Billiger als Anwalt: Online-Roboter stellen neu Billig-Verträge aus

Publiziert

Billiger als AnwaltOnline-Roboter stellen neu Billig-Verträge aus

Einen teuren Jurist beauftragen – das wird bei manchen Verträgen in Zukunft wohl unnötig sein. In der Schweiz sind die ersten «Roboter-Juristen» lanciert worden.

von
kün
Ab 19 Franken kann man sich auf der Webseite www.papiertiger.com gewisse Verträge ausstellen lassen. (Foto: 20 Minuten)

Ab 19 Franken kann man sich auf der Webseite www.papiertiger.com gewisse Verträge ausstellen lassen. (Foto: 20 Minuten)

Kein Anbieter

Das Internet ist auch ein Jurist, der Verträge auf Mass schreiben kann. Das propagiert auf jeden Fall das Zürcher Start-Up «papiertiger.com». Seit letztem Mittwoch stellt es gewisse Verträge online aus, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» schreibt. Bereits ab 19 Franken sind auf der Internetseite Darlehnens-, Autokauf- und Arbeitsveträge als PDF zum Ausdruck erhältlich. Das ist um einiges billiger als jene, die von einem Anwalt verfasst wurden.

Das Programm stellt den Nutzern Fragen, unter anderem bezüglich des Betrags und der Fälligkeit. Es passt den Text anschliessend den Aussagen an und stellt den Vertrag zusammen. Damit soll mehr Rechtssicherheit als bei bereits existierenden kommentierten Vorlagen gewährleistet werden.

Haftung bleibt beim Nutzer

Der Dienst übernimmt, im Gegensatz zu einem Anwalt, keine Verantwortung für allfällige Fehler aus juristisch ungenügenden Verträgen. Wer aber unsicher ist und schliesslich auf der Plattform keinen Vertrag abschliesst, erhält einen Anwalt vermittelt.

Der Zürcher Anwalt und Mitgründer des Online-Angebots, Martin Steiger, sagt: «Unser Ziel ist, dass alle relevanten Verträge in dieser Form abrufbar sind.» Ihr Start-Up ist nicht das einzige, das die Anwaltstätigkeit neu gestalten will. Es gibt mehrere Schweizer Unternehmen, die digitale Hilfsmittel für den Legal-Bereich entwickeln.

«Selbe Entwicklung wie beim E-Banking»

In Zürich wurde im Juni dafür sogar ein eigener Verband gegründet. «Die Digitalisierung der Juristenbranche steht noch am Anfang», sagt Mitinitiant Antoine Verdon. Er ist aber überzeugt: «Viele Tätigkeiten, für die heute ein Anwalt nötig ist, werden in Zukunft von Onlinediensten erledigt.»

Dieselbe Entwicklung habe die Finanzbranche durchlebt. In den Neunzigerjahren sei es undenkbar gewesen, dass Bankkunden ihre Zahlungen selbst erledigen. Heute gehört E-Banking zum Alltag. In Zukunft sollen sich intelligente Verträge sogar selbst ausführen. «So könnte der Dienst zum Beispiel nach Abschluss eines Darlehnensvertrags die Zinszahlungen ohne menschliches Eingreifen abwickeln», erklärt Verdon.

Deine Meinung