29.08.2020 16:21

Bakterielle VaginoseOralsex hat Mitschuld am Fischgeruch im Schritt

Wenn es im Genitalbereich fischelt und in der Unterhose Spuren von Ausfluss zu finden sind, ist oft eine Infektion der Grund. Das Risiko für eine solche steigt mit dem Oralverkehr.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Für viele gehört Oralsex einfach dazu. Doch dabei werden auch Erreger übertragen, die am neuen Ort für Probleme sorgen. Forscher haben nun ein Mundbakterium ausgemacht, das im Genitalbereich der Frau eine Infektion auslösen kann. 

Für viele gehört Oralsex einfach dazu. Doch dabei werden auch Erreger übertragen, die am neuen Ort für Probleme sorgen. Forscher haben nun ein Mundbakterium ausgemacht, das im Genitalbereich der Frau eine Infektion auslösen kann.

Screenshot Blue Valentine
Es handelt sich dabei um das Bakterium Fusobacterium nucleatum, das mit Zahnfleischerkrankungen und Zahnbelag in Verbindung gebracht wird. Gelangt es in den Schritt der Frau bringt es dort die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht, wodurch es zu einer bakteriellen Vaginose kommen kann. 

Es handelt sich dabei um das Bakterium Fusobacterium nucleatum, das mit Zahnfleischerkrankungen und Zahnbelag in Verbindung gebracht wird. Gelangt es in den Schritt der Frau bringt es dort die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht, wodurch es zu einer bakteriellen Vaginose kommen kann.

Dockcheck/PD
Typische Symptome sind ein unangenehmer Fischgeruch und …

Typische Symptome sind ein unangenehmer Fischgeruch und …

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Beim Oralsex gelangen Mundbakterien in die Vagina – auch das Bakterium Fusobacterium nucleatum.
  • Dieses kann das Gleichgewicht der Scheidenflora durcheinanderbringen und so für eine mitunter folgenreiche Infektion sorgen.
  • Das haben US-Forscher in einer Studie herausgefunden.
  • Bisher war kaum etwas über die Infektionsauslöser bekannt.

So schön und beliebt Oralsex auch sein mag: Ganz risikofrei ist er nicht. Denn beim Liebkosen des Genitals des Partners wechseln Viren und Bakterien munter die Seiten, etwa die humanen Papillomaviren (HPV, siehe Box). Für sie gilt schon länger als erwiesen, dass sie neben Gebärmutterhalskrebs auch Scheiden-, Anal- und Rachenkrebs auslösen können.

Neu ist die dagegen die Erkenntnis, dass Oralsex auch zu einer bakteriellen Vaginose führen kann, kurz: BV. Zu dieser kommt es, wenn in der Scheidenflora ein bakterielles Ungleichgewicht herrscht (siehe Box). Typische Symptome sind ein unangenehmer Fischgeruch und ein dünnflüssiger, grau-weisser und manchmal schaumiger Ausfluss. Etwa 5 bis 20 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter erkranken daran.

Ursachen von bakterieller Vaginose

Die genauen Gründe für ein Kippen der Scheidenflora und das Überhandnehmen von ungesunden Mikroorganismen sind nach wie vor unklar. «Wir wissen nur, dass BV ein wirklich komplexes Gebilde mit vielen beitragenden Faktoren ist», so Claudia Estcourt, Sprecherin der British Association for Sexual Health and HIV zur BBC. Das BV-Risiko gilt aber als erhöht, wenn man sexuell aktiv ist, häufig seinen Partner wechselt, mit der Spirale verhütet oder parfümierte Produkte im Vaginalbereich benutzt. Auch das Einführen zweckentfremdeter Gegenstände und Lebensmittel kann das Risiko erhöhen.

Mundbakterien in der Vagina

Von diesem bisher unbekannten Auslöser berichten Forscher der University of California in San Diego nun im Fachjournal «Plos Biology». Das Team um Amanda Lewis hatte in seiner Studie untersucht, welche Auswirkungen Mundbakterien auf Mikroben haben, die in der Vagina leben und wachsen.

Ergebnis: Offenbar unterstützt eine oft im Mund vorkommende Bakterienart, die mit Zahnfleischerkrankungen und Zahnbelag in Verbindung gebracht wird, die Entstehung von bakteriellen Vaginosen. Konkret ist es das Bakterium Fusobacterium nucleatum, welches das Wachstum anderer an BV beteiligter Bakterien fördert. Daraus folgern Lewis und ihre Kollegen, dass Oralsex mit zur Entstehung der unangenehmen Scheideninfektion beiträgt.

Humane Papillomaviren

Es gibt 100 verschiedene Typen von Humanen Papillomaviren (HPV), die zu den DNA-Viren gehören. Sie infizieren die Haut und verschiedene Schleimhäute und können unkontrollierbares tumorartiges Wachstum hervorrufen. Diese Tumore sind meist gutartig und führen zur Bildung von Warzen (auch Genitalwarzen). Einige HPV-Typen können jedoch auch bösartige Veränderungen hervorrufen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. HPV kann durch Oralverkehr auch auf die Mundschleimhaut übertragen werden und dort Mundtumore auslösen, wie das bei Michael Douglas der Fall war. HPV sind sehr weit verbreitet. 90 Prozent der Menschen im Alter von 25 Jahren sind einer Form des Virus ausgesetzt. Die allermeisten Fälle sind jedoch harmlos und hinterlassen auch keine sichtbaren Spuren.

Erhöhtes Ansteckungsrisiko

Ob eine BV vorliegt, wird mittels eines Abstriches untersucht. Zwar verläuft die Infektion selbst nicht schwerwiegend, dennoch sollte sie behandelt werden. Denn bei den Betroffenen steigt das Ansteckungsrisiko für Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien oder Escherichia coli und Enterokokken, die für Harnwegsinfektionen verantwortlich sind. Für Schwangere erhöht sich die Gefahr für einen vorzeitigen Blasensprung und eine Frühgeburt.

Ist das Ergebnis positiv, kann mit antibiotischen Tabletten, Gels oder Cremes behandelt werden.

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... dass die Klitoris rund 8000 Nervenenden hat, die die sexuelle Lust fördern können? Im Penis hingegen sind nur 4000 Nervenenden vorhanden.

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So wird nicht unbedingt vermittelt, dass im männlichen Geschlechtsteil rund 4000 Nerven enden. Das erklärt, warum Vorhaut, Eichel und das Vorhautbändchen zu den wichtigsten erogenen Zonen eines Mannes zählen.

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Apropos Details: Von der Vorhaut über das Vorhautbändchen und den Hodensack bis zum Damm verläuft die Penisnaht (Raphe penis). Dabei handelt es sich um eine Verwachsungsnaht. Bis zur 7. Schwangerschaftswoche sind die Genitalien aller Embryos weiblich. In der 8. Woche beginnt im Körper von Embryos mit männlicher Anlage die Produktion von männlichen Hormonen. Die winzigen Schamlippen schliessen sich und formen sich zur Verwachsungslinie.

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78 Kommentare
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Papillon

30.08.2020, 23:50

Papillomaviren sind erst dann lästig, wenn man beginnt wie Dede Koswara, der Baummann, au szus ehen

Martial2

30.08.2020, 19:15

Frisch geduscht und parfümiert kommt sowas bestimmt nicht vor. Klar gerade zurück von der Arbeit... Na ja!

Martial2

30.08.2020, 18:46

Danke ich esse lieber Muscheln frisch aus dem Meer... Und geruchlos!