Erdölpreis: Opec kann sich nicht auf Produktionsziele einigen
Aktualisiert

ErdölpreisOpec kann sich nicht auf Produktionsziele einigen

Die Organisation erdölexportierender Staaten lehnt eine Deckelung der Ölproduktion weiterhin ab – entgegen der Wünsche einiger Mitglieder.

von
mch
Gemäss dem Kartell nähern sich Angebot und Nachfrage an: Der Energieminister Katars Mohammed Bin Saleh Al-Sada präsidierte die Konferenz. (2. Juni 2016)

Gemäss dem Kartell nähern sich Angebot und Nachfrage an: Der Energieminister Katars Mohammed Bin Saleh Al-Sada präsidierte die Konferenz. (2. Juni 2016)

Keystone/Hans Punz

Ungeachtet des niedrigen Ölpreises lehnt die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) eine Deckelung der Ölproduktion weiter ab. Die aktuelle Fördermenge sei «vernünftig» für den Markt, sagte der scheidende Opec-Generalsekretär Abdallah al-Badri am Donnerstag beim Treffen der Kartell-Mitglieder in Wien. Saudiarabien hatte zuvor erklärt, alle seien «sehr zufrieden» mit der Marktentwicklung.

«Die Konferenz hat festgestellt, dass seit dem letzten Treffen im Dezember 2015 der Ölpreis um mehr als 80 Prozent angestiegen ist, und Angebot und Nachfrage sich annähern», erklärte das Kartell bei einer Pressekonferenz nach dem Halbjahrestreffen an seinem Sitz in der österreichischen Hauptstadt. Dies beweise, dass der Markt sein Gleichgewicht wiederfinde.

Saudiarabien will, dass Iran mitzieht

Der Ölpreis hat sich seit dem Tiefstand von 26 Dollar pro Barrel im Januar erholt, liegt mit knapp 50 Dollar aber weiter deutlich unter dem Niveau von 2014, als ein Barrel zu mehr als 100 Dollar gehandelt wurde. Die 13 Opec-Staaten hatten sich nach dem Einbruch des Ölpreises auf Initiative Saudi-Arabiens zunächst gegen eine Drosselung der Produktion entschieden, um ihren Marktanteil zu bewahren.

In den vergangenen Monaten wurde aber verstärkt diskutiert, die Produktion doch zu drosseln, um den Preis zu stabilisieren. Bei einem Treffen im April konnten sich die Opec-Staaten aber nicht darauf einigen, die Fördermenge auf dem Niveau von Januar einzufrieren. Saudiarabien hatte verlangt, dass ein Einfrieren der Fördermenge auch für den Iran gelte.

«Sehr zufrieden» mit dem Markt

Teheran will aber nach der Aufhebung der Atomsanktionen im Januar seine Ölproduktion zunächst auf das Niveau vor der Verhängung des westlichen Ölembargos im Sommer 2012 zurückbringen. Irans Ölminister Bidschan Namdar Sanganeh bekräftigte in Wien die Ablehnung einer Einschränkung der Fördermenge. Dies hätte «keinen Vorteil» für sein Land und die anderen Mitglieder.

Vor dem Opec-Treffen zeigte sich Saudi-Arabiens Ölminister Chaled al-Faleh «sehr zufrieden» mit dem Zustand des Marktes, der dabei sei, wieder ins Gleichgewicht zu finden. «Die Nachfrage ist extrem gesund und robust», sagte al-Faleh. Auch der Iran begrüsste den Anstieg des Ölpreises, sprach sich aber für eine Rückkehr zum früheren System gesonderter Förderquoten für jedes Land aus.

Nigerianer Mohammed Barkindo neuer Opec-Chef

Auch Venezuelas Ölminister Eulogio Del Pio sprach sich für ein System aus, bei dem jedes Land eine feste Produktionsmenge zugewiesen bekommt. Sein algerischer Kollege Salah Khebri wünschte sich ebenfalls «eine starke Opec mit einer Deckelung und Quoten», um zur Stabilisierung des Marktes beizutragen. Letztlich fand dieser Vorschlag bei dem Treffen aber keine Unterstützung.

Bei dem Treffen wählten die Opec-Staaten den Nigerianer Mohammed Barkindo zu ihrem neuen Generalsekretär. Der frühere Leiter des nigerianischen Ölkonzerns NNPC sei «hoch qualifiziert und respektiert», sagte al-Faleh. Der bisherige Amtsinhaber, der Libyer al-Badri, hätte eigentlich schon 2012 abtreten sollen, doch konnten sich die Opec-Staaten nicht auf einen Nachfolger einigen.

Niedriges Investitionsniveau

Die 13 Opec-Staaten, die zusammen für rund ein Drittel der weltweiten Ölproduktion aufkommen, äusserten sich in ihrer Abschlusserklärung besorgt über das «sehr niedrige Investitionsniveau» in der Erdölindustrie und betonten die Notwendigkeit, die Investitionen zu erhöhen, «um langfristig ein Gleichgewicht auf dem Ölmärkten zu erreichen». (mch/afp)

Deine Meinung