Nach Lärmklagen: Openair findet in einer Halle statt
Aktualisiert

Nach LärmklagenOpenair findet in einer Halle statt

Weil sich das St.Galler Weihern Openair ausserstande sieht, die Lärmschutzziele der Stadt zu erfüllen, verlegt es die Konzerte in eine Halle.

von
jeb
2016 fand das Festival noch auf den Dreilinden statt.

2016 fand das Festival noch auf den Dreilinden statt.

Facebook/Weihernopenair (Cyrill Schlauri

«Immer wieder werden uns Steine in den Weg gelegt», sagte Dario Aemisegger nach dem Festival 2016 zu 20 Minuten. Gemeint war ein Polizeieinsatz nach Lärmklagen, der laut Aemisegger grotesk war. «Es wurde sogar gedroht, das Festival abzubrechen.»

Dieses Jahr wird das Weihern Openair wieder stattfinden, jedoch nicht mehr als Openair, sondern unter einem Dach. Die Veranstalter verlagern das Festival vom Familienbad Dreilinden hoch über der Stadt in die Grabenhalle im Stadtzentrum, wie Ende Woche bekannt wurde. Grund: Das Festival sei im vergangenen Jahr zu laut gewesen. In der Medienmitteilung heisst es: «2016 gab es acht Einwohner oder ein Zehntausendstel-Prozent der Stadtbevölkerung, die sich bei der Stadtpolizei nach der Ursache dieses Lärms erkundigten oder sich darüber beklagten.» Im Jahr zuvor seien keine Klagen eingegangen. Dennoch: Vor kurzem seien den Veranstaltern neue Lärmschutzziele bekannt gegeben worden. Diese könne man nicht erfüllen, weshalb das Festival in die Halle verlegt werde.

«Elende Spiesserin»

Nach der Ankündigung gingen die Wellen in St. Gallen hoch. «St. Gallen, du Spiesserin», kommentierte FM1Today. «Acht Beschwerden bringen ein Openair mit zuletzt über 2000 glücklichen Besuchern zu Fall. Wieso lässt man so etwas zu?», fragt der Kommentator und antwortet gleich selbst: «Weil St. Gallen eine elende Spiesserin ist.»

Das «Tagblatt» kommentiert die Auflagen ans Festival als «Klima der Kleingeistigkeit»: Ein familienfreundlicher Anlass mit friedlicher Atmosphäre und ruhigen Konzerten – nicht einmal das sei in St. Gallen noch möglich.

Aushängeschild verloren

Für das SRF Regionaljournal ist klar, dass das Festival mit der Verlagerung in eine Halle seinen Charme verlieren wird. «Zudem wird St. Gallen ein kleines, aber feines Aushängeschild verlieren.»

Auf Social Media lassen St. Galler ihren Dampf ab:

Stadt kontert Vorwürfe

Die Stadt lässt die Vorwürfe nicht so stehen. Im «Tagblatt» sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin, es habe keine verschärften Auflagen für das Festival gegeben. Bei den Lärmschutzzielen habe es sich bloss um Empfehlungen gehandelt. Eine davon sei gewesen, ab 22 Uhr die Musik leiser zu machen oder ruhigere Gruppen spielen zu lassen.

In einer Medienmitteilung vom Freitagmorgen heisst es weiter: «Der Stadtrat schätzt das Festival als atmosphärischen Anlass von hoher künstlerischer Qualität für Familien und Kulturinteressierte aller Generationen – dies vor der unverwechselbaren Naturkulisse auf Drei Weieren.» Es läge dem Stadtrat nichts ferner, als solche kulturellen Initiativen zu unterbinden. Man habe auch die finanzielle Unterstützung auf 10'000 Franken verdoppelt.

Deine Meinung