11.06.2015 16:17

Bosnischer Ex-General

Oric widersetzt sich Auslieferung an Serbien

Der in Genf verhaftete Naser Oric wehrt sich gegen seine Auslieferung. Er wird in Serbien wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht.

Soll nach Serbien ausgeliefert werden: Naser Oric. (3. Juli 08)

Soll nach Serbien ausgeliefert werden: Naser Oric. (3. Juli 08)

Der Ex-Kommandant der bosnisch-muslimischen Streitkräfte in der Region Srebrenica widersetzt sich seiner Auslieferung nach Serbien. Das habe er bei der Anhörung durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Genf erklärt, teilte das Bundesamt für Justiz (BJ) am Donnerstag mit.

Naser Oric war am Mittwoch auf Anordnung des BJ in Thonex GE festgenommen und in Auslieferungshaft genommen worden. Nach Angaben eines Grenzwachkorps-Sprechers trug er eine verbotene Waffe auf sich. Die Festnahme sei ordnungsgemäss abgelaufen.

Schon einmal freigesprochen

Oric wird von den serbischen Behörden wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Er soll zusammen mit weiteren Soldaten zwischen 1992 und 1995 von Serben bewohnte Dörfer in der bosnischen Region Srebrenica angegriffen und die Bevölkerung terrorisiert haben. Unter anderem seien 1992 in der Ortschaft Zalazje neun Personen getötet worden.

Der heute 48-Jährige war 2006 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) wegen Kriegsverbrechen zunächst zu zwei Jahren Haft verurteilt worden, weil er in zwei Fällen Morde und Misshandlungen nicht verhindert habe. Im Berufungsverfahren wurde er aber 2008 von den Vorwürfen freigesprochen.

Weitere Abklärungen

Weil sich Oric der Auslieferung widersetzt, muss Serbien nun innerhalb von 18 Tagen ein formelles Auslieferungsgesuch einreichen. Die BJ werde ausserdem abklären, ob eine Auslieferung «a priori zulässig» sei und ob sich der Sachverhalt von jenem unterscheide, der vom ICTY bereits beurteilt wurde, hiess es.

Drei Jahre nach Orics Kommando-Tätigkeit, im Juli 1995, nahmen bosnisch-serbische Truppen Srebrenica ein und ermordeten etwa 8000 bosnische Muslime. Das UNO-Tribunal und der Internationale Gerichtshof haben dieses Massaker als Völkermord eingestuft. (sda)

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