Aktualisiert 15.10.2004 06:38

Opel-Produktion lahm gelegt

Wegen des drohenden massiven Stellenabbaus hat die Belegschaft am Opel-Standort Bochum in der Nacht zum Freitag die Produktion lahm gelegt.

Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall nahmen auch die Beschäftigten der Nachtschicht nicht die Arbeit auf sondern informierten sich beim Betriebsrat über die Lage. Zuvor hatten bereits die Angehörigen der 14-Uhr-Schicht die Arbeit niedergelegt. Nach Angaben des Betriebsrates handelte es sich dabei aber wegen der geltenden Friedenspflicht nicht um einen Warnstreik.

Ob die Arbeit im Laufe der Nacht wieder aufgenommen werde, war nach Angaben von Gewerkschaftssprecher Wolfgang Nettelstroth offen. Jede Schicht hat laut Nettelstroth rund 2.000 Mitarbeiter. Nach Angaben des Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzenden, Dietmar Hahn, sollen in den nächsten drei Jahren in Bochum 4.100 Arbeitsplätze wegfallen, 3.100 schon im nächsten Jahr. Ziel des Betriebsrates ist, jeden Arbeitsplatz in Bochum zu erhalten.

Die US-Konzernmutter GM hat angekündigt, bis 2006 in Europa insgesamt 12.000 Stellen abzubauen, die meisten davon in Deutschland. Nach Informationen aus Arbeitnehmerkreisen stehen bei Opel in Deutschland 10.000 Jobs auf der Streichliste, so dass fast jeder Dritte der insgesamt rund 32.000 Beschäftigten der Adam Opel AG um seinen Job fürchten muss. 90 Prozent des Stellenabbaus sollen bereits im nächsten Jahr über die Bühne gehen.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz erneuerte seinen Vorwurf, dass die Unternehmensführung schwere Managementfehler gemacht habe. Im ZDF gab Franz der zentralistischen Politik der Konzernführung von General Motors die Schuld an der Krise bei Opel. Auch die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer warf dem Management erhebliche Fehler vor. «Wesentliche Investitionen seien nicht getätigt worden und es seien wahrscheinlich Fehler bei der Modellpolitik gemacht worden, sagte Engelen-Kefer im Sender N24.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sagte nach einem Krisentreffen in Bochum, Opel sei weder ohne Rüsselsheim noch ohne Bochum vorstellbar. Er wolle zudem den «dringenden Hinweis» geben, dass speziell die Werke in Bochum «im Zentrum des Marktes» für den Autohersteller stünden. Im Sender N-TV kritisierte Clement die GM-Pläne als «sehr rabiates Programm». Im Sender RTL sagte Clement, er hoffe, dass nach der Einigung bei KarstadtQuelle auch bei Opel ein Sanierungsplan ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich sei. Clement betonte, dass die Opel-Krise eine unternehmerische und keine standortbedingte Fehlentwicklung sei.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück stellte klar, dass es keine Landesmittel zur Rettung von Opel geben werde. Das Land wolle aber als Vermittler oder bei der Gründung von Transfergesellschaften helfen. (dapd)

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