Aktualisiert 15.09.2019 12:30

Sexuelle BelästigungOpfer brach Studium ab, Professor lehrt weiter

Fünf Jahre lang soll ein Professor an der Uni Basel eine Studierende sexuell bedrängt haben. Nach einem Sabbatical kehrt er an die Uni zurück. Studierende sind empört.

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kom
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Ab Montag lehrt der Professor, der eine Studentin mehrfach sexuell belästigt haben soll, wieder an der Universität Basel. Studierende empören sich in einem Brief und fordern seine Entlassung.

Ab Montag lehrt der Professor, der eine Studentin mehrfach sexuell belästigt haben soll, wieder an der Universität Basel. Studierende empören sich in einem Brief und fordern seine Entlassung.

Keystone/Martin Ruetschi
«Über einen mehrjährigen Zeitraum hat ein Professor unserer Universität eine Studentin sexuell belästigt und ihre Grenzen gewaltsam missachtet», heisst es in dem von Studierenden der Uni Basel verfassten Brief.

«Über einen mehrjährigen Zeitraum hat ein Professor unserer Universität eine Studentin sexuell belästigt und ihre Grenzen gewaltsam missachtet», heisst es in dem von Studierenden der Uni Basel verfassten Brief.

In dem Brief formulieren die Studierenden ihre Forderungen zum Umgang mit den Vorfällen. Gefordert werden neben der Entlassung auch die Transparenz im Fall und eine Kampagne zu sexualisierter Gewalt.

In dem Brief formulieren die Studierenden ihre Forderungen zum Umgang mit den Vorfällen. Gefordert werden neben der Entlassung auch die Transparenz im Fall und eine Kampagne zu sexualisierter Gewalt.

20 Minuten

«Empört euch!» ist der Betreff eines Offenen Briefes, der derzeit unter Studierenden der Universität Basel kursiert. Als Verfasser angegeben sind «Studierende der Universität Basel»; Näheres ist nicht bekannt. Ein Professor, der eine Studentin sexuell belästigt haben soll, wird ab Montag nach einer halbjährigen Auszeit wieder an der Universität lehren. Die betroffene Studentin hingegen habe ihr Studium abgebrochen, heisst es im Schreiben, das 20 Minuten vorliegt. Die Verfasser des Briefes fordern die sofortige Entlassung des Professors.

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» schilderte die Studentin die Dynamik zwischen ihr und dem Professor: «Es fing mit Bemerkungen zu meinem Aussehen an und wurde immer fordernder. Egal, wie oft sich Nein sagte – er akzeptierte es nicht. Ein paarmal machte ich mit.»

Für die Studentin verheerend: Der Mann, der sie bedrängte, war gleichzeitig ihr Vorgesetzter und Betreuer. Universitäre Strukturen seien so aufgebaut, dass diese Vorgesetzten faktisch die Zukunft ihrer Studierenden in der Hand hätten.

Er liess sie nicht zu jemand anderem wechseln

Deswegen habe die Betroffene den Professor mehrfach gebeten, die Betreuungsperson wechseln zu dürfen, denn: Wenn sie nicht mitgemacht habe, habe sie es «zu spüren bekommen», sagte sie. Er habe sie aus Konferenzen und einem Sammelband zu ihrem Dissertationsthema ausgeschlossen. Ihr Anliegen betreffend des Wechsels habe er abgeschmettert.

Nachdem der Fall öffentlich wurde, trat der Professor freiwillig von seiner Leitungsfunktion zurück und wurde durch die Universität schriftlich abgemahnt. Die Uni liess den Vorfall untersuchen. Lange habe nicht einmal die Betroffene selbst das Resultat der Untersuchung gekannt, schrieb der «Tages-Anzeiger» weiter.

Der Mann habe aber inzwischen die Aussagen des Opfers bestätigt, heisst es im offenen Brief. An die Studentin habe er der Zeitung im April 2018 eine Mail geschrieben: «Dich trifft keine Schuld. Du bist ein Opfer.»

«Sie wissen nicht, was genau passiert ist»

Die Uni kommentiert den Brief so: «Die Forderung nach einer sofortigen Entlassung des entsprechenden Professors können wir schwer nachvollziehen. Die Verfasser des offenen Briefes wissen nicht, was zwischen dem Professor und der Studentin genau vorgefallen ist», sagt Matthias Geering, Sprecher der Universität, zu 20 Minuten.

Die Uni könne weder zu konkreten Vorfällen noch zu den Massnahmen näheres sagen, da sie die Persönlichkeitsrechte der Involvierten schützen müsse.

Die Verfasser des Offenen Briefes hingegen betonen auf Nachfrage, dass sie wissen, was vorgefallen sei.

Uni verweist auf neue Stelle

Die Uni sei überzeugt, dass durch die Massnahmen, die durch die zuständige Juristin empfohlen und entsprechend umgesetzt wurden, ähnliche Vorfälle in Zukunft verhindert werden können, so Geering.

Geering verweist zudem auf die neue Stelle der Koordination für Persönliche Integrität, die die Uni per 1. September 2019 geschaffen hat.

Das wird im Brief gefordert:

Grundsätzlich fordern die Verfasser des Briefes, dass der übergriffige Professor sofort entlassen werden soll. Sollte das nicht passieren, soll die Uni erklären, warum es vertretbar sei, dass der Professor weiter arbeite. Ausserdem soll der Untersuchungsbericht des Falls, sowie die von der Uni eingeleiteten Massnahmen anonymisiert veröffentlicht werden.

Durch Schulungen und Vereinbarungen sollen die Dozierenden zu einem achtsamen, respektvollen Umgang finden. Zudem soll eine Kampagne zur Sensibilisierung auf sexuelle Gewalt an der Uni gestartet werden.

Die Abhängigkeitsverhältnisse an der Universität sollen mittelfristig verhindert und in einem ersten Schritt abgeschwächt werden. Es sollen ergänzende Anlaufstellen für Betroffene von Diskriminierungen geschaffen werden. Diese sollen von den offiziellen Strukturen der Uni unabhängig sein.

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