Aktualisiert 15.03.2011 23:32

«Keine Zeit»Opfer von Polizei weggeschickt

Die 16-jährige Shayenne wollte bei der Polizei zu Bürozeiten einen Diebstahl melden. Zuerst liess man sie warten, dann schickte man sie weg: «Wir haben jetzt keine Zeit!»

von
Roman Hodel
Die Urania-Wache. (Thomas Burla)

Die Urania-Wache. (Thomas Burla)

Die Polizei, dein Freund und Helfer? Diesen Satz kann Sha­yenne nicht mehr hören. «Ich hab es anders erlebt», sagt die 16-Jährige. Und das kam so: Am letzten Mittwoch kurz nach 20.30 Uhr wurde ihr im Starbucks am Central die Hand­tasche gestohlen – mitsamt iPod, Mobiltelefon und Hausschlüssel. Shayenne wollte den Diebstahl sogleich auf der Urania-Wache anzeigen. Dort beschied man ihr, sie solle sich zu Bürozeiten melden. Dieses Regime gilt seit Herbst, weil man laut Stadtpolizei nachts alle Leute auf der Strasse braucht. Sha­yenne: «Dafür hatte ich noch Verständnis – aber nicht für das, was danach kam.» Am Donnerstag um 9.15 Uhr – also zu Bürozeiten – ging die Schülerin erneut auf die Urania-Wache. 30 Minuten musste sie warten, um sich dann von einer Polizistin in barschem Ton anhören zu müssen: «Wir haben jetzt keine Zeit, kommen Sie ein anderes Mal!» Shayenne sagt: «Ich fühlte mich verschaukelt.»

Stapo-Medienchef Marco Cortesi sagt: «Das ist tatsächlich nicht korrekt abgelaufen.» Die Anzeigenzimmer seien zwar an jenem Morgen wegen eines ausserordentlichen Anlasses besetzt gewesen. «Doch deswegen hätte man die junge Frau nicht wegschicken müssen – wir bedauern dies sehr.» Shayenne will für die Anzeige nun einen neuen Anlauf nehmen: «Diesmal nehme ich meine Mutter mit.»

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