Aktualisiert 08.03.2013 13:23

«Time-out»Optimale Ausgangslage für Antti Törmänen

Eishockey ist wahr und klar und gerecht. Zumindest in dieser Viertelfinal-Serie zwischen dem SC Bern und Servette. Das gibt dem SCB-Trainer die Bewährungschance.

von
Klaus Zaugg

Niemand gewinnt im Berner Hockeytempel mit gewöhnlichem, emotionslosem Hockey. Wenn die Dinge ihren gewohnten Lauf nehmen und die Emotionen im Bachbett der Disziplin fliessen, wenn «Schönwetterhockey» gespielt wird, dann rollt die grosse SCB-Hockeymaschine unaufhaltsam zum Sieg. So war es im ersten Spiel und der SCB siegte 4:0. Servette war in dieser ersten Partie nur ein «Freilos». Den polemischen Begriff «Freilos» nehme ich nicht zurück. Dieses Servette ist nach wie vor ein «Freilos».

Und nun Fakten. Keine Polemik: Gute Trainer sorgen dafür, dass ein leichter Sieg den Spielern nicht zu Kopfe steigt. Dass die Jungs weiterhin konzentriert bei der Sache sind. Vor dem zweiten Spiel war Antti Törmänen kein guter Trainer und der SCB verlor in Genf 2:5. Der SCB-Coach gestand nach der Partie sogar: «Meine Spieler waren nicht bereit.» Und sagte, das werde nicht mehr vorkommen.

Das Duell der Bandengeneräle

Gute Trainer sorgen dafür, dass nach einem verpatzen Abend die Spielzüge wieder auf die Geleise der Ordnung gestellt werden. Dass nicht noch einmal die gleichen Fehler gemacht werden. Vor dem dritten Spiel war Antti Törmänen kein guter Trainer. Seine Spieler waren nicht bereit und als Hektik aufkam und nicht mehr alles in gewohnten Bahnen lief, gelang es nicht mehr, die Dinge wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Powerplay, in der Qualifikation ligaweit gefürchtet, funktionierte nicht mehr. Der SCB hat das dritte Spiel auf eigenem Eis 5:6 n.V. verloren.

War dies vielleicht doch eine versteckte Polemik gegen den SCB-Trainer? Nein. Es ist das Aufzählen von Fakten. Und liefert zugleich die Grundlage für einen Ausblick auf das, was uns nun erwartet. Dieses Viertelfinale wird die Serie der Bandengeneräle. Antti Törmänen hat im letzten Frühjahr nach einer 3:1-Führung bereits das Finale noch verloren. Weil die ZSC Lions mit Bob Hartley den besseren Bandengeneral hatten.

SCB kann nur wegen Trainer verlieren

Dieses Viertelfinale kann der SCB nur an der Bande verlieren. Nicht auf dem Eis. Zu gross ist die Ausgeglichenheit und die Qualität der Mannschaft auf allen Positionen. Zudem sind die Vorteile nach wie vor alle beim SC Bern. Der Cheftrainer muss nur die Energien wieder bündeln und Ruhe und Ordnung ins Team zurückbringen. Dann kann die SCB-Hockeymaschine immer noch ins Halbfinale rollen. Und deshalb ist Eishockey in dieser Serie wahr und klar und gerecht: Es sind nicht höhere Mächte, die das SCB-Glück stören. Der 1:2-Rückstand nach drei Partien hat nichts mit Glück und Pech zu tun. Oder mit einer Benachteiligung durch die Schiedsrichter. Oder mit Verletzungspech. Sondern nur damit, dass es der Trainer nicht verstanden hat, das Potenzial seiner Spieler in den wichtigsten Tagen der Saison abzurufen. Vom ersten Sommertraining an gibt es bei einem grossen Hockeyunternehmen wie dem SCB nur ein Ziel: In den Playoffs bereit sein.

Weil Eishockey in dieser Serie wahr und klar und gerecht ist, bekommt Antti Törmänen nun die Chance, sich zu bewähren. Seine Ausgangslage ist optimal. Seine Spieler wissen jetzt, worum es geht. Selbstüberschätzung und Arroganz dürften sich verflüchtigt haben. Sie können jetzt für ihren Wohlfühltrainer, den sie so mögen, kämpfen. Mit einem Sieg in Genf kann der Fehlstart bereits am Samstag korrigiert und alles wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Schliesslich ist es ja in der Qualifikation selbst nach einer Heimniederlage gegen Harry Rogenmosers Lotter-Lakers gelungen, wieder Tritt zu fassen.

Scheitert der SCB im Viertelfinale, wackelt Törmänen stark

Schafft der SCB unter Antti Törmänen die Wende, dann werden der Coach und die Mannschaft gestärkt ins Halbfinale vorrücken. Dann werden wir im Rückblick vielleicht sagen können: Der SCB hat im Viertelfinale gegen Servette Titelreife erlangt und der Trainer meisterliches Format gewonnen. Das 5:6 n.V. am 7. März 2013 war nur ein Betriebsunfall und letztlich ein Glücksfall.

Weil Eishockey in dieser Serie so wahr und so klar und so gerecht ist, gibt es nach dieser Viertelfinalserie allerdings im Falle eines Scheiterns nur ein Urteil über die Arbeit von Trainer Antti Törmänen: ungenügend. Es ist dann an SCB-General Marc Lüthi zu entscheiden, ob es sich der SCB leisten kann, einen Versager als Trainer zu beschäftigen. Oder ob bei der Besetzung des wichtigsten Jobs in der Sportabteilung nicht doch das wahre und klare und gerechte Leistungsprinzip gelten sollte.

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