RANDALE AN SVP-FEST: Opfer beklagen «milde Busse» für Krawallanten
Aktualisiert

RANDALE AN SVP-FESTOpfer beklagen «milde Busse» für Krawallanten

Die Bilder des Krawalls vom letzten Oktober in Bern gingen um die Welt. Jetzt ist ein erstes Urteil gegen einen der Randalierer gefallen. Ein viel zu mildes Urteil, finden die Opfer des 19-Jährigen.

Ein Berner Strafeinzelrichter hat den jungen Tessiner verurteilt, der sich im letzten Oktober an der Randale auf dem Bundesplatz rund um die SVP-Feier beteiligte. Er erhielt eine bedingte Geldstrafe von 165 Tagessätzen à 100 Franken sowie eine Busse von 2000 Franken. Auch die Verfahrenskosten von 1000 Franken muss er übernehmen. Die Probezeit beträgt zwei Jahre.

Er wurde der mehrfachen fahrlässigen Körperverletzung, der mehrfachen Sachbeschädigung, des Landfriedensbruchs, der Hinderung einer Amtshandlung und der Widerhandlung gegen das Vermummungsverbot schuldig gesprochen.

Angriff auf grosse Milchkanne

Der Strafeinzelrichter bezeichnete es als erwiesen, dass sich der 19-Jährige am Angriff auf die grosse Milchkanne beteiligte, in der sich drei Frauen beim Beginn der Randale auf dem Berner Bundesplatz versteckten. Die Frauen wurden leicht verletzt, als die Kanne kippte. Im Fernsehen waren danach ihre angsterfüllten Gesichter zu sehen.

Der unauffällige junge Mann gab vor dem Richter zu, sich vermummt zu haben und bei der Errichtung von Barrikaden beteiligt gewesen zu sein. Er anerkannte auch Sachbeschädigungen, aber nicht oder nur teilweise die ihm zur Last gelegten.

Insgesamt 35 Fälle

Der als Milchkanne gestaltete Stand der Schweizerischen Milchproduzenten sollte während des SVP-Fests auf dem Bundesplatz als Ausschankstelle dienen. Die SVP kam aber am 6. Oktober auf ihrem Umzug gar nicht bis zum Bundesplatz, sondern wurde in der unteren Altstadt von Gegnern und Chaoten gestoppt.

Der am Freitag Verurteilte ist eine von rund 35 Personen, gegen welche die Berner Polizei nach den Krawallen rund um den SVP- Wahlkampfanlass und die Gegendemonstration linker Kreise auf dem Berner Münsterplatz Anzeige erhoben hat.

Opfer unzufrieden

Die Opfer des jungen Tessiners, die Unternehmerin Veronika Von Deschwanden und die kaufmännische Angestellte Petra Linder sowie deren Tochter erlitten, als die Milchkanne kippte, einen Schock. Von Deschwanden sagte in «10vor10», sie halte die Strafe für zu mild. Und Linder meinte enttäuscht, der Täter werde wegen der bedingten Strafe wohl auch keine grosse Reue zeigen. (sda)

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