Ab Juli 2022 - Onlinecommunity nervt sich über EU-Pflicht für Temporegler im Auto
Publiziert

Ab Juli 2022Onlinecommunity nervt sich über EU-Pflicht für Temporegler im Auto

Die EU will mit einem Gerät in allen neuen Autos Geschwindigkeitsüberschreitungen verhindern. Doch viele wollen ihren Fahrstil nicht anpassen und versprechen dem Occasionshandel goldene Zeiten.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Die EU macht Temporegler zur Pflicht. Auch in der Schweiz sollen sie kommen.

Die EU macht Temporegler zur Pflicht. Auch in der Schweiz sollen sie kommen.

Getty Images
Das Gerät soll ab Juli 2022 für alle neuen Automodelle und ab 2024 für alle Neuwagen Pflicht werden.

Das Gerät soll ab Juli 2022 für alle neuen Automodelle und ab 2024 für alle Neuwagen Pflicht werden.

Getty Images/iStockphoto
Das System ermittelt Geschwindigkeitsüberschreitungen mithilfe von Kameras, die Verkehrsschilder erkennen, GPS-Daten und Karten.

Das System ermittelt Geschwindigkeitsüberschreitungen mithilfe von Kameras, die Verkehrsschilder erkennen, GPS-Daten und Karten.

EU-Rat für Verkehrssicherheit

Darum gehts

  • Ab Juli 2022 müssen alle neuen Automodelle einen Temporegler integriert haben.

  • Ab 2024 gilt die Pflicht auch für alle Neuwagen.

  • Die Community will sich das nicht bieten lassen.

Nach langen Diskussionen hat sich die EU für einen Temporegler im Auto entschieden. Ab Juli 2022 sollen alle neuen Automodelle und ab 2024 alle Neuwagen, ein Gerät im Auto haben. Das Kästchen soll Lenker daran hindern, die  maximal zulässige Geschwindigkeit zu übertreten. Auch die Schweiz wird die Regel wohl übernehmen.

Mithilfe von Kameras sieht das Gerät Verkehrsschilder und ermittelt Geschwindigkeitsüberschreitungen anhand von Karten und GPS-Daten. Verschiedene Lösungen, aus denen die Hersteller wählen können, sollen über die Verletzung des Tempolimits aufmerksam machen, ob per Piepser, Blinker, Vibration oder gleich mit einem Abdrosseln des Tempos.

Ausnahmen für die Geschwindigkeitsübertretung etwa beim Überholen soll es aber geben. Weniger als ein Jahr Zeit bleibt für die Einführung der neuen Regel und den Einbau in den Autos. Noch immer ist aber vieles unsicher und kann noch anders kommen als ursprünglich geplant.

20 Prozent weniger Verkehrstote

Der EU-Rat für Verkehrssicherheit sieht in dem Bremssystem namens Intelligent Speed Assistance, kurz ISA, die grösste Errungenschaft seit der Anschnallpflicht. Es soll mehr Sicherheit auf den Strassen bringen und so die Zahl von 26’000 Verkehrstoten pro Jahr in Europa um 20 Prozent reduzieren.

Der Rat verspricht sich aber auch weitere Vorteile von der Lösung. Sie soll etwa einen verkehrsberuhigenden Effekt haben und für eine höhere Kraftstoffeffizienz, sowie für geringere CO2-Emissionen sorgen. Nicht zuletzt soll es den Lenkerinnen und Lenkern auch helfen, weniger Bussen zu kriegen.

«Das werden gute Jahre für Gebrauchtwagenhändler»

Zwar lässt sich das System laut Verordnung auch ausser Kraft setzen. Damit soll das Gerät bei der Bevölkerung zur Einführung besser ankommen. Allerdings ist unklar, ob das so bleibt. In den sozialen Medien regt sich bereits jetzt Widerstand gegen den Kasten im Auto: «Ich werde meinen Fahrstil nicht ändern», schreibt Tiktoker «@Juuliannoo».

Der «Tuningblog» ist ebenfalls «schwer dagegen», wie er in einem Facebook-Post heisst. Der Blog fragt auch nach der Meinung seiner Community – die entsprechend klar ausfällt. Nutzer Mike Sadowski postet etwa: «Na dann kaufen wir die neuen S***-Dinger nicht mehr‼️ Bin mit meinen alten zufrieden. Die fahren so schnell ICH will.»

«Das werden gute Jahre für jeden, der Gebrauchtwagen verkauft», schreibt Nutzer Daniel Leusch weiter. «Gleich ausbauen», will Stefan Denzler den Temporegler. «Och, dann fahre ich meinen dicken Diesel bis er auseinanderfällt», so Nutzerin Yammi Xjr.

67 Franken pro Fahrzeug fürs ISA-System

Mehrere Hersteller verkaufen in Europa bereits Autos mit verschiedenen Implementierungen von ISA, darunter Ford, Mercedes-Benz, Peugeot/Citroen, Renault und Volvo. Zudem gehört der grösste Teil der erforderlichen Technologie bei Neuwagen ohnehin schon zur Standardausstattung, wie der EU-Rat für Verkehrssicherheit mitteilt. Alle Autos hätten bald GPS eingebaut, weil dies eine Anforderung des obligatorischen eCall-Notrufsystems in der EU ist. Viele Neuwagen seien auch mit einer nach vorne gerichteten Kamera ausgestattet, die für Technologien wie Spurführung und automatische Notbremsung erforderlich sei. Die meisten hätten auch bereits manuell eingestellte Geschwindigkeitsbegrenzungsfunktionen, so dass die Automatisierung dieser Funktion ein natürlicher nächster Schritt sei. Die Gesamtkosten für die ISA-Komponenten pro Fahrzeug würden so noch bei maximal rund 67 Franken liegen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

513 Kommentare