Aktualisiert

K.-o.-Tropfen-FallOpfer zu stark geschminkt – Täter freigesprochen

Laut Anklage hat ein Mann eine 15-Jährige mit K.-o.-Tropfen betäubt und sexuell geschändet. Nicht zu beweisen, befand das Bezirksgericht Zürich.

von
A. Szenogrady
Vor dem Zürcher Bezirksgericht stand am Dienstag ein 33-jähriger Autohändler.

Vor dem Zürcher Bezirksgericht stand am Dienstag ein 33-jähriger Autohändler.

«Ich schwöre, ich hatte nie etwas mit K.-o.-Tropfen zu tun», beteuerte der heute 33-jährige Beschuldigte am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich in seinem Schlusswort. Anders sah es die Staatsanwaltschaft, die dem libyschen Autohändler nicht nur Schändung, sondern auch sexuelle Handlungen mit Kindern zur Last legte. Dafür sollte der inhaftierte Nordafrikaner für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Laut Anklage hatte der Beschuldigte in Begleitung eines Landsmanns die zur Tatzeit 15-jährige Geschädigte am 10. November 2013 angetroffen. Dabei bot er ihr spontan neben einer halben Dose Red Bull einen Becher Alkohol mit einer unbekannten Substanz an. Nachdem die Geschädigte die Getränke konsumiert hatte, führte der Beschuldigte die minderjährige Heiminsassin in seine Wohnung, wo sich die benommene Privatklägerin auf das Bett legte und einschlief. Gemäss Staatsanwaltschaft legte sich der Araber neben sie und vollzog mit ihr ohne Kondom den Geschlechtsverkehr. Am nächsten Tag wachte die Geschädigte alleine auf. Sie bemerkte, dass sie nackt war und Schmerzen im Unterleib hatte. Als sie darüber eine Sozialpädagogin unterrichtete, kam die Strafuntersuchung ins Rollen.

Nur Geschlechtsverkehr zugegeben

Der beschuldigte Autohändler wurde im August 2014 festgenommen und verbrachte danach rund zehn Monate im Gefängnis. Vor Gericht gestand er den Geschlechtsverkehr mit der minderjährigen Geschädigten. Allerdings sei es dazu ohne den Einsatz von K.-o.-Tropfen und völlig einvernehmlich gekommen. Er sei auch nicht davon ausgegangen, dass die Geschädigte nur 15 Jahre alt gewesen sei. Die Verteidigung verlangte im Hauptantrag ebenfalls einen vollen Freispruch und lastete der jungen Frau widersprüchliche Aussagen an.

Das Gericht kam am Ende beim Vorwurf der Schändung zu einem vollen Freispruch. Dem Beschuldigten kam vor allem entgegen, dass die angebliche Tat in seiner Wohnung geschehen war. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Beschuldigte sein angebliches Opfer nach solch einem Verbrechen allein in seiner eigenen Wohnung zurückgelassen hätte», führte die Gerichtspräsidentin aus. Zudem seien bei der Geschädigten keine Spuren von K.-o.-Tropfen nachgewiesen worden.

Mädchen zu stark geschminkt: Freispruch

Beim zusätzlichen Freispruch vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Kindern kam hinzu, dass es nicht erwiesen sei, dass er das Alter der Privatklägerin erkannt habe. «Die Geschädigte war zur Tatzeit stark geschminkt», erklärte die Präsidentin. Deshalb durfte der Beschuldigte von einem Alter von über 15 Jahren ausgehen, sagte sie. Mit dem umfassenden Freispruch wurde die sofortige Haftentlassung des Beschuldigten angeordnet. Für die zu Unrecht verbüsste Haft wurde ihm zudem eine Genugtuung von 50'000 Franken zugesprochen.

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