Aktualisiert 26.01.2019 14:11

Australian OpenOsaka weint erst – und gewinnt dann

Die Japanerin besiegt nach dramatischem Verlauf Petra Kvitova in drei Sätzen – und ist neue Nummer 1.

von
czu

Nach dem zweiten Satz rannen Naomi Osaka die Tränen über die Wangen. Quelle: SRF

Eigentlich war das Spiel bereits vorbei. Naomi Osaka führte im Frauenfinal des Australian Open im zweiten Satz mit Break bei Aufschlag Kvitovas 7:6, 5:3 und 40:0 - heisst: drei Matchbälle für die Japanerin.

Doch dann begann ein neues Spiel, ein Intermezzo, das mit Tränen endete. Ein Spiel des Nichtaufgebens und der Resilienz von Kvitova. Eine Partie des Krampfs und Zauderns von Osaka. Denn die 21-Jährige vergab kurz darauf alle drei Matchbälle.

Kvitova jubelte, als hätte sie das gerade Spiel gewonnen. Osaka kamen die Tränen, als hätte sie es verloren.

Doch sie hatte noch eine Chance, konnte zum Match aufschlagen. Und kassierte das Break. Auch wegen eines Doppelfehlers. Der Schläger flog, sie fluchte und haderte. Es kam noch schlimmer. Im nächsten Aufschlagspiel hatte sie bereits wieder eine Breakchance – und vergab sie. Kvitova spielte plötzlich solide und gewann das Game, auch wegen ihres starken Aufschlags. Osaka hingegen verlor Konzentration und sogleich das nächste Game und damit den Satz. Wieder plagten sie ihre Nerven, wieder unterlief ihr im dümmsten Moment einen Doppelfehler.

Kvitova jubelte, als hätte sie gerade das Spiel gewonnen. Osaka kamen die Tränen, als hätte sie es verloren. Sie ging auf die Toilette, das Handtuch über dem Kopf.

Und wieder kommen die Tränen

Und wieder startete das Spiel neu. Osaka liess zwar in den ersten Minuten den Kopf hängen, man ahnte böses, doch plötzlich war sie wieder da. Die Winner kamen zurück. Ihr Aufschlag und Return ebenso. Mit der Vorhand schoss sie aus allen Lagen die Bälle an der Tschechin vorbei. Es folgte ein Break. Osaka zeigte wieder Faust und Zuversicht. Nach 150 Minuten ist es fix. Osaka schlägt Kvitova 7:6, 5:7, 6:4. Wieder kommen die Tränen. Diesmal jene der Freude.

Damit hat das Frauentennis eine neue Nummer 1. Mit dem Sieg stösst die US-Open-Siegerin von der Nummer 4 auf den Tennisthron vor. Die Tochter eines Haitianers und einer Japanerin, die mehrheitlich New York, aufwuchs war vor einem Jahr noch als Nummer 72 klassiert.

Aber auch Gegnerin Petra Kvitova hat bewegte Monate hinter sich. Sie stand das erste Mal wieder in einem Final seit der Messerattacke vor zwei Jahren. Damals schnitt ein Einbrecher ihr in die Hand. Es war ungewiss, ob die Tschechin jemals wieder ein Raquet in der Hand halten könne.

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