Deutschland, Grossbritannien, Spanien, aber auch Österreich und Dänemark. Die Schweiz fehlt noch, kommt aber laut einer Mastercard-Sprecherin voraussichtlich Anfang 2017 dazu.

Blinzeln soll vor Betrug schützen

Wer sich für die App entscheidet, muss bis zum abgeschlossenen Online-Einkauf nur wenige Schritte durchlaufen: Artikel wählen, Mastercard-App öffnen, Gesicht (oder Fingerabdruck) scannen, blinzeln und die Zahlung bestätigen. Das Blinzeln dient der Sicherheit, damit Betrüger nicht einfach ein Foto des Kartenbesitzers vor die Linse halten können.

Der Vorteil: Im Gegensatz zu Verfahren wie dem heute verbreiteten Sicherheitsstandard 3-D-Secure müssen sich die Kunden kein Passwort merken. Zudem ist es nicht notwendig, sich vorab mit einer Kreditkartenkontonummer zu registrieren.

«Ein Meilenstein»

Die Identifikation via Selfie soll laut Mastercard deutlich leichter und schneller sein. In einer Mitteilung schreibt das Unternehmen, die bestehenden Identifikationsmethoden seien zeitaufwendig und brächten Online-Shopper dazu, den Kauf abzubrechen. Ein weiteres Problem sei bisher, dass die Transaktion abgelehnt werde, falls Käufer ihr Passwort falsch eingeben. Ajay Bhalla, President of Enterprise Risk & Security bei Mastercard, behauptet daher, das Bezahlen via Selfie sei ein «Meilenstein in der Evolution der Zahlungslösungen».

Der Entscheid, ob die Selfie-Option bei Bezahlvorgängen wirklich eingesetzt wird, liegt aber bei den einzelnen Händlern. Sie legen fest, welche Bezahlmöglichkeiten sie ihren Kunden anbieten. Das gilt auch für das heute verbreitete 3-D-Secure-Verfahren, wie die Kreditkartenherausgeberin Aduno (Viseca Card Services) auf Anfrage von 20 Minuten erklärt. Bei 3-D-Secure wird derzeit laut Aduno auch auf eine Smartphone-Identifikation umgestellt. Dabei gebe es aber noch keine konkreten Pläne zum Einsatz von Selfies oder Fingerabdrücken. Stattdessen werde Aduno mit Push-Nachrichten und SMS-Codes arbeiten. Konkurrent Swisscard sagt auf Anfrage, man werde den Einsatz von Selfiepay noch sorgfältig prüfen.

Schneller und bequemer

Wird das Selfie-Bezahlen bei den Kunden ankommen? Einschätzungen diesbezüglich seien schwierig, erklärt Sandro Graf, Marketing-Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Zahlungsexperte, auf Anfrage. Grund: Da das System ganz neu sei, gebe es zu dieser Frage noch keine Studien in der Schweiz. Einem Teil der Kunden, vor allem jüngeren, dürfte es aber bestimmt gefallen, mit dem Selfie zu bezahlen, gibt sich Graf überzeugt. «Vor allem, weil es schnell geht und bequem ist. Zudem: Bei Apple Pay wird heute schon mit dem Fingerabdruck die Zahlung ausgelöst.»

Glenn Oberholzer, Partner bei der Managementberatung Stimmt AG, erklärt ausserdem: «Nicht die Beschleunigung ist aus Kundensicht der Mehrwert, sondern der Abbau von Hürden zur Zahlung.» Diese Hürden seien bei Kreditkartenzahlungen in der Tat in vielen Fällen hoch – und würden immer höher geschraubt. Aus Verkäufersicht müssten daher einfache Lösungen angestrebt werden, da solche eher zum Ziel führten, dass weniger Kunden den Kaufprozess vorzeitig abbrechen.

Ein weiterer Faktor ist die Sicherheit. IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef von der Zürcher Scip AG sagte zu 20 Minuten, dass das Ziel der biometrischen Scanner nicht primär eine verbesserte Schutzfunktion sei: «Der grosse Vorteil ist der Gewinn an Komfort. Wer es regelmässig benutzt, möchte irgendwann nur noch ungern darauf verzichten.» Er selbst sei in Sachen Sicherheit jedoch skeptisch: «Das biometrische System nimmt die Daten zwar auf, wandelt diese dann aber in einen Datenstrom um. So wird im Prinzip wieder nur ein Passwort übermittelt», erklärte der Profi.

Selfie App Mastercard

So funktioniert das Zahlen per Selfie bei Mastercard. (Quelle: Mastercard)

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