Haft für Schützen: Opfer überlebte zwei Schüsse ins Gesicht
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Haft für SchützenOpfer überlebte zwei Schüsse ins Gesicht

Ein krimineller Pistolenschütze hat einem Barkeeper zweimal von vorne angeschossen. Der Mann überlebte den Angriff. Nun muss der gescheiterte Todesschütze zehn Jahre hinter Gitter.

Das Opfer überlebte zwei Schüsse ins Gesicht.

Das Opfer überlebte zwei Schüsse ins Gesicht.

Es grenzt an ein Wunder. Das Drama spielte sich in der Discothek des Zürcher Restaurants «Olif» ab. In den frühen Morgenstunden des 27. Februars 2009 gerieten sich einige verfeindete Dominikaner in die Haare. Auch der heute 34-jährige Pistolenträger und ein 39-jähriger Barkeeper. Letzterer wurde von hinten auf den Kopf geschlagen und ging zu Boden, wo er auf den Rücken zu liegen kam.

Doppelter Schutzengel

Der bewaffnete Angeklagte ging nun eiskalt vor: Er richtete seine Waffe aus zwei Metern Entfernung gegen das Gesicht des auf der Tanzfläche liegenden Opfers und drückte ab. Die Kugel drang in den Mund des Geschädigten ein und blieb wie durch ein Wunder in der Tiefe der Wangenschleimhaut stecken. Dann drückte der Täter ein zweites Mal ab. Doch das Opfer hatte einen doppelten Schutzengel. So blieb die zweite Kugel wegen einer Funktionsstörung im Lauf stecken.

Wegen Telefonkontrolle erwischt

Der nur leicht verletzte Geschädigte traf kurz darauf im Spital ein, wo die Ärzte das Geschoss aus dem Bereich des Kaumuskels erfolgreich entfernen konnten. Wesentlich weniger erfolgreich verhielt sich der flüchtige Schütze. Schon am Nachmittag rief er einen Landsmann an und teilte diesem seine Bluttat mit. Zu seinem Pech hörte die Polizei mit. So hatten die Drogenfahnder die Telefonleitung der Dominikaner wegen Verdachts auf Kokainhandel überwacht. Der Schütze wurde kurz darauf festgenommen und sitzt seither im Gefängnis.

17 Jahre verlangt

Vor Gericht stritt der Angeklagte trotz erdrückenden Beweisen den Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung ab. Auch die Verteidigung verlangte einen vollen Freispruch und damit die sofortige Haftentlassung ihres Mandanten. Es würden auch andere Männer als Schützen in Frage kommen, lautete das zentrale Argument des Rechtsanwaltes.

Staatsanwalt Matthias Stammbach verlangte dagegen eine hohe Freiheitsstrafe von 17 Jahren. Der Ankläger verwies nicht nur auf die Telefonkontrolle, sondern auch auf das Opfer, welches den Beschuldigten als Schützen identifiziert hatte. Zudem habe eine Bardame den Angeklagten unmittelbar nach der Schussabgabe mit einer Pistole in der Hand gesehen.

Zehn Jahre Freiheitsentzug

Das Gericht kam zu Schuldsprüchen und setzte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren fest. Der Gerichtsvorsitzende Sebastian Aeppli sprach von einem schweren Verschulden und einer beträchtlichen kriminellen Energie des durch das Telefonat überführten Dominikaners mit einem holländischen Pass. Trotzdem kam es aus drei Gründen zu einer beträchtlichen Strafsenkung. Erstens hielt das Gericht dem Beschuldigten eine Auseinandersetzung vor der Schussabgabe zugute. Zweitens sei es beim Versuch geblieben. Drittens habe das Opfer keine erheblichen oder bleibenden Schäden davon getragen. Dem Barkeeper wurde ein Schadenersatz von über 11 000 Franken sowie eine Genugtuung von 5000 Franken zugesprochen.

Das Opfer hatte bereits 2005 einen dicken Schutzengel. Bei einem Raubüberfall schoss ihm ein Gangster ins Gesicht. Dieser Schuss blieb im Kiefer stecken.

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