Wegen Planungssicherheit: Openair- und Sportveranstalter prüfen Impfpflicht
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Wegen PlanungssicherheitOpenair- und Sportveranstalter prüfen Impfpflicht

Die Schweiz hat noch im Dezember damit begonnen, erste Personen gegen das Coronavirus zu impfen. Ist eine Impfung bald Voraussetzung, um an Grossveranstaltungen teilzunehmen?

von
Reto Heimann
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Tausende von Menschen dichtgedrängt an einem Konzert wie hier am Gurtenfestival 2020? Momentan noch undenkbar.

Tausende von Menschen dichtgedrängt an einem Konzert wie hier am Gurtenfestival 2020? Momentan noch undenkbar.

imago/Manuel Winterberger
Nu erwägen die Ausrichter von Grossveranstaltungen aber eine Impflicht.

Nu erwägen die Ausrichter von Grossveranstaltungen aber eine Impflicht.

OskarMoyano
Sie sei eine von mehreren Massnahmen, die geprüft würden, heisst es beim Dachverband der Konzert- und Festivalbranche.

Sie sei eine von mehreren Massnahmen, die geprüft würden, heisst es beim Dachverband der Konzert- und Festivalbranche.

imago/PanoramiC

Darum gehts

  • Veranstalter von Konzerten, Festivals und Sportanlässen prüfen gemäss Medienbericht die Impfpflicht.

  • Eine Impfpflicht könnte Grossveranstaltungen von anderen Schutzmassnahmen befreien – und gäbe ihnen Planungssicherheit.

  • Es stellen sich aber ethische Fragen, so die Veranstalter. Auch die rechtliche Situation ist noch nicht klar.

An den Fussballmatch oder das Konzert nur noch mit Corona-Impfung? Das könnte im nächsten Jahr Tatsache werden. Verschiedene Ausrichter von Grossveranstaltungen erwägen eine Impfpflicht. Das schreibt der «SonntagsBlick».

So sagt Stefan Breitenmoser, Geschäftsführer des professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalters Swiss Music Promoters Association (SMPA): «Eine Impfung könnte dereinst eine von verschiedenen Massnahmen sein, um eine Veranstaltung zu besuchen.»

«Sehr heikler Bereich»

Bei der Swiss Football League, die für die Austragung von Profi-Fussballspielen verantwortlich ist, heisst es: «Wir klären derzeit ab, was der Impfstoff für den Fussball, für die Spieler und für die Stadien bedeutet.» Für den Kommunikationschef der Swiss Football League, Philippe Guggisberg, ist aber klar: «Es ist ein sehr heikler Bereich, der rasch ethische Fragen aufwirft.»

Gemäss Informationen von «Blick» äussert man sich in der Schweizer Eishockey-Szene ähnlich. Die Veranstalter von Konzerten, Festivals und Sportanlässen hoffen darauf, mit einer Impfpflicht die übrigen Schutzkonzepte aufheben zu können. Vor allem aber erhoffen sie sich Planungssicherheit.

Rechtlich grundsätzlich möglich

Das Risiko besteht darin, Kunden und Fans mit der Impfpflicht abzuschrecken. Vieles hänge davon ab, wie gut die Impfung in der Bevölkerung aufgenommen werde: «Entscheidend wird auch die Praxis und die Akzeptanz in anderen Lebens­bereichen sein», so Breitenmoser.

Und wie sieht es rechtlich aus? «Grundsätzlich ist es nicht ausgeschlossen, geimpfte und nicht geimpfte Personen rechtlich anders zu behandeln», schreibt Rechts­anwältin Ingrid Ryser im Namen des Bundesamts für Justiz sowie des Bundesamts für Gesundheit. Heisst konkret: Private Veranstalter – und dazu zählen Ausrichter von Konzerten, Openairs oder Fussballspielen – dürfen eine Impfpflicht einführen.

Noch gebe es aber viele offene Fragen, sagt Rechtsanwältin Ryser – gerade auch, was die Schutzwirkung der Impfung anbelange. «Ob die Impfung verhindern kann, dass Geimpfte das Virus weitergeben können oder nicht, ändert auch die rechtliche Beurteilung», so Rechtsanwältin Ryser.

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