Aktualisiert 11.11.2004 13:48

Opferzahl steigt auf siebzehn

Eine Autobombe hat am Donnerstag in der Innenstadt von Bagdad mindestens 17 Menschen in den Tod gerissen. Der Anschlag habe nur knapp einen US-Konvoi verfehlt, sagte ein Polizeisprecher.

Die Detonation hinterliess einen gewaltigen Krater, mindestens zwölf Fahrzeuge gingen in Flammen auf. Am vierten Tag ihrer Grossoffensive in Falludscha gingen amerikanische Soldaten unterdessen gezielt gegen noch verbliebene Widerstandsnester vor.

Laute Explosionen erschütterten am Donnerstagmorgen abermals die westlich von Bagdad gelegene Stadt. Über den Häusern stieg Rauch auf, Kampfhubschrauber kreisten über den Dächern. Während die US-Luftwaffe ihre Bombardierungen fortsetzte, nahm die Artillerie die südlichen Stadtteil weiter unter Beschuss, um Mörserstellungen der Aufständischen auszuschalten.

Im Nordosten der Stadt fanden die US-Truppen nach eigenen Angaben bereits am Mittwoch eine gefesselte Geisel. Der Mann sei an eine Wand gebunden gewesen und offensichtlich misshandelt und nicht ausreichend mit Nahrung versorgt worden. In einer Aufnahme des Fernsehsenders ABC berichtete der Befreite, er sei ein irakischer Taxifahrer und zehn Tage lang in Gefangenschaft gewesen.

Im nordwestlichen Stadtviertel Dscholan begannen Marineinfanteristen inzwischen mit der Übergabe der Kontrolle an irakische Sicherheitskräfte. Dies wurde als Zeichen gewertet, dass die Lage dort bereits als weitgehend stabil angesehen wurde. US-Oberstleutnant John Sattler erklärte, die Aufständischen leisteten nur noch in vereinzelten Zentren Widerstand. Dieser werde jedoch schon bald gebrochen sein.

Extremisten drohen Allawi Vergeltung für Offensive an

Auf einer islamistischen Web-Seite tauchte ein Video auf, in dem Extremisten dem irakischen Ministerpräsidenten Ajad Allawi mit Vergeltung für die Offensive drohen. Allawi und Verteidigungsminister Hasem Schaalan al Chusaei hätten sich mit ihrer Billigung der Militäraktion niederträchtig gegenüber denjenigen gezeigt, «die ihr Zuhause, ihre Religion und ihre Ehre verteidigen», hiess es in dem Video. Der Fernsehsender Al Dschasira strahlte das Band schon am Mittwochabend aus, allerdings ohne Ton. Auf der Aufnahme sind 20 Geiseln in irakischen Uniformen zu sehen, die mit dem Rücken zur Kamera stehen. Dabei soll es sich laut Al Dschasira um Soldaten handeln, die an der Offensive in Falludscha beteiligt waren. Die Extremisten hätten allerdings versprochen, diese Gefangenen nicht zu töten, meldete der Sender.

Bereits am Dienstagabend hatten Extremisten drei Verwandte Allawis verschleppt und ultimativ ein Ende der Offensive in der Widerstandshochburg gefordert. Bei den Geiseln handelt es sich nach Regierungsangaben um einen 75-jährigen Cousin des Regierungschefs sowie dessen Frau und Schwiegertochter.

In der nordirakischen Stadt Kirkuk explodierte eine Autobombe nahe dem Konvoi des örtlichen Gouverneurs. Abdul Rahman Mustafa blieb unversehrt, doch wurde nach Polizeiangaben ein Passant getötet. 14 weitere Menschen, darunter vier Polizisten, wurden verletzt.

(sda)

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