Aktualisiert 21.03.2016 14:50

Japan-BlogOnsen – ohne Blamage japanisch entspannen

Japaner lieben ihre Thermalbäder. Damit man dort auch als Ausländer richtig relaxen kann, gilt es jedoch einige Dinge zu beachten.

von
Ronja Sakata

Ronja Sakata erklärt, wie man sich bei einem Onsen-Besuch verhalten sollte.

Ryokan und Onsen. Sind Ihnen diese Wörter geläufig? Ryokan ist das traditionelle Hotel in Japan, wo man auf den Tatamimatten aus Reisstroh schläft. Da erlebt man die richtige japanische Gastfreundschaft. Die Schuhe zieht man gleich beim Eingangsbereich aus. Das ist auch in vielen Restaurants oder im Tempel, Schrein oder Schloss so. Darum trägt man extra Socken, die zusammenpassen und sicher keine Löcher haben.

Die Japaner finden das unglaublich witzig, dass wir auf so etwas aufmerksam machen müssen. Die Pantoffeln, die man überstreift, heissen Suripaas (Slippers), und darin bewegt man sich die ganze Zeit. Ausser auf den Tatamimatten. Da darf man nur barfuss oder in Socken draufstehen.

Mit der Yukata ins Bad

Wenn man das einhält, hat man schon die allerwichtigste Regel intus und es kann fast nichts mehr schiefgehen. Im Zimmer hat es gar kein Bett? Nur einen Tisch in der Mitte mit Kissen oder Sesseln? Das muss so sein. Das Futon wird später, nach dem Abendessen, wie von Zauberhand bereitliegen. Machen Sie es sich gemütlich am Tisch und bereiten Sie sich eine Tasse Grün-Tee zu. Zucker ist im Teeset nicht dabei. Das wäre ein Fauxpas, wie wenn man Sojasauce über den weissen Reis leeren würde.

Wenn man ins Onsen gehen will, liegt die Yukata im Zimmer bereit. Für den guten Eindruck schlägt man die linke Seite des Mantels über die rechte, bevor man den Gurt schnürt. Darunter kann man alles tragen – oder auch gar nichts. Die Temperaturen im Winter sind selbst im Hotel überraschend tief für uns an Zentralheizungen gewöhnte Menschen. Mit «Ofuro wa doko desuka?» kannst du fragen, wo sich das Bad befindet. Onsen-Bäder sind Nacktbereiche und nach Geschlechtern getrennt. Da kommts nicht gut an, wenn man aus Versehen beim falschen Vorhang reingeht.

Und jetzt? Baden!

Im Bad stehen riesige Shampooflaschen bei den Duschstationen. Man setzt sich auf das Schemeli (aufrecht zu stehen ist unhöflich), und dann geht das Einschäumen los. Erst wenn man sauber ist wie noch nie zuvor, darf man ins kochend heisse Bad. Gleitet man langsam ins Wasser, ohne sich danach zu bewegen, entsteht ein isolierender Luftblasen-Teppich auf der Haut. Entspannen Sie sich und lassen Sie die Hitze wirken. Wenn es Ihnen, wie mir nach fünf bis zehn Minuten, definitiv zu heiss wird, dürfen Sie sich auch ein bisschen an den Rand des Beckens setzen.

Und was hat es mit dem weissen Tuch auf sich? Das liegt im Zimmer oder im Bad für Sie bereit. Damit können Sie sich den Rücken schrubben. Auch wenn es gut ausgewaschen ist, darf es trotzdem nicht ins heisse Wasser! Darum binden es sich die Männer meistens wie ein Stirnband um, die Frauen legen es sich schön zusammengefaltet auf den Kopf. Das sieht lustig aus. Machen Sie doch mit! Es steigert das Zugehörigkeitsgefühl.

Tattoos sind in den Onsenbädern tabu. Falls man ganzkörperbemalt ist, musst man sich ein Privatbad-Zimmer leisten. Für kleinere Bilder gibts medizinale Pflaster, die auch das heisse Wasser überstehen. Will man den Ruf der Ausländer in Japan nicht schädigen, dann sollte man sich an diese Regel halten. Arigatou – Danke! Nach dem Baden duscht man sich ein wenig ab und schlüpft wieder gekonnt in die Yukata. Im nächsten Beitrag geht es um das sagenhafte japanische Essen.

Mata kondo – bis zum nächsten Mal!

Ronja Sakata (38), geborene Müller, ist studierte Lebensmittelingenieurin. Vor 15 Jahren reiste sie für ein Praktikum erstmals nach Japan. Dort verliebte sie sich nicht nur in das Land, sondern auch in ihren jetzigen Mann, dem sie den klingenden Nachnamen zu verdanken hat. Ihr Insiderwissen hat Sakata in einem E-Book und Audios auf unterhaltsame Weise zusammengefasst.

Weitere Infos: Ronjasakata.com

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