Autokrise: Opel-Arbeiter fürchten Massenentlassungen

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AutokriseOpel-Arbeiter fürchten Massenentlassungen

Der Opel-Betriebsrat befürchtet wegen der Sanierungspläne des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) Massenentlassungen bei den europäischen Töchtern. GM bemühte sich unterdessen in Verhandlungen mit Gläubigern und der Autogewerkschaft um Zugeständnisse.

Der ums Überleben kämpfende Konzern sollte seinen Restrukturierungsplan bis Dienstag beim US-Finanzministerium einreichen. Sollte bis Ende März keine Einigung darüber erreicht sein, könnte die US-Regierung bereits bezahlte Notkredite von 13,4 Milliarden Dollar zurückfordern. GM wäre dann aller Voraussicht nach pleite.

In einem Schreiben an die Opel-Mitarbeiter von Montag, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt, erklärte Betriebsratschef Klaus Franz, der Restrukturierungsplan des Mutterkonzerns umfasse in seiner derzeitigen Fassung «vermutlich Massenentlassungen an den GM/Opel/Vauxhall-Standorten und einige Werksschliessungen». Dies hätte «katastrophale Folgen für die GM-Marken und -Unternehmen in Europa und würde deren Ende bedeuten».

Die Alternative sei «die Ausgliederung des operativen Geschäfts in Europa». Das Abkommen könnte so ausgestaltet werden, dass GM weiter Zugang zu den Technologien der europäischen Entwicklungszentren behalte. Ihm sei klar, dass dann eine «harte Zeit» vor den Mitarbeitern liege, sagte Franz dem «Handelsblatt». Aber sie wüssten dann zumindest, wofür sie es täten.

Rüttgers widerspricht Meldungen über Werksschliessungen

GM wollte sein Konzept gegen Mitternacht deutscher Zeit in einer Pressekonferenz in Detroit der Öffentlichkeit vorstellen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wies unterdessen Meldungen über eine geplante Schliessung mehrerer Opel-Werke zurück. «Nach unserem Wissen ist noch nicht beschlossen, irgendeinen Standort zu schliessen», sagte der CDU-Politiker Bild.de. Bei den Meldungen sei aus internen Planspielen berichtet worden.

Rüttgers erklärte, er stehe in engem Kontakt mit der Bundesregierung und den anderen betroffenen Bundesländern. «Wir wollen in den nächsten Wochen die notwendige Liquidität sicherstellen.» Grundvoraussetzung dafür sei aber, dass es eine Zukunftskonzeption gebe, wie es in Europa mit der Produktion weitergehen solle.

Koch zurückhaltend zu Idee einer Staatsbeteiligung

Politiker in Deutschland stritten unterdessen über die Idee einer Staatsbeteiligung an Opel. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) äusserte sich zurückhaltend. «Es ist nicht Aufgabe des Staats, Unternehmer zu werden», sagte er. Das Land sei aber weiterhin bereit, Opel mit Bürgschaften zu helfen. Auch andere CDU-Politiker sprachen sich gegen einen Einstieg des Staates bei Opel aus.

Dagegen befürwortete der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Fritz Kuhn, ebenso wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer eine zeitlich befristete Staatsbeteiligung. «Es wäre tragisch, wenn ein Automobil-Dino wie GM ein modernes Unternehmen wie Opel in den Untergang reissen würde», wurde Kuhn von der «Westdeutschen Allgemeine Zeitung» zitiert. (dapd)

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