Aktualisiert 28.11.2013 13:51

Umfrage zeigt

Organspender oder nicht? Das soll in den Pass

Rund die Hälfte aller Teilnehmer unserer Umfrage wären bereit, ihre Organe zu spenden. Anklang findet die Idee, die Spendebereitschaft in Pass oder Führerschein festzuhalten.

von
J. Büchi
CVP-Nationalrat Luc Barthassat will, dass die Spendebereitschaft im Pass vermerkt wird. 65 Prozent unserer Umfrageteilnehmer stimmen ihm zu.

CVP-Nationalrat Luc Barthassat will, dass die Spendebereitschaft im Pass vermerkt wird. 65 Prozent unserer Umfrageteilnehmer stimmen ihm zu.

Anlässlich der Transplantations-Debatte im Parlament wollten wir von den 20-Minuten-Lesern wissen: Wie halten Sie es mit der Organspende? Rund 10'000 Leser machten an der nicht-repräsentativen Umfrage mit. Das sind die Resultate:

36 Prozent geben an, einen Organspendeausweis zu besitzen, wobei der Anteil an Frauen (44%) deutlich höher ist als der Anteil an Männern (30%). Der grösste Teil dieser Gruppe ist bereit, alle Organe zu spenden. «Nach dem Tod brauche ich sie nicht mehr», lautet die Begründung der meisten befragten Organspender. Andere haben einen Organspendeausweis beantragt, weil jemand im eigenen Umfeld auf ein Organ gewartet hat oder weil er oder sie durch die Medien sensibilisiert wurde.

Spendebereitschaft – auch ohne Ausweis

Dieser Gruppe gegenüber stehen die knapp 60 Prozent der Umfrageteilnehmer, die keinen Organspendeausweis haben. Zudem die rund 4 Prozent, die einmal einen hatten, es sich aber anders überlegt haben – meist aus Angst, dass die Organe frühzeitig entnommen werden könnten oder illegale Geschäfte damit gemacht werden.

47 Prozent der Ausweislosen wären grundsätzlich trotzdem damit einverstanden, wenn ihnen nach dem Tod Organe entnommen würden, nur 37 Prozent sind klar dagegen. Fast jeder Dritte, der heute keinen Ausweis besitzt, überlegt es sich denn auch, noch Organspender zu werden (12% Ja / 26% eher Ja). Bei einer Umfrage vor knapp einem Jahr waren diese Werte sogar noch höher.

Mehrheit für Eintrag im Pass

Zwei Vorstösse aus dem Nationalrat, die in der laufenden Wintersession vom Ständerat behandelt werden, finden bei vielen Befragten Anklang. Dem von FDP-Nationalrat Laurent Favre geforderten Widerspruchsmodell würden 53 Prozent der Teilnehmer zustimmen. Nach diesem System käme jeder als Organspender infrage, der sich zu Lebzeiten nicht explizit dagegen ausspricht.

«Leider setzen sich heute viele Leute gar nicht erst mit dieser Frage auseinander, oder zumindest äussern sie ihren Willen nicht», schreibt Favre in seinem Vorstoss. Damit scheint er Recht zu behalten: Immerhin über ein Drittel der Befragten, die heute keinen Organspendeausweis haben, wären unter dem Widerspruchsmodell zum Spenden bereit. Insgesamt 44 Prozent der Befragten würden ihre Organe auch dann nicht spenden. Im Ständerat hatte das Modell aber keine Chance: Er beschloss deutlich, beim aktuellen Zustimmungsmodell zu bleiben.

Auf noch grösseren Anklang stösst die Idee von CVP-Nationalrat Luc Barthassat, dass die Spendebereitschaft im Pass oder auf dem Führerschein eingetragen werden könnte. Dies befürworten knapp 65 Prozent der Befragten. Wiederum könnte sich rund ein Drittel der heute Ausweislosen vorstellen, in dem Fall Organspender zu werden. Sie folgen dabei der Logik von Barthassat: «Ausserhalb von einzelnen, zeitlich begrenzten Kampagnen wird der Spenderausweis heute nur auf individuelle Anfrage, namentlich bei Apotheken oder bei Swisstransplant, ausgestellt», schreibt er in seiner Motion. Ein Eintrag auf einem amtlichen Dokument wäre ihm zufolge einfacher. Der Vorstoss wird im Ständerat voraussichtlich in der letzten Sessionswoche behandelt.

Wie entscheide ich für jemand anderes?

Doch wie verhält es sich, wenn man nicht über die eigenen Organe, sondern über die einer anderen Person entscheiden muss? Etwa über die eines gerade tödlich verunfallten Verwandten? Ganze 30 Prozent würden einer Organentnahme in diesem Fall vorbehaltlos zustimmen - knapp 56 Prozent nur dann, wenn davon auszugehen wäre, dass dies dem Willen des Verstorbenen entspricht. Dafür müsste entweder ein Spendeausweis vorliegen (18%), der Wille mündlich zum Ausdruck gebracht worden sein (43%) oder auch nur das Gefühl da sein, dass der Verstorbene so entschieden hätte (39%).

11 Prozent der Umfrageteilnehmer würden die Organe eines Verwandten auf keinen Fall zur Transplantation freigeben. Entweder weil sie grundsätzlich gegen eine Organentnahme sind (61%) oder weil sie diese Entscheidung nicht für eine andere Person treffen wollen (39%).

Leute fühlen sich schlecht informiert

Mit der Teilrevision des Transplantationsgesetzes, die am Donnerstag im Ständerat behandelt wurde, soll unter anderem die Information in den Spitälern zum Thema Organspende verbessert werden. Ausgehend von den Umfrageresultaten scheint dies dringend nötig: Nur gerade ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass die Menschen genug über das Thema Organspende informiert sind, um eine persönliche Entscheidung zu treffen. Ganze 60 Prozent sind der Meinung, man wisse zu wenig. Mehr Informationen wünschen sich insbesondere die Frauen (65%), bei den Männern ist der Anteil etwas tiefer (56%).

53 Prozent kennen den Werbefilm, mit dem das Bundesamt für Gesundheit die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren wollte (siehe unten). Wer schon einen Organspendeausweis hat, fühlte sich vom Film mehrheitlich bestärkt. Über 23 Prozent derer, die noch keinen Ausweis haben, gaben an, durch die Kampagne zum Nachdenken angeregt worden zu sein. Knapp 9 Prozent davon wollen sich nun gar einen Organspendeausweis zutun. 11 Prozent sind nun noch überzeugter, die eigenen Organe nicht spenden zu wollen. Auf ganze 65 Prozent hatte die Kampagne keine Wirkung.

(Youtube.com/ Transplantinfo)

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