2 bis 3 Rappen pro Liter - Opec-Streit – nun drohen höhere Benzinpreise
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2 bis 3 Rappen pro LiterOpec-Streit – nun drohen höhere Benzinpreise

Der Markt ist nervös, die Preise fürs Rohöl gehen auf und ab. Sobald das Fass Rohöl mehr als 80 Dollar kostet, wird auch das Benzin an der Tankstelle teurer.

von
Fabian Pöschl
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Unter den ölfördernden Länder der Opec herrscht Streit.

Unter den ölfördernden Länder der Opec herrscht Streit.

REUTERS
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Produktionskapazität ausgebaut und wollen entsprechend mehr Öl fördern.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Produktionskapazität ausgebaut und wollen entsprechend mehr Öl fördern.

AFP
Doch die Opec will den Forderungen der Vereinigten Arabischen Emirate nicht nachgeben, weil sonst alle Mitgliedsländer mehr fördern wollen.

Doch die Opec will den Forderungen der Vereinigten Arabischen Emirate nicht nachgeben, weil sonst alle Mitgliedsländer mehr fördern wollen.

REUTERS

Darum gehts

  • Der Ölpreis steigt seit Monaten an.

  • Grund dafür ist der Streit zwischen mehreren Ölförderländern.

  • Wenn es so weitergeht, kostet auch das Benzin bald bis zu drei Rappen pro Liter mehr.

Erdöl ist so teuer wie seit sechs Jahren nicht mehr. Am Dienstag stieg der Preis für ein 159-Liter-Fass, der für den europäischen Markt wichtigsten Sorte Brent, kurzzeitig auf über 77 Dollar. Am Mittwoch hatte sich der Preis bei 75 Dollar eingependelt, nachdem es in der Nacht zuvor noch zu extremen Schwankungen kam.

Der Markt ist nervös. Denn am Montag kam es bei einer Sitzung des Kartells der erdölexportierenden Länder (Opec) zum grossen Knall. Wie kam es dazu und was bedeutet das für den Öl- und den Benzinpreis? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum Opec-Streit.

Warum kam es zum Streit bei der Opec?

Die Opec legt die Fördermenge für ihre Mitglieder fest, um den Ölpreis unter Kontrolle zu halten. Beim Treffen am Montag hätten sich die Mitgliedsstaaten über eine höhere Fördermenge ab August einigen wollen. Doch weil die Vereinigten Arabischen Emirate noch mehr produzieren wollen, aber nicht dürfen, blockieren sie nun den Fördermengenvertrag, wie ZKB-Anlagestratege Simon Lustenberger zu 20 Minuten sagt.

Warum wollen die Vereinigten Arabischen Emirate plötzlich mehr Öl fördern?

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben laut Lustenberger ihre Produktionskapazitäten ausgebaut und wollen nun daran gemessen werden. Investoren würden entsprechend Druck machen, weil sie ihren Profit steigern möchten. Doch die Opec will laut dem Experten nicht auf die Forderung eingehen: «Bei Zugeständnissen würde jedes Opec-Mitglied mehr produzieren wollen und die Ölpreise gingen in den Keller», so Lustenberger.

Welche Folgen hat der Streit?

Weil der Vertrag blockiert ist, wird die Produktion nicht ausgeweitet. Das bedeutet, dass das Rohöl-Angebot tief und der Preis entsprechend hoch bleibt. Die Opec versuche zwar hinter den Kulissen eine Lösung zu finden. Doch wenn es so bleibt wie jetzt, könnte der Preis für das Fass Brent noch bis 80 Dollar steigen, schätzt Lustenberger.

Wird jetzt auch Benzin teurer?

«Die Folgen des Opec-Streits wird man an den Zapfpreisen spüren», sagt Lustenberger. Allerdings gebe es an der Tanke jeweils eine Verzögerung des Preisanstiegs wegen Lieferverträgen zu bestehenden Konditionen. Zudem werde die Preissteigerung nur gering sein, weil Steuern den Grossteil des Benzinpreises ausmachen (siehe Box).

So setzt sich der Benzinpreis zusammen

Etwa drei Viertel der in der Schweiz verbrauchten Treibstoffe für den Strassenverkehr, das heisst Benzin und Diesel, werden als Fertigprodukte importiert. Der Rest wird in der Raffinerie Cressier hergestellt. Der Preis für importiertes Benzin setzt sich aus drei Hauptblöcken zusammen: Beschaffungskosten am internationalen Erdölmarkt inklusive Fracht zur Schweizer Grenze (Rhein), staatliche und öffentlich-rechtliche Abgaben (die mehr als die Hälfte des Preises ausmachen) sowie Vertriebskosten im Inland. (Quelle: Avenergy)

Andreas Vorburger von den Ruedi-Rüssel-Tankstellen rechnet noch nicht mit höheren Preisen fürs Benzin. «Es regnet viel, also haben die Tanker auf dem Rhein genug Wasser und die Transportkosten sind entsprechend tief», so Vorbuger. Zudem haben auch Faktoren wie der Umrechnungskurs von Franken zu Dollar grossen Einfluss auf den Preis an der Tankstelle. Ab einer Grenze von 80 Dollar fürs Fass Rohöl müsse allerdings beim Benzinpreis reagiert werden. «Dann wären die Beschaffungskosten zu hoch. Der Preis für einen Liter Benzin würde dann wohl um zwei bis drei Rappen steigen», so Vorburger.

Wann könnte das Benzin dann wieder günstiger werden?

Wenn sich die Produktionsländer nicht einigen, könnten sich Mitglieder wie die Vereinigten Arabischen Emirate von der Opec abspalten, so ZKB-Experte Lustenberger. Dann wären sie nicht mehr ans Fördermaximum gebunden. Sie könnten den Markt mit Öl fluten, mit entsprechend tiefen Preisen und später wohl auch tiefen Benzinpreisen. «Dann käme es zum Preiskrieg. Aber kein Förderland will tiefe Preise», so Lustenberger. Deshalb rechnet er damit, dass sich die Streitparteien Zugeständnissen bei der Fördermenge machen und wieder zueinanderfinden werden.

Was hat die Corona-Krise damit zu tun?

Das Ende der Krise sorgte für einen Erholungseffekt, der die Nachfrage antreibt. Die Wirtschaft öffnet sich wieder und Reisetätigkeit nimmt zu. «Entsprechend stark steigt die Ölnachfrage. Die Öl-Lagerbestände leeren sich und die Preise steigen in die Höhe», sagt Lustenberger.

Hat das Ganze Folgen für die Schweizer Wirtschaft?

Der Streit habe keine grossen Folgen, davon ist Lustenberger überzeugt. Die Wirtschaft könne sich durch die Wiedereröffnung nach der Krise, dank der ausdehnenden Geldpolitik der Notenbanken, zur Erhöhung der Geldmenge und dank der Steuermassnahmen stark entwickeln. Deshalb könnten die Firmen trotz höherer Kosten für Rohstoffe, wie Öl, ihre Gewinne steigern.

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