Turbulenzen bei GM: Opel könnte wieder «deutsch» werden

Aktualisiert

Turbulenzen bei GMOpel könnte wieder «deutsch» werden

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Deutschland Opel an General Motors abtreten. Experten sehen inzwischen eine Chance, den traditionsreichen deutschen Autobauer wieder aus dem General-Motors-Konzern abzuspalten und eine europäische Lösung zu finden.

Nach den Milliarden-Notkrediten der US-Regierung für die Autobauer verlangt der Opel-Betriebsrat auch von der deutschen Regierung Hilfsgelder. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz verlangte rasch weiteres Geld: «Die 17,4 Milliarden sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Sie helfen nicht wirklich weiter», sagte Franz der Fachzeitschrift «auto motor und sport».

Opel werde sich weiter um eine Bürgschaft beim deutschen Staat bemühen. «Unabhängig von der Situation in den USA braucht Opel weiterhin eine Bürgschaft. Schliesslich haben wir kein eigenes Kreditrating und können ohne Bürgschaft nicht am Kapitalmarkt tätig werden», sagte Franz.

Opel muss investieren

Opel müsse investieren, um auf die aktuelle Absatzkrise mit neuen, attraktiven Fahrzeugen antworten zu können, sagte Franz, der auch im Aufsichtsrat von Opel sitzt.

In den USA sei nun entscheidend, was die neue Regierung unter Barack Obama unternehme, um den grossen drei US-Autohersteller zu helfen. «Es werden aber sicherlich weitere Staatshilfen notwendig sein», sagte Franz.

Milliarden-Notkredite

Bush hatte den von der Pleite bedrohten Autobauern General Motors und Chrysler am Freitag mit Milliarden-Notkrediten vorübergehend Luft verschafft. Trotz Bedenken im eigenen republikanischen Lager stellte er Soforthilfen im Gesamtumfang von 13,4 Milliarden Dollar bereit.

Weitere 4 Milliarden Dollar sollen im Februar ausgezahlt werden. Die Kredite sind an strenge Bedingungen geknüpft. Der zweitgrösste US-Autohersteller Ford lehnte das Hilfsangebot ab, weil er auf eigene Faust weitermachen könne.

Chance zur Abspaltung

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Rettungspläne für General Motors als Chance für eine Abspaltung von Opel aus dem Mutterkonzern. Die deutsche Regierung solle eine Bürgschaft für Opel an die Bedingung knüpfen, dass sich General Motors mehrheitlich von seiner Tochter trenne.

Das zentralistische System von General Motors sei gescheitert, sagte Dudenhöffer. Bei einer Eigenständigkeit von Opel könne ein europäischer Autobauer mit einer Produktion von 1,5 bis 2,0 Millionen Fahrzeugen im Jahr entstehen. «Die Entscheidungen würden dann vor Ort in Europa getroffen.»

Ball nun bei Konzernen

US-Präsident Bush bekräftigte in einer Ansprache, jetzt seien die Konzerne in der Pflicht, sich neu aufzustellen. Sonst müssten sie Insolvenz anmelden.

Bush, ein entschiedener Verfechter der freien Marktwirtschaft, machte erneut klar, dass er sich nur äusserst schweren Herzens für ein Eingreifen entschieden habe. Aber andernfalls wäre ein Zusammenbruch der Autoindustrie nahezu unausweichlich gewesen, sagte er. Das habe er nicht zulassen können. (sda)

Deine Meinung