Böses Spiel mit Farhadi: Oscar-Preisträger für Propaganda missbraucht

Aktualisiert

Böses Spiel mit FarhadiOscar-Preisträger für Propaganda missbraucht

Iran ist stolz auf seinen ersten Oscar. Das Regime will sich eine Scheibe vom Ruhm des Films «Eine Trennung» abschneiden und deutet den Erfolg als Sieg im Atomstreit und über Israel.

von
Omid Marivani

Freude und Stolz sind immer gross, wenn ein Land erstmals die begehrteste Auszeichnung im Filmgeschäft, einen Oscar, einheimst. So auch im Iran, nachdem am Sonntag der Regisseur Asghar Farhadi für sein Drama «Nader und Simin, Eine Trennung» die goldene Statue verliehen bekommen hat. Dass die Machthaber in Teheran den Exploit der heimischen Filmindustrie in nationalistischen Tönen ausschlachten würden, war erwartet worden. Einige schossen dabei deutlich übers Ziel hinaus.

Das iranische Staatsfernsehen bezeichnete am Montag den Erfolg als Sieg über Israel. Der Film habe den Beitrag des «zionistischen Regimes» abgehängt, hiess es. Hintergrund dieser seltsamen Einordnung: In der Kategorie bester fremdsprachiger Film war auch der israelische Film «Footnote» nominiert.

«A Separation – Nader and Simin»

In Israel, wo «Nader und Simin, Eine Trennung» offenbar auf reges Interesse stösst, konnten sich einige scharfzüngige Beobachter den Kommentar nicht verkneifen, dass dieselben Kreise jüdischen Allmachtstheorien nachhängen und speziell Hollywood als komplett von Juden gelenkt betrachten: «Offensichtlich kontrollieren wir die globale Unterhaltungsindustrie nicht», schrieb ein Leser auf «Haaretz Online».

Falsche Worte in den Mund gelegt

Einen Schritt weiter – zu weit – ging die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars News, im Volksmund auch als «False News» (Falschnachrichten) bekannt. Laut ihrer Meldung sagte Farhadi in seiner Dankresrede: «Ich bin stolz, diesen Preis meinen Landsleuten zu widmen, die alle Kulturen und Zivilisationen repektieren, trotz aller Spannungen und Anfeindungen der vergangenen Monate zwischen Iran und dem Westen wegen Irans Atomprogramm.»

Tatsächlich hatte Farhadi das umstrittene Atomprogramm mit keinem Wort erwähnt (siehe Video oben). Vielmehr hatte er die Hoffnung geäussert, der Preis möge die «ruhmreiche Kultur» des Iran hervorheben, die «oftmals unter dem dichten Staub der Politik» verborgen liege. Er widme den Preis seinen iranischen Landsleuten, die «alle Kulturen und Zivilisationen respektieren» und «Feindseligkeit und Missgunst verabscheuen».

Viele Iraner hatten die Oscar-Verleihung über ihre Satellitenschüsseln in den Morgenstunden verfolgt und waren somit genau im Bild, was Farhadi gesagt hatte. Der plumpe Zensurversuch der staatlichen Medien machte alsbald die Runde in den Social Media, worauf Fars News die entsprechende Meldung korrigierte. Zu spät – flinke Blogger hatten bereits einen Screenshot davon gemacht.

Farhadi hat keine politische Botschaft

Farhadi weiss um das gespaltene Verhältnis der Machthaber in Teheran zu seinem Film. An der Pressekonferenz nach der Oscar-Verleihung sagte er, sein Erfolg freue einige in der Regierung, andere hingegen nicht. Es gebe keine einhellige Meinung. Auf die aktuellen Spannungen zwischen Iran und den Westen abgesprochen, erklärte er: «Sie sprechen die Beziehungen zwischen Regierungen an, aber ich habe keine Botschaft für sie», sagte er. Er glaube zudem nicht, dass Politiker etwas mit Filmen anfangen könnten oder ihre Botschaft verstünden.

Iranische Filme sind bei Filmfestivals wie Cannes, Venedig und Berlin wiederholt ausgezeichnet worden. Gleichzeitig müssen sozialkritische Regisseure wie Farhadi in ihrer Heimat Verfolgung und Berufsverbot fürchten. Sein renommierter Kollege Dschafar Panahi wurde 2010 zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt.

Farhadis Pressekonferenz: (Video: Youtube/jeanroustan)

Deine Meinung