Kein neues Angebot: Opel gehen die Interessenten aus

Aktualisiert

Kein neues AngebotOpel gehen die Interessenten aus

Wer kann jetzt noch einspringen? Bereits heute Morgen hatte sich Fiat aus den Verhandlungen mit der deutschen Regierung über die Zukunft von Opel verabschiedet. Nun wird spekuliert, dass sich auch der kanadische Autozulieferer Magna zurückziehen will.

Wie «bild.de» berichtet, stellt Opels Mutterkonzern General Motors (GM) immer neue Forderungen. Seit 6 Uhr am Freitagmorgen verhandelten die Magna-Chefs mit der GM-Führung im Berliner Luxus-Hotel Adlon, heisst es weiter. «Anscheinend ohne Ergebnis.» Der kanadische Zulieferer, der als Favorit für die Opel-Rettung galt, wolle aufgeben.

Am Donnerstag hatte die Magna-Führung noch angeboten, das plötzlich entstandene 300-Millionen-Loch bei Opel zu decken. Mit dieser Finanzlücke war GM erst beim Krisen-Gipfel im Bundeskanzleramt herausgerückt. Das Finanzloch war im sogenannten Cash-Pool von General Motors entdeckt worden, der von den internationalen Tochterfirmen gefüllt wird.

Auch Fiat zieht sich zurück – vorerst

Am Morgen war bekannt geworden, dass der bisherige Mitbieter, der italienische Autobauer Fiat, nicht am Opel-Gipfeltreffen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel am Nachmittag teilnimmt. Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte, er sei nicht in der Lage, einen fairen Übernahmevorschlag vorzulegen.

Es sei ihm nicht gelungen, vollen Einblick in die Bücher von Opel zu bekommen, sagte Fiat-Chef Marchionne. Sein Konzern könne nicht wegen einer Notlage ausserordentliche Risiken eingehen. Grundsätzlich sei man aber offen für weitere Gespräche mit allen Beteiligten.

Fiat sei aber nicht bereit, sein Angebot nachzubessern. Das erste Spitzentreffen der Regierung mit Vertretern der US-Regierung und den Opel-Interessenten Fiat und dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war ergebnislos abgebrochen worden.

GM hatte überraschend einen neuen Finanzbedarf für Opel in Höhe von 300 Millionen Euro angemeldet, der bereits in den nächsten Tagen fliessen soll. Die Regierung hatte abgelehnt, diese Summe zu übernehmen.

Merkel kritisiert

Enttäuscht von der US-Regierung in diesem Zusammenhang zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dem «Spiegel» sagte Merkel laut Vorabmeldung vom Freitag, eine noch intensivere Zusammenarbeit sei notwendig, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. «Hier gibt es sicherlich noch Steigerungsmöglichkeiten auf amerikanischer Seite.»

Merkel schloss im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin eine Insolvenz von Opel nicht aus. Sie sagte: «Wir setzen alles daran, eine andere Lösung zu finden. Allerdings kommt eine direkte Beteiligung des Staates für mich nicht in Betracht.»

Zur Unterstützung des Staates für die deutsche Traditionsmarke erklärte die Kanzlerin, Opel selbst könne nichts machen, wenn sich die europäischen Regierungen nicht darum kümmerten. «Warum soll der beste Teil des Konzerns untergehen, nur weil in Amerika ein schlechtes Management das Mutterunternehmen geführt hat?» Die Regierung würde sich um Opel auch kümmern, wenn es die Wirtschaftskrise nicht gäbe.

Frist bis zum frühen Nachmittag

Deutschland hat den Interessenten für Opel und den US- Verhandlungspartnern eine Frist bis zum frühen Nachmittag gesetzt. Bis 14 Uhr soll eine von den Investoren, GM und der US-Regierung unterzeichnete Absichtserklärung vorliegen.

Nach den Äusserungen Marchionnes würde nunmehr Magna als einziger ernsthafter Interessent für Opel im Rennen bleiben.

Opel-Rettung angeblich teurer als Insolvenz

Doch ist eine Rettung des Opel-Konzerns wirklich sinnvoll? Eine solche Rettung kommt den Staat möglicherweise teurer zu stehen als eine Insolvenz. Wie der «Spiegel» am Freitag unter Berufung auf Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums berichtete, kämen auf den Staat im Falle einer Pleite Kosten von rund 1,1 Milliarden Euro zu. Müsste der Staat aber für die Kredite möglicher Opel-Retter einspringen, fielen beispielsweise bei dem interessierten Magna-Konzern 4,5 Milliarden Euro an.

Bei ihren Berechnungen hätten die Beamten unterstellt, dass ein künftig arbeitsloser Opel-Mitarbeiter die Steuer- und Sozialkasse im Schnitt 22 700 Euro jährlich kosten werde. Dabei sei berücksichtigt, dass er Arbeitslosengeld beziehe und keine Einkommensteuer mehr bezahle. «Im schlimmsten Fall, wenn alle 25 000 Jobs bei Opel und etwa gleich viele bei Zulieferern verschwinden, kämen auf den Staat Kosten in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro zu.» Die Berechnung unterstelle, dass Opel komplett liquidiert werde. Ähnlich äussersten sich auch einige Wirtschaftexperten in der deutschen Presse (20 Minuten Online berichtete). (sda)

Zulieferer Magna

Der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer Magna gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Opel-Übernahme. Magna International geht auf eine Gründung des heute 76-jährigen Österreichers Frank Stronach zurück. Der gelernte Werkzeugmacher wanderte in den 50er Jahren nach Kanada aus und machte sich dort selbstständig. Anfang der 60er Jahre ging er mit General Motors einen ersten Vertrag als Zulieferer ein.

Magna ist heute einer der grössten Autozulieferer der Welt mit nach eigenen Angaben 240 Produktionsstätten und mehr als 74 000 Beschäftigten auf allen Kontinenten. Das Unternehmen mit Sitz im kanadischen Aurora entwickelt und produziert Teile für fast alle namhaften Autohersteller.

Magna bezeichnet sich selbst als den am breitesten aufgestellten Zulieferer der Welt. Das Unternehmen produziert nicht allein Komponenten, sondern entwickelt und montiert auch komplette Fahrzeuge für andere Hersteller. So stellt die österreichische Tochterfirma Magna Steyr unter anderem die Mercedes G-Klasse, den BMW X3 sowie das Saab 9-3 Cabrio her. Das Unternehmen erzielte 2008 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 23,7 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn lag bei 71 Millionen Dollar. (ap)

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