Aktualisiert 09.09.2013 15:02

Druckprobleme

Orell Füssli kämpft nicht nur mit unseren Nötli

Orell Füssli kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus: Wegen Mängeln beim Banknotendruck muss die Firma den Gewinn um 8 Millionen Franken nach unten korrigieren.

von
sas
Sind auch Schweizer Banknoten von den Problemen betroffen? Bei Orell Füssli heisst es lediglich, dass die laufenden Arbeiten für die Schweizer Banknotenserie durch die Vorfälle nicht tangiert seien.

Sind auch Schweizer Banknoten von den Problemen betroffen? Bei Orell Füssli heisst es lediglich, dass die laufenden Arbeiten für die Schweizer Banknotenserie durch die Vorfälle nicht tangiert seien.

Orell Füssli liegt mit der Produktion der neuen Schweizer Banknoten mehrere Jahre im Rückstand - und jetzt kommen in zwei Fällen auch noch Fehler beim Notendruck sowie ein Haftungsfall hinzu. Die Probleme sollen zu deutlichen Mindereinnnahmen führen, wie das Unternehmen in seiner Medienmitteilung vom Montagmorgen schreibt. Die Handels- und Industriegruppe rechnet mit einer Belastung des Gewinns um 8 Millionen Franken. Das Ergebnis werde dadurch deutlich negativ ausfallen. Die Börse reagierte heftig: Der Titel sackte um 9 Prozent ab.

Für welche Länder die fehlerhaften Banknoten bestimmt gewesen waren, ist nicht klar. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es auch um Schweizer Banknoten geht. Zu einzelnen Kundenaufträgen gebe man keine Auskunft, sagt Orell-Füssli-Sprecherin Daniela Diethelm auf Anfrage von 20 Minuten und hält fest: Durch die Vorfälle würden die laufenden Arbeiten für die neue Schweizer Banknotenserie nicht tangiert.

Ausserdem seien die Instandstellungsarbeiten wichtiger Druckaggregate aufwändiger als erwartet und führten neben Mehrkosten dazu, dass der vorgesehene Produktionsplan nur in reduziertem Umfang umgesetzt werden könne. Zurzeit seien Abklärungen im Gange, um die finanziellen Auswirkungen detailliert zu beziffern.

Banknote ist Chefsache

Ein letztes Mal von sich reden gemacht hat Orell Füssli im Juli. Damals wurde bekannt, dass Konzernchef Michel Kunz die Leitung der mit Problemen kämpfenden Division Sicherheitsdruck übernimmt. Der bis anhin fürs Geschäft verantwortliche Anton Gasteiger musste das Unternehmen verlassen.

Hat es Kunz nicht geschafft, das Steuer herumzureissen? «Wir sind zuversichtlich, dass wir rasch wieder zu unserer gewohnten Stärke zurückfinden werden. Die dafür eingeleiteten Massnahmen zur Qualität werden sehr konsequent umgesetzt», sagt Sprecherin Diethelm.

Einen Nachfolger für den gescheiterten Anton Gasteiger suchte Orell Füssli nicht. Inwiefern der Führungswechsel mit der unbefriedigenden Entwicklung der Sicherheitsdrucksparte zusammenhing, wollte das Unternehmen nicht kommentieren.

Mindestens fünf Jahre Verspätung

Aus Schweizer Sicht interessant ist: Orell Füssli hätte bereits im Jahr 2010 eine erste Serie der neuen Fünfzig-Franken-Noten in Umlauf bringen sollen. Nun liegt die Firma mehrere Jahre in Rückstand. Bei der Nationalbank heisst es auf Anfrage von 20 Minuten, mit der neuen Schweizer Banknotenserie sei nicht vor 2015 zu rechnen. Da die Nationalbank mit der neuen Banknotenserie höchsten Qualitätsansprüchen genügen wolle, nehme sie eine Verzögerung in Kauf. Der Ideenwettbewerb für die neuen Schweizer Noten war bereits 2005 gestartet.

Bestimmte Vorprodukte von Lieferanten verzögerten sich, heisst es bei Orell Füssli zu den Gründen der Verspätung. Zu Details äussert sich das Unternehmen aus Sicherheitsüberlegungen nicht. Ob die Nationalbank aufgrund der mehrjährigen Verzögerung Schadenersatz erhält, wollte der Sprecher nicht beantworten.

Goldesel wird zum Sorgenkind

Der Bereich Sicherheitsdruck hat sich vom Goldesel zum Sorgenkind entwickelt. In den letzten Jahren hatte die Division zuverlässig schwarze Zahlen im zweistelligen Millionenbereich geliefert. 2008, erwirtschaftete der Sicherheitsdruck ein Betriebsergebnis von fast 24 Mio. Franken.

Nun ist auch dieses Standbein eingebrochen: 2012 fiel das Betriebsergebnis des Geschäftszweigs von 12,3 Mio. Fr. auf 2,6 Mio. Franken. Im ersten Halbjahr dieses Jahres resultierten rote Zahlen: Die Division verlor auf Stufe fast 2 Mio. Franken.

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