Absage der München-Reise - Orban veröffentlicht Statement zu Regenbogen-Debatte
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Absage der München-ReiseOrban veröffentlicht Statement zu Regenbogen-Debatte

Nach der Absage seines München-Besuches an die Fussball-EM hat sich der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban in einem Statement geäussert. Der 58-Jährige findet, die Politik solle sich nicht bei der Uefa einmischen.

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Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, äussert sich in einem Statement zur Regenbogen-Debatte. 

Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, äussert sich in einem Statement zur Regenbogen-Debatte.

Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Orban hat einen Besuch nach München an die Fussball-EM abgesagt. 

Orban hat einen Besuch nach München an die Fussball-EM abgesagt.

Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Grund dafür ist die Debatte um die Regenbogenbeleuchtung des Fussballstadions in München. 

Grund dafür ist die Debatte um die Regenbogenbeleuchtung des Fussballstadions in München.

Tobias Hase/dpa

Darum gehts

  • Der Ministerpräsident Ungarns hat eine Reise nach München abgesagt.

  • Der Grund für die Absage habe mit der Regenbogen-Debatte um das EM-Spiel Deutschland – Ungarn zu tun.

  • So kritisierten deutsche Politiker die Uefa, nachdem der Verband ein Stadion in München nicht mit Regenbogenfarben beleuchten wollte.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat an die deutsche Politik appelliert, das Uefa-Verbot für eine Beleuchtung des Münchner EM-Stadions in Regenbogenfarben zu akzeptieren. Hier der Wortlaut seiner Aussagen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Mittwoch:

«In einer idealen, freien Welt sind Frauen gleichberechtigt mit Männern ohne jegliche Einschränkung. Es gibt keinen Rassismus, keinen Antisemitismus und es existiert keine Homophobie. Pädophilie wird aufs Schärfste verfolgt und bestraft. Den uneingeschränkten Schutz von Minderheiten garantiert, wie überall in Europa, der Staat. Die Gesetze zum Schutz von Minderheiten gehören zu den striktesten in Europa.

Da, wo diese Idealvorstellung noch nicht realisiert ist, müssen Männer aktiv kämpfen für die Gleichberechtigung der Frauen, ein Christ muss sich gegen Antisemitismus einsetzen und sich schützend vor seine jüdischen Mitbürger stellen. Ein heterosexueller Mensch muss Homosexuelle vor Ausgrenzung, Angriffen und Benachteiligung schützen.

«Der Staat garantiert Rechte von Homosexuellen und schützt sie»

Im kommunistischen Ungarn wurden homosexuelle Menschen verfolgt. Heute garantiert der Staat nicht nur die Rechte von Homosexuellen, sondern er schützt sie aktiv. Die Freiheit des Einzelnen ist das höchste Gut. Jeder Mensch muss sich selbst frei für seinen Lebensweg entscheiden dürfen – fraglos. Dieses Postulat ist das Erbe unseres Freiheitskampfes gegen die Diktatur.

Aus unserer Sicht ist die Aufklärung der heranwachsenden Kinder eine Aufgabe, die in jedem Fall ins Elternhaus gehört. Wir schützen diese Aufgabe der Eltern. Dagegen ist der Kampf gegen Pädophilie eine Aufgabe des Staates. Er ist hier in der Pflicht, für den besonderen Schutz der körperlichen Unversehrtheit und seelischen Gesundheit der Kinder zu sorgen. Mit dieser Haltung befinden wir uns in der Mitte des europäischen Wertekanons, in der Mitte einer offenen, toleranten Europäischen Union.

Ob das Münchner Fussballstadion oder ein anderes europäisches Stadion in Regenbogenfarben leuchtet, ist keine staatliche Entscheidung. Auch in Budapest gehören die Regenbogenfarben selbstverständlich zum Strassenbild. Die Freiheit, die wir uns 1989 erkämpft haben, darf nie wieder beschränkt werden.»

Ungarns Gesetz gegen Information über Homo- und Transsexualität

Das sagt die EU-Kommission

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein entschiedenes Vorgehen gegen das umstrittene ungarische Gesetz zur Einschränkung von Informationen über Homosexualität und Transsexualität angekündigt. Das Gesetz diskriminiere Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und verstosse gegen fundamentale Werte der Europäischen Union, sagte von der Leyen am Mittwoch in Brüssel. «Dieses ungarische Gesetz ist eine Schande.»

Nach Angaben der Kommissionschefin sollen die rechtlichen Bedenken nun in einem Schreiben an die ungarische Regierung näher ausgeführt werden. Dies solle noch vor dem Inkrafttreten der neuen Regeln erfolgen, sagte die Politikerin. Sollte Ungarn die Bedenken nicht ausräumen können, dürfte die EU-Kommission nach dem Inkrafttreten des Gesetzes ein offizielles Vertragsverletzungsverfahren gegen das Land einleiten. Dieses könnte dann mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes enden.

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Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Information

Lilli.ch, Information und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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(dpa/lub)

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