Fall Kachelmann: Opfer in psychologischer Behandlung
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Fall KachelmannOpfer in psychologischer Behandlung

Die 37-jährige Sabine W. ist in der Klinik: Sie wird psychologisch betreut, sagt ihr Anwalt. Die Verteidiger von Kachelmann schweigen derweil und wollen Ruhe.

von
amc

Dem mutmasslichen Opfer von Jörg Kachelmann geht es nicht gut: Gemäss der Aussage ihres Anwaltes befindet sich Sabine W. (Name geändert) «in psychotraumatologischer Behandlung» und gehe derzeit nicht zur Arbeit, so Thomas Franz gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Der Anwalt des 37-jährigen mutmasslichen Opfers war am Mittwoch bei der Einvernahme von Jörg Kachelmann nicht vor Gericht. Nach dem Haftprüfungstermin sagte er, dass er «noch keine Akteneinsicht hatte». Er wolle die Aussagen von Kachelmann nun sorgfältig prüfen, so Franz am Mittwoch. Heute war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Über vier Stunden lang wurde Jörg Kachelmann am Mittwoch vor Gericht einvernommen, doch an seiner Lage änderte sich nichts: Noch immer sitzt der 51-Jährige in seiner Zweierzelle in der Strafanstalt Mannheim. Kachelmann beteuerte gestern seine Unschuld: «Ich bin unschuldig. Das ist alles, was ich im Moment sagen kann. Danke», rief er einem Reporter vor Gericht zu, wie ein YouTube-Video zeigt. Auf diesem Sachverhalt pochen auch seine Anwälte. Umso erstaunlicher, dass sie den ursprünglichen Haftprüfungsantrag zurückzogen.

Kachelmanns Anwälte: «Weitere Sachprüfungen nötig»

Wieso sie das taten, wollten die Anwälte gegenüber den Medien nicht konkretisieren. Sie schreiben in einer Pressemitteilung auf ihrer Webseite: «Heute ist keine Entscheidung über die Haftfortsetzung ergangen, weil weitere Sachprüfungen erforderlich sind.» Sie hatten bereits vor dem Gerichtstermin am Mittwoch dementiert, dass ein solcher Antrag überhaupt eingereicht worden sei. Es handle sich bloss um eine Vernehmung auf Wunsch von Kachelmann. Gerichtssprecher Volker Schmelcher stellte daraufhin klar, dass die Vernehmung Kachelmanns ein Haftprüfungstermin sei, und dass dieser bereits nach der Verhaftung von Kachelmanns Verteidigung beantragt wurde.

Der Rückzug hat - wie aus Justizkreisen zu hören ist - wohl taktische Gründe. Wäre Kachelmanns Antrag vom Haftrichter abgeschmettert worden, hätte er mindestens drei Monate in U-Haft bleiben müssen. Diese Tatsache lässt den Schluss zu, dass den Anwälten offenbar handfeste Beweise fehlen, die die Unschuld von Kachelmann beweisen oder zumindest die Aussagen des mutmasslichen Opfers widerlegen würden.

Kritik am Vorgehen von Kachelmanns Anwälten

Wie der «Tagesspiegel» berichtet, wird in Internetforen von Rechtsanwälten Kritik geübt an der Taktik der Kachlmann-Verteidiger: Das sofortige Beantragen eines Haftprüfungstermins durch den zweiten Anwalt Reinhard Birkenstock könnte taktisch unklug gewesen sein. Nicht förderlich sei zudem, dass Kachelmann einen Medienanwalt beauftragte, der sich sofort nach der Verhaftung lautstark zu Wort meldete.

Jetzt scheinen die Verteidiger die Vorgänge in ruhigere Gewässer bringen zu wollen: Weder Reinhard Birkenstock noch Ralf Höcker wollen mit den Medien sprechen. «Weitere Erklärungen zur Sache werden in der Öffentlichkeit nicht abgegeben», heisst es abschliessend in einer Pressemitteilung. Die Anwälte sind gemäss eigener Aussage «in ständigem Arbeitskontakt mit der Staatsanwaltschaft, um im Auftrag von Jörg Kachelmann die weitere Sachaufklärung zu beschleunigen». Was das konkret bedeutet und wie lange der Meteorologe in U-Haft bleiben muss bevor ein neuer Haftprüfungsantrag eingereicht wird, blieb zunächst unklar. Die Anwälte wollten keine Prognose stellen: «Die erforderliche Gründlichkeit bedingt, dass derzeit die Dauer der Untersuchungen nicht konkret abgeschätzt werden kann.»

Jörg Kachelmann wird nach seiner Vernehmung abgeführt:

(Quelle: youtube.com)

Die «Vorführung» von Jörg Kachelmann

Der Berliner Medienanwalt Christian Schertz hat der Staatsanwaltschaft eine öffentliche Zurschaustellung von TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann vorgeworfen. Der Staat habe aber eine unbedingte Schutzpflicht, auch für einen Beschuldigten, so der prominente Medienanwalt gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. «Mir ist kein Fall in der deutschen Pressegeschichte bekannt, wo es die Justiz ermöglicht hat, dass ein blosser Beschuldigter vor laufenden Kameras in eine grüne Minna (Häftlingstransporter) weggeschlossen wurde.» Der Staat müsse dafür sorgen, dass auch ein Beschuldigter «nicht ohne Not in einer für ihn unwürdigen Situation abgebildet wird».

Tatsächlich war sowohl der Ort als auch die Zeit von Kachelmanns Befragung kommuniziert worden, was zur Folge hatte, dass sich zahlreiche Reporter und Fernsehteams auf die Lauer legten. Schertz bezeichnete das als «mediale Vorführung». Die Fotoreporter hätten ungehindert Fotos von Kachelmann in dieser Situation machen können.

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