Opfer M.S.: Der Angreifer schrie, er müsse Juden töten
Aktualisiert

Opfer M.S.: Der Angreifer schrie, er müsse Juden töten

Nach der
Messerattacke auf einen
60-jährigen Mann in
Zürich ist die jüdische
Gemeinde beunruhigt.
Der Täter handelte
offenbar in religiösem
Wahn.

Das jüdische Opfer M.S.* war gestern noch tief schockiert vom unheimlichen Angriff an der Zürcher Manessestrasse. Der Täter habe ihn aus heiterem Himmel mit einem Messer angefallen und geschrien «I have to kill jews!» (ich muss Juden töten). M.S., der von der Attacke leichte Verletzungen am Hals davontrug, beschreibt den Unbekannten als jüngeren Mann mit Glatze und dunklem Teint. «Er hat mich erst in Ruhe gelassen, als ich mich mit Händen und Füssen wehrte.»

Geht in Zürich ein irrer Judenhasser um? William Wyler vom Zentrum David: «Wir hoffen sehr, dass es bei diesem einen Fall bleibt. Aber die jüdische Gemeinde ist sicher beunruhigt und hofft auf eine schnelle Klärung des Falls.»

Die Stadtpolizei Zürich nimmt den Fall sehr ernst, will aber nicht explizit von einem antisemitischen Vorfall sprechen. Judith Hödl: «Es könnte auch sein, dass das Opfer zufällig ausgewählt wurde. Aber es spricht sicher einiges für eine religiöse Motivation.»

Bis jetzt seien keine konkreten Hinweise eingegangen. Die Fahndung nach dem Täter laufe weiter auf Hochtouren.

Andy Fischer

*Name der Redaktion bekannt.

17914 Juden in der Schweiz

Bei der letzten Schweizer Volkszählung aus dem Jahr 2000 bekannten sich 17914 Personen zum jüdischen Glauben, davon wohnen über 7000 in Zürich und Umgebung.

Die Organisation David geht gegen Antisemitismus vor und unterstützt unter anderem Opfer von antisemitischen Vorfällen. www.zentrum-david.ch

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