Aesch BL: Organisation lockt mit Drogen-Trips für 250 Franken 

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Aesch BLOrganisation lockt mit Drogen-Trips für 250 Franken 

Eine Organisation organisiert Drogen-Retreats mitten in einem Wohnquartier. Die Teilnehmenden werden dazu eingeladen, psychedelische Substanzen zu konsumieren und müssen dafür tief in die Tasche greifen. Dabei werden auch neue Mitglieder rekrutiert.

von
Gandalf Weidemann
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Die Gruppierung Inner Mastery hat sich in ein luxuriöses Wohnhaus in Aesch eingemietet.

Die Gruppierung Inner Mastery hat sich in ein luxuriöses Wohnhaus in Aesch eingemietet.

20Minuten/Gandalf Weidemann
In Retreats wird den Teilnehmenden hier Ayahuasca angeboten.

In Retreats wird den Teilnehmenden hier Ayahuasca angeboten.

20Minunten/Gandalf Weidemann
Das Wohnhaus ist gut hinter einer dichten Bepflanzung versteckt und nur schwierig einsehbar.

Das Wohnhaus ist gut hinter einer dichten Bepflanzung versteckt und nur schwierig einsehbar.

20Minuten/Gandalf Weidemann

Darum gehts

  • Die Organisation Inner Mastery International hat 15 Sitze in ganz Europa. Einen davon in Aesch (BL). In kostenpflichtigen Ayahuasca-Retreats sollen die Mitglieder zur Erleuchtung gelangen.

  • Ein SRF Investigativreporter hat sich für einen Tag in die Vereinigung eingeschleust und wohnte einem der Drogen-Wochenenden bei. Neben der Einnahme des halluzinogenen Ayahuasca wurden auch psychedelische Substanzen wie Kambo, Bufo und San Pedro angeboten. 

  • Die Sektenberatungsstelle Relinfo bezeichnet die Organisation als problematische Gruppierung mit sektenähnlichen Strukturen.

In der Baselbieter Gemeinde Aesch bietet die Organisation Inner Mastery International Drogen-Retreats an. Die Trips werden jedes zweite Wochenende mitten in einem Wohnquartier durchgeführt, wie Recherchen von SRF zeigen. Konsumiert werden hauptsächlich das halluzinogene Ayahuasca und andere psychedelische Drogen.

«Wie, du willst heute noch kein Ayahuasca zu dir nehmen? Wenn wir warten, bis du dich bereit fühlst, werden wir noch lange hier sein.» Diese Worte bekam der SRF-Reporter vom Organisator zu hören, als er undercover einem der Drogen-Treffen in einem luxuriösen Einfamilienhaus in Aesch beiwohnte. Auf das ungewöhnliche Retreat aufmerksam wurde der Journalist, weil ihm auf Instagram Werbung geschaltet wurde. Für 250 Franken wird für eine Nacht inklusive Ayahuasca, Essen und Übernachtung im Massenlager geworben.

Die Organisation Inner Mastery International hat insgesamt 15 Sitze in rund 20 Ländern: zwei davon in der Schweiz. Gründer und Leiter Alberto José Varela verspricht den Mitgliedern, dass sie mit psychedelischen Substanzen bewusstseinserweiternde Erfahrungen, bis hin zur Erleuchtung, haben werden. Darüber hinaus erteilt er auf Youtube seiner Anhängerschaft Lebensratschläge. Varela bietet interessierten Retreat-Besuchenden die Möglichkeit, permanent in einem der über ganz Europa verteilten Häuser der Organisation zu leben und zu arbeiten.

«Sektenähnliche Strukturen»

Laut der Sektenberatungsstelle Relinfo handle es sich bei Inner Mastery International um eine «problematische Gruppierung mit sektenähnlichen Strukturen». 

An den Drogen-Wochenenden werden auch Mitglieder angeworben. Diese müssen laut SRF zunächst eine Gebühr von mindestens 1000 Franken bezahlen und bekommen im Gegenzug ein Guthaben von 1100 Inner Coins, einer digitalen Währung, die Organisations-intern genutzt wird. Mitglieder müssen zudem eine Monatsmiete zwischen 500 und 800 Franken bezahlen.

Ausserdem können etliche Kurse belegt werden: Die Kosten dafür belaufen sich pro Tag schnell auf mehrere hundert Franken. Einige der Weiterbildungen sind für die Mitglieder Pflichtprogramm. Einige der Kurse bemächtigen die Mitglieder, selbst Ayahuasca-Trips an neuen Standorten durchzuführen.

Jeden Monat 20 Leute überzeugen, um Kosten zu decken

Ein Aussteiger berichtet dem SRF: «Um meine Monatskosten von rund 1000 Euro für Miete, Ayahuasca-Zeremonien und Kurse zu decken, hätte ich jeden Monat 20 Leute davon überzeugen müssen, 500 Euro in der Gemeinschaft auszugeben. Da ich ein ausgesprochen schlechter Verkäufer war, habe ich das nie geschafft und musste jeden Monat auf mein Erspartes zurückgreifen.»

Die Baselbieter Polizei sagt gegenüber SRF, dass sie im Zusammenhang mit dem Einfamilienhaus in Aesch noch keine Kenntnisse von mutmasslichen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz habe. Die Situation werde überprüft. Gegenüber der Basler Zeitung äussert sich Polizeisprecher Adrian Gaugler: «Dies kann beispielsweise auch bedeuten, dass eine solche Einrichtung im Zuge oder als Ergebnis der Ermittlungen geschlossen werden kann. Weitere Angaben können wir aus taktischen Gründen nicht kommunizieren.»

Alberto José Varela, Guru und Kopf der Organisation, reagierte nicht auf Anfragen von 20 Minuten.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Information und Substanzwarnungen

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