Festival in Interlaken: Openair-Heirat in der Rockkapelle am Greenfield
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Festival in InterlakenOpenair-Heirat in der Rockkapelle am Greenfield

Dieses Jahr steht am Greenfield-Festival eine Kapelle auf dem Gelände, wo sich Paare das Ja-Wort geben können. Die Trauung ist rechtlich gültig – zumindest in den USA.

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cho
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Auf dem Gelände des Greenfield-Festivals steht heuer erstmals eine Kapelle, um mehr oder weniger offiziell zu heiraten. Die Trauungen wird Reverend Mäck (Mitte) vollziehen.

Auf dem Gelände des Greenfield-Festivals steht heuer erstmals eine Kapelle, um mehr oder weniger offiziell zu heiraten. Die Trauungen wird Reverend Mäck (Mitte) vollziehen.

zvg
Laute Musik, viel schwarze Kleidung und noch mehr Bier: Das Greenfield-Festival in Interlaken hat begonnen und dauert noch bis Samstag.

Laute Musik, viel schwarze Kleidung und noch mehr Bier: Das Greenfield-Festival in Interlaken hat begonnen und dauert noch bis Samstag.

Keystone/Peter Klaunzer
Heuer werden nicht nur etliche Konzerte über die Bühne gehen, es sollen auf dem Areal auch viele Hochzeiten gefeiert werden.

Heuer werden nicht nur etliche Konzerte über die Bühne gehen, es sollen auf dem Areal auch viele Hochzeiten gefeiert werden.

Keystone/Manuel Lopez

Laute Musik, viel schwarze Kleidung und noch mehr Bier: Das Greenfield-Festival in Interlaken hat begonnen und dauert noch bis Samstag. Doch heuer werden nicht nur etliche Konzerte über die Bühne gehen, auch Hochzeiten sollen auf dem Areal gefeiert werden: Auf dem Festivalgelände steht heuer erstmals eine Kapelle, um «offiziell» zu heiraten. «Wer vorab anständig poltert, darf sich hier das Ja-Wort geben», erklärt Mitorganisator Joel Meier.

Die heiteren Zeremonien findet in der «Rock'n'Roll Chapel of Fame» statt, welche sich im Rockstar-Block befindet. Mit viel Liebe haben die Organisatoren dort eine rockig-romantische Kapelle gebaut – mit weissen Wänden, bunten Kirchenfenstern und kitschigen Mosaiken von toten Rocklegenden. Auch die wichtigsten Utensilien für eine Trauung stehen bereit: «Wir haben Ringe, Schleier und alles, was dazu gehört. Sogar einen waschechten Pfarrer», sagt Meier.

Gültige Trauung in den USA

Die liebestrunkenen Rocker wird Reverend Markus «Mäck» Schaad vermählen. Es ist kein Pfarrer, sein Wort hat jedoch durchaus Gewicht: «Dank einem Internetkurs sind meine Trauungen in vier US-Bundesstaaten gültig.» In Kalifornien, Hawaii, Oregon und Missouri ist das Interlakner Ja-Wort legal. Für diese Legalität würden vor Ort die Namen in ein elektronisches Formular eingegeben und an die Staaten übermittelt.

Am Donnerstag um 18 Uhr ging es mit dem Vermählen los. Es soll im Halbstunden-Takt geheiratet werden: Bereits hätten sich viele Verliebte für die Zeremonie angemeldet.

Der Rock-Pfarrer zeigte sich am Donnerstag für alles gewappnet: «Die erste Trauung wird bereits zur Herausforderung: Eine Dreierhochzeit steht an, danach folgt eine nach heidnischem Brauch.» Auch wenn ihn sein Amt die nächsten Tage fast zwölf Stunden pro Tag beschäftige, freue er sich darauf – besonders auf den nächtlichen Teil seiner Arbeit.

Shots statt Ave Marias

«Ab 22 Uhr nehme ich Beichten entgegen. Um die Absolution zu erlangen, werden die Besucher für ihre Taten büssen müssen», sagt Schaad mit einem Lachen. Dafür habe er sich bereits einige hübsche Aufgaben überlegt: «Das beginnt mit dem Trinken einiger Shots und hört mit Flitzen über das Gelände auf.»

Aber auch Scheidungen wird Reverend Mäck durchführen: «Falls er doch nicht klappt, klären wir das gleich hier.» Jedoch werde er strenge Gütertrennungen vornehmen: «Alles wird geteilt: Kleider, Bierkonsum, einfach alles.» Auch die Scheidung werde elektronisch an die US-Behörden übermittelt. Und wenn die Ehe erst nach dem Festival in die Brüche geht? «Dann sind wir nächstes Jahr wieder hier, um die Scheidung zu vollziehen», sagt Schaad.

Konsequenzen für Festival-Vermählte?

Drohen den unglücklich Verheirateten bis dahin unangenehme Konsequenzen? «Eine so geschlossene Ehe ist in der Schweiz nicht per se gültig. Auch ist höchst fraglich, ob sie nachträglich in der Schweiz anerkannt werden würde», sagt Fürsprecher Yves Amberg aus Bern.

Dennoch könnte die Trauung Konsequenzen haben – etwa wenn einer der Ehepartner in einem Staat die Scheidung einreicht, wo die Trauung gültig ist: «Wenn sich das Gericht dort zuständig fühlt, könnte es unter Umständen unangenehm werden.» Amberg glaubt jedoch nicht, dass diese Heirat in der Schweiz irgendwelche Konsequenzen hätte: «Notfalls könnten sich die Ehepartner darauf berufen, nicht nüchtern gewesen zu sein.»

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