DSK: Opfer wohnt angeblich in AIDS-Unterkunft
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DSKOpfer wohnt angeblich in AIDS-Unterkunft

Dominique Strauss-Kahn könnte neben den Vergewaltigungsvorwurf ein weiteres – noch schlimmeres – Problem haben: Das Zimmermädchen, das er angeblich sexuell angegriffen hat, soll an AIDS leiden.

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In diesem Café in der Bronx arbeitet der Bruder des mutmasslichen Opfers. (Bild: AFP)

In diesem Café in der Bronx arbeitet der Bruder des mutmasslichen Opfers. (Bild: AFP)

Schlechte Nachrichten für Dominique Strauss-Kahn: Die angeblich von ihm angegriffene Hotelangestellte soll in einer Unterkunft wohnen, die exklusiv für HIV-Infizierte oder AIDS-Patienten bestimmt ist. Wie die «New York Post» berichtet, habe die 32-jährige Afrikanerin zusammen mit ihrer 15-jährigen Tochter eine Wohnung im vierten Stock des Hauses in der Bronx bezogen.

Dass das Zimmermädchen an AIDS leide, konnte aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nicht bestätigt werden. Die Wohnung sei zudem nicht auf ihren Namen gemietet. Doch der Vermieter des Wohnkomplexes ist die «Harlem United AIDS-Gemeinschaft», versicherte Chaim Gross, Besitzer der Immobilie.

Schwierige Recherche

Laut Recherchen von US-Medien bietet die Organisation Erwachsenen Unterkunft, die sich das HI-Virus zugezogen haben. Die Gemeinschaft ist nach eigenen Angaben nicht auf kranke Kinder ausgerichtet. Zuvor habe die alleinerziehende Mutter mit ihrer Tochter in einer Wohnung von Harlem United in High Bridge gewohnt. Dort sei sie im Jahr 2008 ausgezogen.

Der Anwalt der Frau, Jeffrey Shapiro, erklärte, seine Mandantin sei Witwe und daher die einzige erwachsene Person im Haushalt. Sie leide derzeit unter den Umständen: «Ihre Welt ist total auf den Kopf gestellt worden», so Shapiro, «sie hat grosse Angst um ihre Zukunft.»

Die Medien hätten es seiner Klientin unmöglich gemacht, nach Hause zurückzukehren, sagt der Anwalt weiter. Fernsehteams und Fotografen belagerten den Angestellteneingang des Sofitel und das Wohnhaus im Stadtteil Bronx, sagt er. «Die Reporter sind überall. Sie klingeln schon den ganzen Tag», ärgert sich Nachbarin Isidore Adams.

Ein Staranwalt für das Zimmermädchen

Jeffrey Shapiro berät seit Beginn des Skandals die Hotelangestellte. Ein gemeinsamer Bekannter habe den Kontakt hergestellt und nun arbeite er für die Frau kostenlos, erklärt er. In den Strafprozess werde er sich allerdings nicht einmischen, das sei Sache der Staatsanwaltschaft.

Strauss-Kahns Anwalt Benjamin Brafman äusserte sich inzwischen zuversichtlich, dass die gerichtsmedizinischen Untersuchungen keine Beweise für eine tätliche Attacke seines Mandanten auf das Zimmermädchen erbringen werden. Shapiro wies diese Einschätzung zurück.

«Auf keinen Fall gibt es auch nur einen Aspekt, der irgendwie so dargestellt werden kann, dass es einvernehmlich geschehen sei», sagt Shapiro bei einem Gespräch in seinem Büro in Manhattan. Die Tat sei nichts anderes als ein körperlicher, sexueller Angriff eines Mannes auf eine junge Frau gewesen, sagt er.

Er habe keine Zweifel an der Wahrheit der Aussage seiner Klientin, sagte der Anwalt. Die Frau komme aus einem Land, in dem Arme keine Chance auf Gerechtigkeit haben. «Jetzt ist sie in einem Land, in dem die Armen dieselben Rechte haben wie die Reichen und Mächtigen.» Er gibt sich überzeugt: «Womit (Strauss-Kahn) in einigen Ländern vielleicht durchgekommen wäre, damit kommt er hier nicht durch.»

«Sie sind ziemlich allein auf der Welt»

2004 sei die Frau aus Guinea, einem der ärmsten Länder der Welt, unter schwierigen Umständen mit ihrer damals achtjährigen Tochter in die USA gekommen, sagt Shapiro. Der Vater des Mädchens sei tot und sie hätten keine Verwandten in den USA. «Sie sind ziemlich allein auf der Welt», sagt der Anwalt. In den USA hätten sie politisches Asyl erhalten.

Nach ihrer Ankunft in den USA habe die Frau Arbeit als Zimmermädchen in Hotels gefunden, sagt Shapiro. 2008 habe sie im Sofitel angefangen und hat nach Auskunft des Hotels ihre Aufgaben zur Zufriedenheit ihres Arbeitgebers erfüllt. «Ich würde sie als eine sehr rechtschaffene und ehrliche Frau mit Grundsätzen charakterisieren, die nichts anderes will, als in diesem Land zu leben und zu arbeiten, um ihre Tochter zu unterstützen», sagt Shapiro.

Doch die Ereignisse vom Samstag hätten alles durcheinandergebracht. «Sie kann nicht nach Hause und sie kann nicht arbeiten gehen», sagt er. «Sie hat keine Ahnung, was ihre Zukunft angeht und wie sie für sich selbst und ihre Tochter sorgen soll. Für sie war es nichts anderes als eine Katastrophe.»

(kle/dapd)

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